Gewalt gegen Frauen
Mutmacher aus Papier
- „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte“: Die Bonner Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Clemens-Krämer, Alexander Köhl, selbstständiger Franchisepartner Kamps GmbH, und Vize-Gleichstellungsbeauftragte Katja Schülke zeigen die Tüten, die am Tag gegen Gewalt an Frauen in den teilnehmenden Bäckereien ausgegeben werden.
- Foto: Bundesstadt Bonn
Bonn (red). Mit einer einfachen Brötchentüte ein starkes Zeichen setzen – das ist die Idee hinter der Aktion „Gewalt kommt uns nicht in die Tüte“, die am 25. November erneut in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis startet. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, erreicht jedes Jahr tausende Menschen: Backwaren werden an diesem Tag in Tüten ausgegeben, die mit Notrufnummern und Hilfsangeboten bedruckt sind – sichtbar, direkt, im Alltag verankert.
Organisiert wird die Initiative vom Runden Tisch gegen häusliche Gewalt im Rhein-Sieg-Kreis in Kooperation mit dem Arbeitskreis der kommunalen Gleichstellungsstellen. Mit dabei sind zahlreiche Bonner Bäckereien, Filialen ebenso wie inhabergeführte Betriebe. Ihr gemeinsames Ziel: Aufmerksamkeit schaffen für ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt – und Betroffenen Wege aus der Gewalt aufzeigen.
Bäckereien als Multiplikator – beiläufig aber wirkungsvoll
Wer an diesem Dienstag sein Frühstück holt, bekommt die Botschaft im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand gedrückt. Auf den Tüten stehen die Kontaktdaten der Frauenhäuser, Beratungsstellen, des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ sowie auch der Männer- und Jungenberatungsstelle im Rhein-Sieg-Kreis. Die Aktion soll gerade diejenigen erreichen, die sonst kaum mit Informationsmaterial in Berührung kommen.
Besonders erfreut zeigt sich Bonns Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Clemens-Krämer über die große Resonanz in diesem Jahr. Erstmals beteiligen sich zusätzlich Schulen und Berufskollegs, die die Tüten in Mensen und Cafés ausgeben. „So erreichen wir noch mehr junge Menschen – ein wichtiger Schritt, um das Thema früh zu enttabuisieren“, sagt sie. Ein Kiosk nahe des Heinrich-Hertz-Europakollegs hat die Teilnahme sogar eigeninitiativ angeboten und erhält 1.000 Tüten.
Regionale Geschäfte machen mit – von Duisdorf bis Beuel
Auf Bonner Seite beteiligen sich unter anderem die Bäckereien Schell und Schlösser, das „Café bei Steffi“ sowie die Bäckerei Elmar Klein. Auch große Filialbetriebe wie Kamps, Gilgens und DLS Vollkorn-Mühlenbäckerei sind dabei. Dass die Aktion so breit getragen wird, ist nicht selbstverständlich: Die Tüten werden kostenlos ausgegeben – finanziert durch das NRW-Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration sowie mit Unterstützung des Rhein-Sieg-Kreises.
Für viele der teilnehmenden Geschäfte ist es längst Routine, aber eine, die sie gern übernehmen. „Wir erreichen mit den Tüten jeden Tag Menschen – und wenn nur eine Person dadurch Hilfe bekommt, hat es sich gelohnt“, sagt eine Betreiberin.
Ein sichtbares Zeichen im öffentlichen Raum
Die Brötchentüten reißen aber nicht allein den symbolischen Staffelstab. Über das gesamte Stadtgebiet verteilt stehen seit einiger Zeit orangefarbene Bänke, ebenfalls ein Hinweis auf den Schutz vor Gewalt und die Hilfsangebote in Bonn. Beide Aktionen ergänzen sich: auffällig im Stadtbild, nah an den Menschen und immer mit klarer Botschaft.
Der 25. November ist weltweit der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Die Bonner Aktion zeigt, dass Präventionsarbeit nicht nur in Fachgremien oder Kampagnen stattfinden muss – manchmal genügt ein alltäglicher Gegenstand, um Betroffenen Mut zu machen und Unterstützungsangebote sichtbar zu halten.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |