Kritik an Bebauungsplan
Der Blick gehe verloren

Noch ist der Blick auf den Strauchshof  und Turm von St. Severin frei. Ist das Neubaugebiet fertig, sei diese Sicht versperrt, wie die Anwohnerinnen mit der Höhe der Luftballons demonstrieren wollen.
  • Noch ist der Blick auf den Strauchshof und Turm von St. Severin frei. Ist das Neubaugebiet fertig, sei diese Sicht versperrt, wie die Anwohnerinnen mit der Höhe der Luftballons demonstrieren wollen.
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Brühl-Schwadorf - Dorothee Schulten lässt mit ihrer Tochter mehrere mit Helium
gefüllte Luftballons gen Himmel aufsteigen. Hinter ihnen sind der
historische Strauchshof, ein Gutshof aus dem 18. Jahrhundert, zu sehen
sowie der Turm der Pfarrkirche St. Severin – noch. Denn schon bald
könnte diese Ortsansicht, zu der auch die spätmittelalterliche
Schallenburg gehört, versperrt sein. Direkt davor möchte ein
Investor ein neues Wohngebiet realisieren, ausgewiesen als
Bebauungsplan 05.10 „Östlich Lindenstraße, westlich An der
Schallenburg“. Vorgesehen ist ein Mix mit circa 109 Wohneinheiten
aus Mehrfamilien-, Doppel- und Einfamilienhäusern. Hinzu kommen ein
Altenpflegeheim mit etwa 80 Betten, ein Nachbarschaftstreff und ein
Spielplatz. Das Areal ist ausgewiesen als Baugebiet im
Flächennutzungsplan. Derzeit befindet sich der Bebauungsplan in der
Offenlage, noch bis zum 6. April haben Bürger Gelegenheit hierzu
Stellung zu nehmen.

Rita Lennartz, Miteigentümerin der Schallenburg, befürchtet, dass
der Blick auf die historischen Gebäude Schwadorfs durch die bis zu
viergeschossigen Neubauten komplett versperrt würde. Die Höhe der
Luftballons soll die Höhe der geplanten Bebauung symbolisieren.

Schulten und Lennartz bezeichnen die Planungen daher als
„städtebaulichen Fauxpas“: „Wenn man einen solchen Schatz hat
wie wir in Schwadorf, dann sollte man ihn auch erhalten.“ Die
Anwohnerinnen befürchten, dass durch die modernen Gebäude ein
„uniformes Areal“ mit einer Bebauung entstehen würde, wie man es
überall in Neubaugebieten vorfinde und dadurch die historische
Siedlungsstruktur verschandele. Zudem korrespondiere die Sichtachse
vom Strauchshof mit dem Schloss Augustusburg, die dadurch ebenfalls
zerstört würde.

Rückendeckung erhalten die Kritikerinnen vom Regionalverband
Rhein-Erft vom Rheinischen Verein für Denkmalpflege und
Landschaftsschutz (RVDL). So schreibt Ulrich Stevens vom RVDL in
seiner Stellungnahme an die Stadt ebenfalls davon, dass lokale
Strukturen durch die Bebauung beeinträchtigt würden und nicht dem
gültigen Regionalplan entsprächen: “Der optische Bezug zwischen
der Welterbestätte der Brühler Schlösser und Schwadorf würde
zerstört und die Pufferzone der UNESCO-Welterbestätte negativ
beeinflusst.“ Auch seien laut RVDL die Vorgaben der Europäischen
Wasserrahmenrichtlinie, die eine „möglichst weitgehende
Renaturierung der Gewässerverläufe intendiert“, nicht
berücksichtigt.

Die Anwohner haben eigens für ihr Anliegen eine Internetseite ins
Leben gerufen. Diese ist unter www.denkmal-bruehl.de zu erreichen.

- Frank Engel-Strebel

Redakteur:

RAG - Redaktion

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