Einsam im Team, geht das?
Kann man mitten im Berufsleben stehen – und sich trotzdem einsam fühlen?
- hochgeladen von Diana Brasse
Ja. Und oft wird genau darüber nicht gesprochen.
Denn von außen sieht es anders aus: volle Kalender, Gespräche, Austausch, Verantwortung. Alles wirkt eingebunden, vernetzt, aktiv. Und trotzdem entsteht bei vielen Menschen ein Gefühl von Distanz.
Nicht, weil niemand da ist. Sondern weil Verbindung fehlt.
Im beruflichen Alltag sind Kontakte häufig funktional.
Man spricht miteinander, um Aufgaben zu klären, Entscheidungen zu treffen, Ergebnisse zu erzielen. Das ist notwendig – aber es ersetzt keine echte Begegnung.
Einsamkeit entsteht nicht durch zu wenig Kontakt, sondern durch das Fehlen von Resonanz.
Der Sozialneurowissenschaftler John T. Cacioppo beschreibt Einsamkeit als die Lücke zwischen dem, was wir an Nähe brauchen, und dem, was wir tatsächlich erleben. Diese Lücke kann auch dort entstehen, wo äußerlich viel Austausch stattfindet.
Besonders spürbar wird das bei Menschen, die viel tragen.
Führungskräfte.
Selbstständige.
Menschen, die begleiten, entscheiden, Verantwortung übernehmen.
Sie sind oft in Kontakt – und gleichzeitig innerlich allein mit dem, was sie bewegt.
Nicht alles lässt sich mit Kollegen teilen.
Nicht alles passt in einen beruflichen Rahmen.
Und nicht jede Begegnung gibt einem wirklich etwas.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt:
Viele Menschen funktionieren sehr gut.
Sie leisten, organisieren, reagieren, halten Abläufe stabil.
Dabei rückt die eigene Wahrnehmung in den Hintergrund.
Arbeit wird zum Fokus – manchmal hat Einsamkeit auch eine Funktion: Sie schützt.
Zum Beispiel bei jemandem, der erlebt hat, dass Offenheit im Job nachteilig war. Die Reaktion darauf ist oft nicht bewusst.
Man wird klarer in der Sache, professioneller im Auftreten, zurückhaltender mit dem, was man zeigt.
Nach außen wirkt das souverän. Innen passiert etwas anderes:
Verbindung wird reduziert, bevor sie entstehen kann.
Das schützt vor Enttäuschung – verhindert aber auch Nähe.
Solange im Außen viel passiert, bleibt wenig Raum zu spüren, was innen fehlt.
Einsamkeit im Beruf ist kein Zeichen von Schwäche.
Sie ist ein Hinweis.
Ein Hinweis darauf, dass etwas fehlt, das über Funktion hinausgeht.
Verbindung entsteht nicht automatisch durch Zusammenarbeit.
Sie entsteht dort, wo Menschen sich zeigen können – und wahrgenommen werden.
Oft beginnt es im Kleinen:
Ein Gespräch, das nicht nur an der Oberfläche bleibt.
Ein Moment, in dem echtes Interesse spürbar wird.
Ein Satz, der nicht perfekt ist – aber ehrlich.
Die entscheidende Frage:
Bin ich im beruflichen Alltag nur im Austausch – oder wirklich in Kontakt?
Diese Unterscheidung verändert, wie Arbeit erlebt wird.
Und wie viel Verbindung darin möglich ist.
LeserReporter/in:Diana Brasse aus Erftstadt |
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