Verkehrsprojekt in der Schwebe
Planung für Bonner Seilbahn geht voran
- Die Trasse der Seilbahn von Beuel-Ramersdorf über den Rhein hinauf zum UKB auf dem Venusberg wurde nahezu finalisiert. Die Seilbahn ist 3,8 Kilometer lang und umfasst fünf Haltepunkte.
- Foto: Illustration: Drees & Sommer
Bonn (red). Das Seilbahnprojekt in Bonn kommt voran – aber langsamer als von Befürwortern erhofft. Während die Stadtverwaltung von einem „guten Stück“ Fortschritt spricht und zentrale Planungsfragen als weitgehend geklärt ansieht, kritisiert ein Bündnis aus Umweltverbänden deutliche Verzögerungen und mangelnden politischen Druck.
Planung weit fortgeschritten
Nach Angaben der Stadt Bonn und der Stadtwerke Bonn (SWB) ist die Trasse der geplanten Seilbahn inzwischen „nahezu finalisiert“. Die Strecke soll auf rund 3,8 Kilometern von Beuel-Ramersdorf über den Rhein bis zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg führen und fünf Stationen umfassen. Die Inbetriebnahme ist derzeit für das Jahr 2032 vorgesehen.
Oberbürgermeister Guido Déus bezeichnet das Vorhaben als Schlüsselprojekt der Verkehrspolitik: „Die Seilbahn ist ein strategisches Leuchtturmprojekt für die Bonner Nahverkehrsplanung.“ Sie solle eine „staufreie Verbindung über den Rhein“ schaffen und insbesondere die stark belasteten Straßen zum Venusberg entlasten.
Auch aus Sicht der SWB ist das Projekt mehr als ein ergänzendes Angebot. Konzernchefin Anja Wenmakers betont: „Sie soll kein Tourismus-Gadget sein, sondern ein hochfrequentes Verkehrsmittel.“ Geplant sind 95 barrierefreie Kabinen im dichten Takt, die auch Fahrräder und Rollstühle transportieren können.
Wirtschaftlichkeit bleibt zentrale Frage
Ein entscheidender Punkt ist die Finanzierung. Die aktuellen Berechnungen sehen Investitionskosten von rund 155 Millionen Euro vor. Der Großteil soll über Fördermittel gedeckt werden, sodass für die Stadt ein Eigenanteil von etwa 17,6 Millionen Euro verbleibt. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 5,2 Millionen Euro.
Stadtbaurat Helmut Wiesner verweist auf eine positive Bewertung: „Aktuelle Berechnungen ergeben eine Nutzen-Kosten-Tendenz von 1,79.“ Damit liegt das Projekt deutlich über der Schwelle für eine Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.
Gleichzeitig macht die Stadt deutlich, dass eine endgültige Entscheidung noch aussteht. Déus betont, man werde erst nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens und auf Basis aller Fakten über den Bau entscheiden. Voraussetzung bleibe eine „dauerhaft tragfähige Finanzierung“ – insbesondere mit Blick auf die angespannte Haushaltslage.
Kritik an Verzögerungen
Das Bündnis „Seilbahn für Bonn: Ja!“ bewertet die Entwicklung deutlich kritischer. Zwar unterstützt es das Projekt grundsätzlich, sieht aber vor allem ein Problem im Tempo der Umsetzung.
Ursprünglich sei eine Inbetriebnahme bereits für 2028 oder 2029 vorgesehen gewesen. Nun werde ein Termin in den frühen 2030er Jahren genannt. Für das Bündnis ist das ein Zeichen mangelnder Prioritätensetzung: Die Stadt „versäumt es, rasch für Abhilfe zu sorgen“, heißt es.
Besonders kritisch wird der Wechsel von Planungsstrukturen gesehen. Statt auf ein erfahrenes Büro zu setzen, das an vergleichbaren Projekten arbeite, gebe es nun „permanent Irritationen“. Zudem fehle die Bereitschaft, die Seilbahn konsequent an den Bedürfnissen der Fahrgäste auszurichten.
Verpasste Chancen?
Aus Sicht des Bündnisses hat die Verzögerung auch finanzielle Folgen. Wäre das Projekt schneller vorangetrieben worden, hätte es möglicherweise stärker von zusätzlichen Bundesmitteln profitieren können. Stattdessen werde „wertvolle Zeit vertrödelt“, während die Verkehrsprobleme in Bonn weiter zunähmen.
Dabei sehen die Befürworter in der Seilbahn eine zentrale Ergänzung des bestehenden Netzes. Sie verweisen darauf, dass das Bonner Nahverkehrssystem bislang stark entlang des Rheins ausgerichtet sei. Eine direkte, staufreie Verbindung quer zum Fluss und hinauf auf den Venusberg könne hier eine wichtige Lücke schließen.
Zwischen Fortschritt und Vorbehalt
Die Stadt hingegen betont vor allem den erreichten Planungsstand. Die Trasse sei optimiert, zentrale Abstimmungen erfolgt, und der weitere Zeitplan klar strukturiert. In den kommenden Jahren stehen unter anderem die Vorplanung, die Ausschreibung und das Planfeststellungsverfahren an.
Parallel sollen auch offene Fragen geklärt werden – etwa zur konkreten Einbindung in den Nahverkehr und zu möglichen Anpassungen im Busnetz. Prognosen gehen derzeit von bis zu 15.000 Fahrgästen pro Tag aus.
Wie es weitergeht
Die nächsten Schritte sind terminiert: Bis Ende 2027 soll ein Auftragnehmer gefunden werden, ab 2028 könnte das Planfeststellungsverfahren beginnen. Erst danach fällt die endgültige Entscheidung über den Bau.
Ob die Seilbahn tatsächlich wie geplant 2032 in Betrieb geht, hängt damit nicht nur von technischen Fragen ab, sondern vor allem von politischen und finanziellen Weichenstellungen.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |