Entpflichtung von Pfarrerin Dorothea Böttcher
22 Jahre Herzblut für Leuscheid
- Das Prebyterium spendet der scheidenden Pfarrerin den Segen.
- Foto: Schmidt
Windeck. Als Pfarrerin Dorothea Böttcher vor 22 Jahren von Dabringhausen kam, um in der Windecker Pfarrgemeinde St. Mariä Heimsuchung, Leuscheid, ihre neue Stelle anzutreten, war so manche „Tuchfühlung“ mit dem Menschenschlag zunächst irritierend. Im Leuscheider Kirchspiel erfolgt etwa die Ansprache weniger an die Pfarrerin als an die „Pastüürsche“. Lernen musste sie auch, dass der Gottesdienst eine sehr viel kleinere Rolle spielte als in der alten Gemeinde. Oft hörte sie den Satz: „Ich gehöre nicht zu denen, die jeden Sonntag in die Kirche rennen.“ Längst hat sie die Leuscheider und diese sie liebgewonnen, obwohl sie damals mit der Gitarre im Gottesdienst für Kopfschütteln sorgte. Die Gitarre setzte sich als fester Bestandteil durch und blieb bis zu ihrem Abschied als Pfarrerin und Eintritt in den Ruhestand.
Ihre „Schäfchen“ waren in großer Zahl in die Evangelische Kirche herbeigeeilt, um ihre Dorle bei der Entpflichtung in den Ruhestand nicht allein zu lassen: Schlicht, fröhlich, musikalisch und herzenswarm war der wunderbare Abschiedsgottesdienst, ganz aufs Wesentliche konzentriert, auf ein Fest des Glaubens. Es wurde gesungen, geklatscht und Danke gesagt an all jene, die in den mehr als zwei Jahrzehnten den Weg gemeinsam gegangen sind. Die Bedeutung der Dankbarkeit stellte die scheidende Pfarrerin denn auch in den Mittelpunkt ihrer Abschiedspredigt, bevor Superintendentin Almut van Niekerk sie von ihren Aufgaben entpflichtete und ihr sowie dem Presbyterium den Segen spendete.
Der Vorsitzende des Presbyteriums, Günter Klein, beschreibt Dorle Böttcher im Gemeindebrief so: „Wir haben eine Pfarrerin erlebt, die mit tiefem Glauben, großer Verlässlichkeit und viel Herz ihren Dienst getan hat. Eine Seelsorgerin, die Menschen in Freude und Trauer begleitet, die zugehört, ermutigt und getröstet hat.“
2019 feierte Dorle Böttcher mit ihrer Pfarrgemeinde ein ganz besonderes Ereignis: ihre Hochzeit mit Jörg Grenter, der sie beim Abschied vom Amt auch an der Gitarre begleitete.
Nach den Vorgaben des Kirchenkreises hatte sich das Presbyterium lange um eine Kooperation mit den Pfarrgemeinden Herchen und Eitorf bemüht. Auf Anhieb passte letztlich die Zusammenarbeit mit der Rosbacher Gemeinde, mit Pfarrer Cremer und Diakon Dietrich Dyck. Seit 2022 war Böttcher auch mit einem Dienstumfang von 25 Prozent in Rosbach tätig.
Ein Jahr nach dem regulären Termin geht sie nun in den Ruhestand. Viel Kraft habe sie ein Oberschenkelhalsbruch vor vier Jahren gekostet, berichtet sie. „Entpflichtung ist ein schönes Wort. Ich möchte die Verantwortung abgeben, das tut mir gut!“
Froh sind die Leuscheider, dass Dorothea Böttcher und ihr Mann wohnen bleiben, und neue Aufgaben hat sie schon im Auge: „Mal sehen, ob ich geeignet bin, ehrenamtlich im LandMarkt mitzuarbeiten. Ein paar Projekte wie den Punkt-11-Gottesdienst, den Leuscheider Adventskalender und die Krabbelgottesdienste werde ich weiterhin begleiten.“
Die Pfarrstelle in Leuscheid ist vorerst vakant. Im Anschluss an die Entpflichtung feierten alle gemeinsam ein schönes Gemeindefest.
Zur Person
Dorothea Böttcher, Jahrgang 1959, wuchs in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein auf. In Wuppertal und Heidelberg studierte sie Evangelische Theologie. Ordiniert wurde sie in Dabringhausen (Wermelskirchen) und kam 2004 nach Leuscheid.
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Sylvia Schmidt aus Windeck |