Gefahr auf zwei Rädern und zwei Beinen
Königsdorfer kritisieren zu schmalen Fuß- und Radweg, fehlende sichere Querung und zu hohe Geschwindigkeit
- hochgeladen von Simone Janssen
Frechen-Königsdorf. Wer regelmäßig zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang der Brauweiler Straße vom Atrium in Richtung Kreisverkehr Königsdorf unterwegs ist, kennt das Problem: Der kombinierte Geh- und Radweg ist viel zu schmal, unübersichtlich und gefährlich – besonders in den Stoßzeiten.
Umso größer war die Hoffnung, als bekannt wurde, dass Straßen.NRW ab dem Ortseingangsschild Frechen-Königsdorf in Richtung Dansweiler die Straßen sowie Rad- und Gehwege erneuert. Doch wer dachte, dass damit eine Verbesserung einhergeht, sieht sich enttäuscht – insbesondere im Abschnitt zwischen Carl-von-Linné-Straße und dem Atrium.
Denn genau dort gibt es keine Möglichkeit, auf die andere Straßenseite auszuweichen. Bisher war der Weg – mit etwas gutem Willen und der Mitnutzung des Grünstreifens – immerhin rund 2,30 Meter breit. Seit letzter Woche jedoch wird gebaut – und der kombinierte Weg wurde dauerhaft auf 2 Meter verengt.
Das bedeutet: Fußgänger und Radfahrer müssen sich nun 2 Meter in beide Richtungen teilen. Und das bei ständig wachsendem Verkehr:
E-Bikes, Rennräder, Lastenräder, Scooter, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer, Hundehalter, Eltern mit Kindern – und viele Kinder auf dem Weg zur Schule. Alle auf engstem Raum. Ein Unding, sagen viele Anwohnerinnen und Anwohner.
Doch nicht nur der Weg selbst, auch das sichere Queren der Straße bleibt problematisch:
Der Übergang in Höhe Carl-von-Linné-Straße in Richtung Holbeinstraße wird von vielen genutzt – besonders von Kindern, die zum TuS Königsdorf wollen, aber auch von Erwachsenen.
Trotz der offensichtlichen Nutzung und obwohl auf der Brauweiler Straße mit Verkehrszeichen auf einen Fußgängerüberweg hingewiesen wird – inklusive blauer Poller –, weigern sich sowohl die Stadt Frechen als auch Straßen.NRW, hier einen sicheren, baulich abgesicherten Fußgängerüberweg einzurichten.
Einige Autofahrer halten zwar an, wenn Kinder sichtbar am Straßenrand stehen – viele jedoch nicht. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist“, so eine Anwohnerin.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: die Geschwindigkeit.
Obwohl die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Brauweiler Straße bei 50 km/h liegt, wird dort – insbesondere abends und nachts – häufig deutlich schneller gefahren. Eine temporäre Smiley-Geschwindigkeitsanzeige hat zuletzt Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 70 und 100 km/h erfasst.
Auch die Bitte der Anwohner, einen stationären Blitzer zu installieren – vergleichbar mit dem auf der Aachener Straße vom Clarenhof in Richtung Königsdorf – wurde abgelehnt.
„Offenbar wartet man auf einen schweren Unfall, bevor gehandelt wird“, lautet die ernüchterte Einschätzung vor Ort.
Seit dem Bau des Wohnquartiers Atrium hat sich die Einwohnerzahl im Viertel massiv erhöht. An der Verkehrssituation aber wurde nichts angepasst.
Zum besseren Verständnis:
Das Wohnquartier Atrium liegt verkehrsrechtlich außerorts. Erst ab dem Ortseingangsschild Frechen-Königsdorf, Höhe Dürerstraße, beginnt offiziell der innerörtliche Bereich.
Das ist das Kernproblem: In dem Abschnitt zwischen Atrium und Ortsschild gelten rechtlich gesehen die Regeln für eine Landstraße – höhere Tempolimits, eingeschränkte Querungsmöglichkeiten und deutlich geringere Anforderungen an die Infrastruktur.
Das Ortsschild müsste eigentlich am Kreisverkehr an der Einfahrt zum Atrium stehen, denn dort beginnt in der Realität das bewohnte Gebiet.
Doch laut Aussagen der Stadt Frechen und Straßen.NRW sei dies nicht möglich, weil die rechte Seite der Straße an dieser Stelle unbebaut ist – dort befindet sich nur ein Feld.
Das führt dazu, dass eine veraltete Schilderregelung mehr Gewicht hat als die heutige Lebensrealität.
Gerade an dieser Situation zeigt sich wieder einmal, wie lähmend und wirklichkeitsfern die deutsche Bürokratie agiert.
Hier wird vom Schreibtisch aus entschieden, ohne die Menschen vor Ort einzubeziehen. Statt pragmatischer Lösungen herrschen Regelwerke, Zuständigkeitsstreitigkeiten und Ausflüchte – auf Kosten der Sicherheit von Familien, Kindern und älteren Menschen.
Dabei ist das Problem längst auch politisch angekommen.
Mehrere Parteien in Frechen haben das Thema bereits auf ihre Agenda gesetzt und Gespräche geführt – doch auch sie stoßen auf geschlossene Türen bei Behörden und Zuständigkeiten.
Das Ergebnis: Stillstand statt Schutz – und Frust bei allen, die sich engagieren.
Der Appell der Anwohner ist klar:
▶️ Der Fuß- und Radweg muss verbreitert werden.
▶️ Ein sicherer Fußgängerüberweg ist dringend notwendig.
▶️ Gegen Raserei müssen endlich effektive Maßnahmen ergriffen werden.
▶️ Die Ortslage muss an die Realität angepasst werden – nicht erst nach einem Unfall.
LeserReporter/in:Simone Janssen aus Frechen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.