Flutgedenken Bad Münstereifel
Das Leben geht weiter
- Viele Bürgerinnen und Bürger erinnerten an der Freitreppe an die Flutkatastrophe 2021. Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian blickte nicht nur zurück, sondern auch positiv in die Zukunft.
- Foto: Lanzrath/Stadt Bad Münstereifel
[p]Bad Münstereifel (red). Am vergangenen Sonntag hat Bad Münstereifel an die Opfer der Flutkatastrophe des 14. und 15. Juli 2021 erinnert.
Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kirchen sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus allen Ortsteilen kamen im historischen Stadtkern an der Freitreppe zur Erft zusammen.
Hier hatte die Fluten und Trümmer vor vier Jahren ein gewaltiges Loch in die Erftmauer geschlagen. Mit der Freitreppe wurde 2023 ein Ort der Erinnerung und Begegnung geschaffen. „Auch vier Jahre nach der Flut, bleiben uns in Bad Münstereifel die Ereignisse, die Bilder der Zerstörung und die Opfer präsent“, sagte Sabine Preiser-Marian in ihrem Grußwort.
Der Wiederaufbau von Häusern, Wegen und Brücken sei weit fortgeschritten. „Wir haben schon so viel geschafft und darauf können wir alles stolz sein. Wir haben in der Zeit nach der Flut die Ärmel hochgekrempelt und gemeinsam angepackt – dafür bin ich der Verwaltung, den Bürgerinnen und Bürgern sowie den vielen Helfern dankbar.“
Die Arbeit sei aber noch nicht abgeschlossen, so die Bürgermeisterin: „Der Wiederaufbau ist und bleibt ein Kraftakt, der die Stadt und ihre Menschen noch eine Zeit lang beschäftigen wird. Die sichtbaren Wunden schließen sich. Das Leben geht weiter – und das ist gut so. Doch die Erinnerung an Opfer und das Leid der von der Flut Betroffenen wollen wir wachhalten.“
Als Zeichen der Erinnerung entzündete Sabine Preiser-Marian vor Ort eine Kerze, die zum Gedenktag Licht und Hoffnung spenden soll und bat die Anwesenden um eine Schweigeminute.
Diakon Dr. Ulrich Günzel bezog anschließend die Betroffenen, Helfer, Politiker und Planer im Wiederaufbau in seine Fürbitten ein und segnete die entzündete Kerze.
- Viele „Köpfe“ prägen das Leben in Bad Münstereifel. Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian ehrte sie im Rathaus.
- Foto: Lanzrath/Stadt Bad Münstereifel
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Die „Köpfe“ der Stadt geehrt
Die Flutkatastrophe hat viele Menschen über sich hinaus wachsen lassen. Aber auch unabhängig von diesem schlimmen Ereignis gibt es Menschen, die in Bad Münstereifel bemerkenswertes leisten. Um diese Menschen zu ehren, war es der Bürgermeisterin wichtig, die Ehrung der „Köpfe“, die bis zur Corona-Pandemie jährlich veranstaltet wurde, wieder aufzunehmen. „Diese Menschen prägen die Stadt und geben ihr ein Gesicht“, so Sabine Preiser-Marian. Im Anschluss an das Gedenken an der Freitreppe ehrte die Bürgermeisterin die „Köpfe“ in einer kleinen Feierstunde im Rathaus.
Die „Köpfe 2024“ im Kurz-Porträt:
• Marco Lingscheid, Sebastian Bramer und Hermann Josef Breuer: Das Trio fuhr mit dem Fahrrädern 1.200 Kilometer von Hamburg nach München und ließe sich dabei von Unterstützern sponsern, um Spenden für zwei wohltätige Organisationen zu sammeln. Dabei kamen 4.600 Euro für krebskranke Kinder und Schlaganfallbetroffene zusammen.
• Michaela Lingscheid organisiert seit 20 Jahren den „Stefans Basar“, eine Spendenaktion mit handgemachter Weihnachtsdeko. Über 100.000 Euro konnten so für den Förderkreis für krebskranke Kinder gesammelt werden.
• Marco Lingscheid ist der jüngste Industriemeister Metall seines Jahrgangs. Inzwischen ist er Ausbilder im Berufsbildungszentrum Euskirchen – und nur wenig älter als seine Schülerinnen und Schüler. So begegnet er ihnen immer auf Augenhöhe.
• Johannes Molderings und sein Team von Lemonpie Catering wurden für ihr nachhaltiges Konzept „Zero Waste – Pure Pleasure“ als „Caterer des Jahres 2024“ ausgezeichnet. Ihr Nachhaltigkeitskonzept in Kooperation mit PAPSTAR Solutions aus Kall setzt Maßstäbe in der Branche.
• Sebastian Bützler aus Kolvenbach wurde von der Zeitschrift „agrarheute“ als „Bester Rinderhalter Deutschlands 2023“ ausgezeichnet. Mit moderner Technik und großem Verantwortungsbewusstsein betreibt er seinen Hof – und macht Landwirtschaft auf Social Media transparent und verständlich.
• Christian Lorenz aus Nitterscheid wurde für seinen mutigen Einsatz bei der Flut 2021 mit der Rettungsmedaille des Landes NRW ausgezeichnet. Gemeinsam mit zwei weiteren Helfern verhinderte er unter Lebensgefahr den Bruch des Damms an der Steinbachtalsperre.
• Der Grundschulverbund Höhengebiet überzeugte mit mehreren Projekten bei „Jugend forscht junior“. Ob Kartenmischmaschine, Schuhtrockner oder zuckerfreie Schokolade – die kreativen Schülerarbeiten wurden mit vorderen Platzierungen und dem MINTSPACE-Schulpreis belohnt.
• Die jungen Karatekas des TVE Bad Münstereifel feierten 2024 große Erfolge bei Bezirksmeisterschaften und internationalen Turnieren. Sieben Kinder errangen Podestplätze – ein Verdienst engagierter Trainerarbeit und intensiver Nachwuchsförderung.
• Jens Schmitt aus Ohlerath ist motorsportbegeistert seit Kindertagen. In mehreren Rennserien holte er bereits Meistertitel – zuletzt als Gesamtsieger der Cup- und Tourenwagen-Trophy. Bei der Ehrung stellte er sein Rennfahrzeug in der Stadt aus.
• Andreas Schmitz, Ernst Springer und Martin Duske engagieren sich als zertifizierte Ersthelfer im Corhelper-System. Im Verein „Lebensretter im Kreis Euskirchen“ sorgen sie dafür, dass bei Herz-Kreislauf-Stillständen schnelle Hilfe geleistet wird, und unterstützen bei der Verbreitung öffentlich zugänglicher „Automatisierter externer Defibrillatoren“.
• Michael Mönks, Christine Gottwald und Dorothee Wald gründeten nach der Flut 2021 die „Psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel“. Ihr niederschwelliges Gesprächsangebot für Betroffene besteht bis heute – über 1.000 Menschen haben sie bereits begleitet.
• Eva Eiselt aus Nöthen wurde 2023 mit dem Sonderpreis des Deutschen Kabarett-Preises des Nürnberger Burgtheaters und dem „Goldenen Besen“, Hauptpreis des Preises „Stuttgarter Besens“, ausgezeichnet. Die Kabarettistin sprengt mit ihrer Bühnenkunst Grenzen, vereint Tiefgang und Humor – und bringt mit ihren Programmen Gesellschaft, Sprache und Denken auf den Prüfstand.
Redakteur/in:Ulf-Stefan Dahmen |