1. Rheinparkkonzert im Jubiläumsjahr: HCC Big Band
Ein Fado-Programm, das eigentlich Sonnenschein verdient gehabt hätte
- "Everything Must Change" in einer Latin-Version mit Sänger Marco Matias, Fado-Gitarrist Ivo Guedes und mit Posaunensolo von Adi Becker.
- Foto: Anita Brandtstäter
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Wesseling. Mit einem Swing-Klassiker eröffnete die HCC Big Band unter Leitung von Adi Becker das erste Konzert der Jubiläumsreihe „60 Jahre Rheinparkkonzerte der Stadt Wesseling“: mit „Tuxedo Junction“, 1940 durch das Glenn Miller Orchestra berühmt geworden. Aufgrund der ungünstigen Wetterprognose kündigte Becker ein auf eine Stunde verkürztes Kompaktkonzert ohne Pause an. Leider hatten auch weniger Zuhörende als sonst den Weg in den Rheinpark gefunden.
Anschließend stellte Becker den besonderen Gast des Nachmittags vor: den in Solingen geborenen Sänger Marco Matias mit portugiesischen Wurzeln. Beide verbindet eine langjährige musikalische Zusammenarbeit bei der Big Band der Bundeswehr. Gemeinsam entwickelten sie zudem das erfolgreiche Fado-Projekt der HCC Big Band, das bereits beim Jahreskonzert 2025 begeisterte. Mit eigens dafür geschaffenen Arrangements gelang Becker eine außergewöhnliche Verbindung aus portugiesischer Sehnsuchtsmusik und dem kraftvollen Klang einer Big Band.
Zunächst präsentierte die Band jedoch einen international geprägten Programmteil mit Marco Matias. Mit „Emoções“ erinnerte sie an den brasilianischen Superstar Roberto Carlos, den „King of Latin Music“, dessen Musik weit über Brasilien hinaus in der portugiesischsprachigen Welt bekannt ist. Es folgte eine eindrucksvolle Interpretation von Quincy Jones' „Everything Must Change“. Der vielfach gecoverte Titel gehört bereits seit langer Zeit zum Repertoire der HCC Big Band und erhielt an diesem Nachmittag durch die strahlende Stimme von Matias und ein gefühlvolles Posaunensolo von Adi Becker besondere Ausdruckskraft. Einen ersten Vorgeschmack auf die Fado-Welt gab dabei der portugiesische Gitarrist Ivo Guedes. Mit seiner „Guitarra de Flandres“, einer mandolinenähnlichen portugiesischen Gitarre, verlieh er dem Klangbild sofort eine etwas melancholische Färbung. Ganz andere Akzente setzte anschließend Michael Jacksons „Don't Stop 'Til You Get Enough“, das Sänger und Big Band energiegeladen und funkig interpretierten.
Bei „The Chicken“ des legendären Bassisten Jaco Pastorius konnte das Ensemble seine ganze solistische Klasse zeigen. Ob Bass, Posaune, Saxophon, Klavier oder Gitarre – die Musiker nutzten die Gelegenheit, ihr Können eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.
Mit Stings „Fragile“ begann schließlich der Übergang in die eigentliche Fado-Welt. Das von Adi Becker arrangierte Latin-Gewand des Songs gewann durch Marco Matias' portugiesischen Gesang zusätzlich an Intensität. Danach führte Matias das Publikum durch die Geschichten der traditionellen Fado-Titel, die jeweils von virtuosen Soli des Gitarristen Ivo Guedes begleitet wurden. „Rosinha dos Limões“ erzählte von einer Zitronenverkäuferin, die schließlich zur umworbenen Herzensdame wird. In „Lisboa Menina e Moça“ wurde Lissabon in poetischen Bildern als schöne, begehrenswerte Frau besungen – eine musikalische Liebeserklärung an die portugiesische Hauptstadt. Und die Gäste klatschten gerne auf Beckers Zeichen mit.
Nachdem mit „Amor Afoito“ ein besonders leidenschaftlicher Fado erklang, verdichteten sich die schwarzen Wolken über dem Rheinpark. Windböen wirbelten Blätter durch die Luft, und wenig später öffnete der Himmel seine Schleusen. Der einsetzende Starkregen machte eine Fortsetzung des Konzerts unmöglich. So endete ein musikalisch außergewöhnlicher Nachmittag früher als geplant. Statt einer Zugabe stand für Publikum und Musiker nun die Flucht vor Regen und Sturm im Vordergrund. Schade – denn dieses ebenso originelle wie hochklassige Programm hätte einen sonnigen Sommernachmittag und ein 90 Minuten langes Konzert mehr als verdient gehabt.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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