Kunstrasen
Kunst!Rasen - ein echter „Burner“

„Ein bisschen zu laut - ein bisschen zu geil!“ - Das finden jedenfalls die Veranstalter des Kunst!Rases.  | Foto: fes
  • „Ein bisschen zu laut - ein bisschen zu geil!“ - Das finden jedenfalls die Veranstalter des Kunst!Rases.
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Bonn (fes). „Bonns Kulturlandschaft hat mehr zu bieten als Beethoven“, diesen Seitenhieb auf die städtische Kulturförderung konnte sich Konzertveranstalter Ernst Ludwig Hartz von ELH Promotions gegenüber dem Schaufenster nicht verkneifen. Zehntausende scheinen das genauso zu sehen, denn mit knapp 110.000 Besuchern blicken Hartz und sein Geschäftsführer Martin J. Nötzel auf die bislang erfolgreichste „Kunst!Rasen“-Open-Air-Saison zurück wie sie bei der Vorstellung des neuen Programms verkündeten.

In den Sommermonaten Juli und August 2026 soll die Besucherzahl nochmal getoppt werden: „Wir wollen die 120.000 schaffen“, gab sich Nötzel selbstbewusst und die bisherigen Zahlen stimmen durchaus optimistisch. Bereits jetzt seien 30.000 Tickets verkauft. Dies sei für den Stand November ein „echter Burner“, sagte Nötzel. Die bisherigen Bestseller sind Konzerte von Künstlern wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Für den Auftritt von Schlagersänger Roland Kaiser seien bereits fast 9.000 Karten verkauft, dahinter folge mit 6.000 Einheiten das Konzert der australischen Indie-Ikone Nick Cave, der mit seiner Band „The Bad Seeds“ in die Rheinaue kommt.

Doch auch die anderen Namen versprechen zu Publikumsmagneten zu werden. Zum Auftakt am 3. Juli spielen „Brings“, es folgen unter anderem Shows des Rappers Montez, Pop- und Rocklegen wie Roxette, OMD, Madness oder Marillion entern die Bühne, Heavy Metal gibt’s von „Savatage“, auch Amy Macdonald und der französische Superstar ZAZ kommen an den Rhein. Gerade neu dazugekommen ist das Konzert der Italo-Schlager-Comedy-Band Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys („Bella Napoli“).

Dann steht da aber noch etwas im Raum: Das unliebsame Dauerbrennerthema Lärmschutz. Werden die Dezibel-Grenzen und die Zeitvorgaben ein wenig überschritten, kann dies nämlich ziemlich teuer werden wie im vergangenen Sommer bei einem Konzert der legendären US-Rockband „Lynyrd Skynyrd“ geschehen. Acht Minuten länger als geplant dauerte die Show und einmal maß das Messgerät ein Dezibel mehr als vorgegeben, schon flatterte den Organisatoren ein Gebührenbescheid in Höhe von 20.000 Euro ins Haus. Das Geld sei laut Nötzel bezahlt worden. Doch das letzte Wort habe nun das Verwaltungsgericht in Köln, denn ELH klagte gegen den Bescheid. Enttäuscht zeigte man sich darüber, dass mit den Organisatoren nicht gesprochen worden sei und stattdessen ohne Vorwarnung die Post aus dem Stadthaus gekommen war.

Von der Stadt Bonn wolle man sich das Geld übrigens auch nicht erstatten lassen, erklärte Nötzel. Dies hatte die nun abgewählte Oberbürgermeisterin Katja Dörner ins Spiel gebracht: „Bekämen wir dieses Geld aus dem Topf für die freie Kultur, dann würde jemand anders dieses nicht bekommen.“ Generell kritisierte Hartz die städtische Kulturförderung und die Benachteiligung der freien Bonner Kulturszene: 95 Prozent flössen in städtische Kulturangebote, die restlichen fünf Prozent verteilten sich über kleinere Clubs und Veranstaltungsorte. Und Hartz gab auch zu bedenken: „Welche Veranstaltungsreihe in Bonn hat es auf 110.000 Besucher geschafft?“ Gäbe es die „Harmonie“ oder das „Haus der Springmaus“ nicht, wäre das freie Bonner Kulturleben tot. Für den „Kunst!Rasen“ gelte: „Wir kommen sehr gut ohne Subventionen aus.“

Doch zurück zum Thema Lärm: Wer glaubt, dass nun der Lautstärkeregler nach unten gedreht wird, der irrt. Um Klagen von „Lärmmotzkis“ vorzubeugen, werde allerdings in Sachen Schallschutz kräftig aufgerüstet: „Wir möchten noch lauter werden und wollen den Besuchern dadurch ein noch besseres Konzerterlebnis bieten“, betonte Nötzel. Die knapp zehn Meter hohe und 125 Meter lange Schallschutzwand soll doppelt mit Protektplatten bestückt und die Bühne werde eingehaust um den Schall Richtung Publikum zu lenken.

Doch nicht nur die großen Namen sollen 2026 Open-Air-Freunde in die Rheinaue locken. Zwei Formate sollen jene Lücke schließen, die das Festival „Jeck im Sunnesching“ und das Panama-Open-Air hinterlassen. Da wäre das Open Air „Rheinkilometer 652“, das mit den bereits sehr erfolgreichen Rapperinnen Ikkimel und Domiziana am 28. August vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen soll. Einen Tag später heißt es dann „Oh wie schön“. Dann entern die Brassbands „Druckluft“ aus Bonn und die „Fääschtbänkler“ aus der Schweiz die Bühne.

Neu ist auch der „Kunst!Rasen-Podcast“ entwickelt von Comedian und Musiker Simon Slomma, Journalisten Stephan Kern und Musikexperte Dieter Roesberg. Sie tauchen ein in musikalische Geschichten rund um die Welt der Besucher und Künstler des Bonner Open-Air-Sommers: „Ein solcher Podcast ist bislang einzigartig in Deutschland“, betonte Kern. Zu hören ist das Angebot über die Kunst!Rasen-Internetseite und demnächst auf allen gängigen Streampingportalen.

Auch jenseits der beiden Sommermonate möchte man kulturell in der Stadt präsent sein, vor allem gehe es darum, Nachwuchskünstler zu fördern. Mit der Möglichkeit, Pfandbecher während der Konzerte zu spenden, sammelt der „Kunst!Rasen“-Verein Gelder für kleinere Projekte und Nachwuchsbands. So bringt eine mobile Hängerbühne Musik dorthin, wo sonst nichts stattfindet. In Zeiten von Streaming-Plattformen haben es vor allem unbekannte Bands und Künstler schwierig sich ein Live-Publikum zu erspielen. Hier setzen Laura Monique Pontes und Fabio Nolting von „GS Extravaganza“ an. Sie wollen gemeinsam mit dem „Kunst!Rasen“-Verein in den lokalen Clubs Newcomern eine Chance bieten. Und das aus gutem Grund wie Nötzel betonte: „Wir müssen junge Künstler unterstützen, damit wir auch in 20 Jahren noch große Namen anbieten können.“ Was daraus werden kann, machte Hartz an einem Beispiel deutlich als er vor vielen Jahren eine noch unbekannte Band aus England präsentierte, die die sich mittlerweile „einen Namen gemacht hat“. Die Rede war von „Coldplay“.

Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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