Bergisches Waldforum: Rekordandrang
Fokus auf Bodenschutz und stabile Mischwälder
- hochgeladen von Rainer Deppe
Über 150 Menschen diskutierten im Kreishaus, wie der Wald im Bergischen Land klimaresilienter werden kann. Klare Befunde: weniger Nadelwald, vielerorts zu saure Böden – und konkrete Empfehlungen für Bodenschutzkalkung.
Bis auf den letzten Platz gefüllt: Mehr als 150 Teilnehmende kamen zum Bergischen Waldforum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in den großen Sitzungssaal des Kreishauses. Mit dabei Waldbesitzende, Forstleute, engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung.
Zum Auftakt sagte Rainer Deppe, Vorsitzender der SDW Rhein Berg / Leverkusen: „Klimaanpassung beginnt im Boden und in der Pflege – dort entscheiden wir heute über die Wälder von morgen. Unser Auftrag ist, die Vitalität zu stärken und Vielfalt gezielt aufzubauen.“
Wald im Wandel – Zahlen, die bewegen
• Nadelwaldanteil im Bergischen Land: von 39 % auf 22 % in zehn Jahren.
• Eiche und Buche liegen mit je 20 % vorn.
• Fichte nur noch 12 % – überwiegend junge Bestände < 40 Jahre nach massiven Borkenkäferschäden.
Diese Trends stellte Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, anhand der Landeswaldinventur vor. Sein Fazit: „Die Zahlen sind eindeutig: Ohne konsequente Pflege werden Lücken größer – mit aktiver Bewirtschaftung entstehen stabile Mischwälder.“
Boden im Fokus: Schulprojekt bestätigt Versauerung
Ein Schwerpunkt war der Waldboden. Robert Schmitz, SDW Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Wermelskirchen, präsentierte ein Schulprojekt des Gymnasiums Wermelskirchen, das er im Winter mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt hat: An rund 30 Messpunkten lagen die pH Werte zwischen 3,5 und 4,2 – vielerorts zu sauer als Spätfolge des „Sauren Regens“. Schmitz: „Die Messungen zeigen klar: Ohne gesunde pH Werte bleiben Bodenleben und natürliche Verjüngung hinter ihren Möglichkeiten.“
Konsequenz: Bodenschutzkalkung und Pflege beschleunigen
Der Forstwissenschaftler Dr. Norbert Asche erläuterte die Folgen der Versauerung – gestörte Nährstoffversorgung, geringe Humusbildung, Belastung des Grundwassers – und empfahl Bodenschutzkalkung mit etwa 3 t Kalkgestein/ha, um Wurzelentwicklung, Bodenleben und Biodiversität zu stärken. Parallel gelte es, Wiederbewaldung und Pflege auf bislang ruhenden Flächen zügig voranzubringen.
Baum des Jahres 2026: Zitterpappel
SDW Vorstandsmitglied Louis Altinkamis stellte die Zitterpappel vor – robuste Pionierbaumart, wertvoll für Insekten und bestens geeignet zur raschen Bodenbedeckung auf Freiflächen.
Fazit: Der Wald im Bergischen Land ist unverzichtbar. Wer heute Vielfalt fördert und gezielt pflegt, legt die Basis dafür, dass auch in 150 Jahren noch vitale Wälder unsere Region prägen.
www.sdw-rbk.de
LeserReporter/in:Rainer Deppe aus Overath |