Gesperrte Nordbrücke
UPDATE: Busse und Bahnen ab Montag kostenlos

Die gesperrte Nordbrücke sorgt in Bonn und der Region für teils schwere Verkehrsbehinderungen.  | Foto: gameboyfoto / stock.adobe.com
  • Die gesperrte Nordbrücke sorgt in Bonn und der Region für teils schwere Verkehrsbehinderungen.
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UPDATE:



Busse und Bahnen ab Montag kostenlos

Wer ab Montag in Bonn den ÖPNV nutzen will, braucht dafür keinen Fahrschein mehr. Das hat der Rat der Bundesstadt am Donnerstagabend entschieden. Die Maßnahme war von der Verwaltung zusammen mit einem großen Maßnahmenpaket vorgeschlagen worden, um nach der Sperrung der Nordbrücke für Entlastung im Straßenverkehr zu sorgen. Die Verwaltung hofft, auf diese Weise mehr Pendler dazu zu bewegen, auf Busse und Bahnen umzusteigen. Die Entscheidung gilt zunächst bis Ende Juni.

Weitere Maßnahmen, die vom Rat beschlossen wurden, sind unter anderem: 

  • Die Nutzung der Straßenbahntrasse auf der Kennedybrücke für Linienbusse, 
  • die Umwandlung der Umweltspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring in Busspuren
  • die Umgestaltung der B56 im Abschnitt Kölnstraße bis Bornheimer Straße und in der Verlängerung bis zum Kreisverkehr Am Alten Friedhof und weiter bis zur Kasernenstraße (Fahrtrichtung Osten) so umzugestalten, dass auf größtmöglicher Länge zwei Spuren für den MIV zur Verfügung gestellt werden können. Sollte der Radverkehr nicht sicher auf einem Radfahrstreifen und/oder einem Radschutzstreifen geführt werden können, soll der Radverkehr untersagt werden. Für diesen Fall sind Umleitungsrouten für die sichere, durchgängige und attraktive Führung des Radverkehrs mit einer hohen Erkennbarkeit einzurichten und in die Anordnung entsprechend aufzunehmen.
  • Der Verkehrsversuch auf der Adenauerallee wird beendet und wieder vier Spuren für den Autoverkehr eingerichtet. Auch hier gilt: Sollte der Radverkehr nicht sicher auf einem Radfahrstreifen und/oder einem Radschutzstreifen geführt werden können, soll der Radverkehr auf gesamter Länge übergangsweise untersagt werden. Für diesen Fall sind Optimierungen der Umleitungsrouten aufzunehmen. Sollte dauerhaft keine sichere Radführung auf einer 4-spurigen Adenauerallee möglich sein, wird die Radverkehrsführung beispielsweise auf Kaiserstraße, Rheinufer und Weberstraße weiterentwickelt.

Grüne legen Maßnahmenkatalog vor

Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat für die Ratssitzung am 11. Juni einen Dringlichkeitsantrag eingebracht und fordert kurzfristige Entlastungsmaßnahmen sowie mehr Transparenz.
Im Mittelpunkt stehen aus Sicht der Fraktion vor allem Verbesserungen für den öffentlichen Nahverkehr und den Radverkehr. Bus- und Bahnverbindungen sollen schneller und stabiler werden, zudem werden zusätzliche Angebote wie Verstärkerfahrten angeregt. Parallel dazu sprechen sich die Grünen für besser ausgeschilderte und sichere Radrouten aus.
Darüber hinaus fordert die Fraktion eine gezielte Verkehrslenkung an besonders belasteten Knotenpunkten sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, etwa für Schulwege. Gleichzeitig verlangen die Grünen regelmäßige Informationen zur Lageentwicklung sowie eine stärkere Einbindung der Autobahn GmbH, um über Ursachen und weitere Schritte aufzuklären.

Stadt setzt auf koordinierte Abstimmung

Seit der Sperrung stimmen sich Stadt, Bund, Land, Polizei, Stadtwerke Bonn und weitere Beteiligte täglich ab. Eine eigens eingerichtete Taskforce bündelt die Informationen, bewertet die aktuelle Lage und entwickelt neue Maßnahmen.

Oberbürgermeister Guido Déus beschreibt die Situation als große Herausforderung. „Die Sperrung der Nordbrücke stellt Bonn vor große Herausforderungen. Unser Ziel ist es jetzt, schnell, pragmatisch und flexibel zu handeln“. Ziel sei es, die Mobilität in Bonn aufrechtzuerhalten und die Belastungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.

Für die kommende Ratssitzung wird derzeit ein umfassendes Maßnahmenpaket vorbereitet, das kurzfristig umgesetzt werden soll.

Park-and-Ride soll weiter ausgebaut werden

Ein wichtiger Baustein der Planung ist die Erweiterung von Park-and-Ride-Angeboten. Eine erste provisorische Fläche ist bereits auf den Pützchens-Markt-Wiesen eingerichtet worden. Von dort besteht ein Shuttleanschluss an die Stadtbahnlinie 66.

Weitere Standorte werden vorbereitet oder geprüft. Dazu gehören Flächen am Landesbehördenhaus mit Anschluss an die Haltestelle Olof-Palme-Allee, Parkmöglichkeiten an der Oberkasseler Straße mit Verbindung nach Ramersdorf sowie ein Bereich am Telekom Dome. Ziel ist es, Pendler möglichst früh zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen.

Öffentlicher Nahverkehr im Fokus

Parallel dazu plant die Stadt eine spürbare Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Vorgesehen sind zusätzliche Shuttle- und Schnellbusverbindungen, unter anderem zwischen Hardtberg und der Innenstadt.

Eine zentrale Rolle spielt weiterhin die Stadtbahnlinie 66. Sie soll im Bereich des Friedhofs St. Josef und Paulus künftig vollständig vom Individualverkehr getrennt geführt werden, um Staus zu vermeiden. Für den Radverkehr sind neue Routen vorgesehen: stadteinwärts über den Bröltalbahnweg und stadtauswärts um den Friedhof herum.

Darüber hinaus wird geprüft, den öffentlichen Nahverkehr vorübergehend bis Ende Juni kostenfrei anzubieten, um zusätzliche Anreize für den Umstieg zu schaffen.

Eingriffe ins Straßennetz geplant

Neben der Förderung von Bus und Bahn richtet sich der Blick auch auf das bestehende Straßennetz. Die Stadt prüft eine Reihe von Maßnahmen, um die verbliebenen Hauptachsen leistungsfähig zu halten.

Dazu gehört unter anderem die mögliche Aufgabe von Umweltspuren auf Teilen der Oxfordstraße, um wieder mehr Fahrstreifen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollen bestehende Busspuren in wichtigen Bereichen erhalten bleiben, während einzelne Radspuren überprüft werden.

Auch auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wird über Anpassungen gesprochen, ebenso wie auf der Adenauerallee. Dort soll die Zweispurigkeit in beide Richtungen wiederhergestellt werden, um eine leistungsfähige Verbindung zwischen den wichtigen West-Ost-Achsen zu sichern. Für den Radverkehr werden alternative Routen entlang des Rheinufers und über die Kaiserstraße vorgesehen.

Baustellen werden verschoben

Um zusätzliche Belastungen zu vermeiden, stellt die Stadt auch geplante Bauarbeiten auf den Prüfstand. So wurde eine für den 8. Juni vorgesehene Fahrbahnerneuerung auf der Willy-Brandt-Allee bereits verschoben.

Weitere Verschiebungen werden geprüft, um die ohnehin angespannte Verkehrslage nicht zusätzlich zu verschärfen.

Weitere Maßnahmen in Vorbereitung

Die Liste möglicher Maßnahmen ist noch nicht abgeschlossen. So wird unter anderem geprüft, ob Busse auf der Kennedybrücke zeitweise andere Verkehrsflächen nutzen können, um schneller voranzukommen.

Parallel dazu laufen die Untersuchungen an der Nordbrücke selbst. Die Autobahn GmbH prüft, ob zumindest eine eingeschränkte Nutzung wieder möglich ist. Ergebnisse werden innerhalb der kommenden Wochen erwartet.

Alternative Wege im Blick

Neben den klassischen Maßnahmen rückt zunehmend auch der sogenannte Umweltverbund in den Fokus. Nach Angaben der Stadtwerke Bonn können Fahrgemeinschaften derzeit eine wichtige Rolle spielen, um den Verkehr zu entlasten. Die Stadtwerke empfehlen dazu goFLUX, das sich sowohl an Berufspendler als auch an Privatpersonen richtet.

Ergänzend verweisen die Stadtwerke auf bestehende Angebote wie Welo sowie die E-Roller Clara. Dazu gehören Leihräder, Lastenräder sowie E-Roller, die im gesamten Stadtgebiet und im Rhein-Sieg-Kreis verfügbar sind. Diese können über entsprechende Apps gebucht und auch über Stadtgrenzen hinweg genutzt werden.

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