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BENNEMANNs BLOG
Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt

Was bin ich froh, dass es mein SCHAUFENSTER gibt. Ich mein, auf den ersten Blick meinst du ja, das ist nur die Schutzhülle für die vielen Prospekte einschließlich der Werbeblättchen meiner Lieblingsdiscounter. Aber wenn du erst einmal das Lesen anfängst – der Wahnsinn, was für ein Bildungscocktail! Neulich gleich auf der ersten Seite, ich denk, da muss doch noch jemand abschließend mal drüber gucken, bevor das gedruckt wird. Direkt in riesigen Lettern ein Druckfehler: Nagelprobe an der Zapfsäule. Denkst du, liebe Adelheid, dem ist aber so was von nicht so! Von wegen Druckfehler. Ich hatte schon das Schreiben an mein SCHAUFENSTER aufgesetzt, als mein Traummann mich mal so was von aufgeklärt hat. Ich mach dir der Einfachheit halber mal das Internet: Die Redewendung Nagelprobe bezeichnet heute eine entscheidende Prüfung, einen kritischen Härtetest oder den Beweis der Bewährung. Synonyme sind Feuerprobe, Lackmustest oder die Probe aufs Exempel. Der Begriff stammt aus einer alten Trinksitte des 17. Jahrhunderts. Um sicherzustellen, dass ein Trinkgefäß bis auf den letzten Tropfen geleert wurde, stülpte der Trinker das Glas über seinen Daumennagel. Blieb kein Tropfen auf dem Nagel zurück, war die „Nagelprobe“ bestanden. - Okay, ihr Lieben, ihr wusstet es natürlich. Damit aber nicht genug. Eine andere Überschrift lautete „Augmented Karneval“. Ich kurz davor, wieder zu googeln, aber erst mal weitergelesen. Und, ja, da hieß es, digitaler Rundgang führt durch 200 Jahre Bonner Karneval. Es ging sich um eine kostenfreie App, die in 16 Stationen durch die Bonner Innenstadt führt und Geschichte und Entwicklung des organisierten Karnevals in Bonn vermittelt. Find ich total super, aber wenn du Pech hast, liest das keine Sau, von wegen „augmented“.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was ist sie so nölig, die da in die Tasten haut. Und vor allem, warum hat da jemand so was von viel Zeit, sich durch jeden Artikel ihres SCHAUFENSTERS zu fräsen? Hat nichts mit zu viel Zeit zu tun. Ich bin einfach nur kaputt, platt. Muss mich so was von regenerieren. Da reicht es gerade mal zum Lesen meines SCHAUFENSTERS. Mein Traummann und ich haben nämlich über einige Tage eine Radtour durch das Bergische-Sauerländische-Oberbergische gemacht. Die ein oder andere Steigung, so was von anstrengend. Aber kein Vergleich zur Bahnfahrt dorthin.

Los ging’s am Deutzer Bahnhof. Heißt dort erst einmal die Räder nach oben auf den Bahnsteig tragen. Unten übrigens schon alles abgeguckt von wegen Entwerter. Während ich die Treppe rauf und runtergehe, Leute, wie dreckig, wie ekelig, wie dermaßen stinkt es von den Stufen hoch. Als ob jemand gegen gutes Entgelt seit Jahrzehnten mit einer Verve auf die Stufen kotzt und pisst. Oben geht die Suche weiter nach dem Entwerter. Weil wir ihn nicht finden, ich wieder runter zur Info und erfahre, ganz am Anfang bei Abschnitt A (nebenbei, mein Bahnsteig zählt erst ab C) hängt der. Und nun frage ich dich, warum hängt der nicht in der Mitte des Bahnsteigs? Nebenbei, ein ganz kleiner orangener Kasten, den du von Weitem nicht siehst, geschweige denn, wenn außer dir noch einige andere Bahnkunden auf dem Bahnsteig zwischen dir und Kasten stehen. So, der Zug fährt ein, der Vollständigkeit halber pünktlich, an einem Samstag, aber mit nur einem Fahrradabteil am Ende des Zuges. Und während mein Göttergatte und ich darauf warten, noch mit ins Fahrradabteil zu kommen, sirent auch schon das Abfahrtsignal und wir in unserer Not packen unsere Rädchen in einen anderen Waggon.

Wo ich gerade im Zug stehe (nebenbei, eineinhalb Stunden stehe!), hier mal ein Spruch meiner Tochter auf WhatsAPP: Bin schon im Zug. Kam so pünktlich verspätet wie angekündigt. Apropos Spruch, apropos Durchsagen, hier mal eine: „Bitte beachten Sie beim Ausstieg die unterschiedlichen Bahnsteighöhen.“ Oder: „Liebe Fahrgäste, wir bitten Sie, beim Verlassen des Zuges an alle Ihre persönlichen Gegenstände zu denken.“ Wenn ich diese Durchsagen höre, denke ich mir immer, ja, und bitte das Einatmen und das Ausatmen nicht vergessen. Leute, Durchsagen, die es nicht braucht! Ich sehe die unterschiedliche Bahnsteighöhe und werde mich dementsprechend verhalten. Weil, ich habe es ja im Vorfeld auch geschafft, mein Fahrrad über diese nach Kotze und Pisse stinkende Treppe auf den Bahnsteig zu hieven, den Entwerter zu finden und es trotz Abfahrtsignal in den Zug geschafft. Da werde ich doch wohl in der Lage sein, mich auf unterschiedliche Bahnsteighöhen einzustellen!

Was ich aber eigentlich sagen will, die vielen Fahrradkilometer rauf und runter mit meinem einfachen Trekkingrädchen waren es nicht, die mich geschlaucht haben, es war ganz einfach die Fahrt mit der Deutschen Bundesbahn von Köln nach Siegen. Ich mach’s kurz: Weil wir nicht mit unseren Rädchen im überfüllten Fahrradwaggon standen, stand der Schaffner nach eigener Aussage mit einem Bein im Knast, weil wir den Notausgang blockierten, und machte uns die Hölle heiß. Egal, scheiß drauf, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Weil, im ganzen Zug gab es keine Toilette. Im ganzen Zug. Menschen irrten von vorne nach hinten und von hinten nach vorne auf der Suche nach einem Klo – ohne Erfolg. Hier wäre eine Durchsage dringend notwendig gewesen: „Sehr geehrte Fahrgäste, es lohnt sich nicht, auf die Suche nach einer Toilette zu gehen. Es gibt für Sie keine Toilette, die Sie benutzen können. Finden Sie sich einfach damit ab. Auch mit der Tatsache, dass Sie nie erfahren werden, warum das so ist. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Türen verschlossen sind, weil die Toiletten mangels Reparaturpersonal defekt sind. Oder verdreckt bzw. verstopft sind, von Ihnen also vollgeschissen und vollgepisst wurden. Oder aber selbst eine ganz normale turnusmäßige Reinigung mangels Putzkolonnen nicht mehr stattfindet.“ Aber Hauptsache, es heißt Go Rheinland – wohin auch immer.

Nur der Vollständigkeit halber: In Siegen mussten wir die Räder erst von unserem Bahnsteig die Treppe runterhieven, um sie am Ausgang wieder hochzuhieven.

LeserReporter/in:

Adelheid Bennemann aus Bonn

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