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MGV 1844 Wesseling und Cantamus begeisterten
Bunter Abend mit Schlagern aus fast einem Jahrhundert

Großes Finale beim Bunten Abend mit Schlagern aus fast einem ganzen Jahrhundert: "Der größte Chor der Welt" mit dem Kammerchor Cantamus und dem Männer-Gesang-Verein 1844 Wesseling unter Leitung von Guido Wilhelmy im Schwingeler Hof.  | Foto: Anita Brandtstäter
  • Großes Finale beim Bunten Abend mit Schlagern aus fast einem ganzen Jahrhundert: "Der größte Chor der Welt" mit dem Kammerchor Cantamus und dem Männer-Gesang-Verein 1844 Wesseling unter Leitung von Guido Wilhelmy im Schwingeler Hof.
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Wesseling. Nach 2019 gab es wieder ein Jahreskonzert des Männer-Gesang-Vereins 1944 Wesseling e.V. im Sommer in der Scheune des Schwingeler Hofes: Gemeinsam mit dem Kammerchor Cantamus hatte der Verein zu einem Bunten Abend mit Schlagern aus fast einem ganzen Jahrhundert geladen. Das unterhaltsame Programm hatte Guido Wilhelmy zusammengestellt, der beide Wesselinger Chöre leitet. Die Klavierbegleitung übernahm wieder einfühlsam und souverän Elisabeth Rieger

Zunächst stellten sich die beiden Chöre vor mit zwei Konzert-Openern: "Wir sind die alten Säcke", so heißt eine nicht ganz ernst zu nehmende Humoresque für vierstimmigen Männerchor von Pasquale Thibaut, und "Hallo", das ist ein witziges, jazzig-poppiges Lied für gemischten Chor von Oliver Gies. Die beiden Vorsitzenden Peter Josef Derichsweiler und Nicole Hennen begrüßten das Publikum im gut gefüllten Saal und gaben einige Aus- und Einblicke ins Programm. In der zweiten Hälfte trat auch Guido Wilhelmy einmal ans Mikro, um das weitere Programm kurz vorzustellen. Ansonsten war eine Moderation auch überflüssig, weil viele Stücke für sich selbst sprachen, und die meisten auch den Zuhörerinnen und Zuhörern bekannt waren. 

Die Zeitreise durch die Welt des Schlagers begann mit Cantamus und dem Berliner Vokalensemble Comedian Harmonists. Sie sangen in schlechten Zeiten Wohlfühlschlager, lockere und lustige, aber rhythmisch und harmonisch komplexe Lieder. "Wochenend' und Sonnenschein" von 1930 war das deutsche Cover des amerikanischen Songs "Happy Days Are Here Again" von Milton Ager; "Mein kleiner grüner Kaktus" von 1934 basiert auf dem französischer Schlager "J'aime une Tyrolienne" von Bert Reisfeld. Das war schon die Endphase des Ensembles: Ab Ende 1937 durften die Platten nicht mehr verkauft werden, die Musiker wurden schon im Februar 1935 mit einem Auftrittsverbot belegt, da drei Mitglieder Juden waren. 

Danach gab es einen größeren Zeitsprung in die 1970er Jahre. Das Lied "Sierre Madre del Sur" wurde ursprünglich 1970 von Ronny geschrieben und aufgenommen, es war allerdings ein Flop. Der MGV singt gerne das Arrangement von Pasquale Thibaut, das auf der Aufnahme der Zilleraler Schürzenjähger von 1987 basiert: von der Morgenstimmung, bevor die Bergbauern ihren Aufstieg in Angriff nehmen, und von der Abendstimmung, wenn die Arbeit im mexikanischen Gebirge erledigt ist. Und zum Abschluss erklang es erneut als dritte Zugabe, nachdem Ralf Borchers vom Tambourcorps "Gut Klang" Keldenich dafür eine Fete mit Kölsch versprach, als er den Vereinen, ihren Vorsitzenden und Mitgliedern für ein tolles Konzert gedankt hat. 

Ein großartiger 1970er Jahre Schlager stammt von Udo Jürgens: "Griechischer Wein". Die fröhlich-traurige Musik hatte der österreichische Sänger nach einem Griechenland-Urlaub geschrieben. Die Geschichte von den griechischen Gastarbeitern, die in einer Kneipe unter sich waren, schrieb dann 1974 Michael Kunze, unterstützt von Produzent Ralph Siegel. Von Udo Jürgens brachte der Männerchor im Konzertverlauf noch zwei weitere Schlager: der große Hit "Ich war noch niemals in New York" von 1982 - ein Familienvater spielt mit dem Gedanken, aus seinem kleinbürgerlichen Leben zu fliehen und nach New York City, Hawaii oder San Francisco zu reisen; und der kommerziell weniger erfolgreiche Titel "Heute beginnt der Rest deines Lebens" von 1995, ein Plädoyer für "Carpe diem": Du hast jeden Tag die Chance, das Leben in die Richtung zu lenken, die du ihm geben willst - auch gegen Regeln und Vorschriften.  

Cantamus steuerte in der ersten Programmhälfte noch zwei Top-Titel der 1970er Jahre bei: "Wunder gibt es immer wieder", mit ihrem Debüt-Hit schaffte Katja Ebstein ihren Durchbruch und erreichte 1970 den 3. Platz beim Grand Prix D'Eurovision in Amsterdam; der Rock-Song "Bohemian Rhapsody" von Farrokh Bulsara aka Freddy Mercury brachte 1975 den Durchbruch für Queen, es ist eines der komplexesten Stücke der modernen Musikgeschichte, eine Ballade mit Heavy-Metal kombiniert, ein anspruchsvolles Stück ohne Refrain, was die 17 Sängerinnen und sechs Sänger aber sehr gut meisterten. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus. 

Nach einer kurzen Pause eröffnete der MGV den zweiten Konzertteil wieder mit Schlagern der 1980er Jahre: "Ich wollte nie erwachsen sein" ist Nessajas Lied des Rockmusikers Peter Maffay von 1983, das die letzte Begegnung des Drachen Tabaluga mit der Schildkröte "Die Weise und ewig Lebende" beschreibt. Cantamus ergänzte zwei Lieder. "Leuchtturm" von Nena wurde 1983 veröffentlicht, in demselben Jahr, als sie ihren internationalen Durchbruch mit "99 Luftballons" schaffte: "Komm geh' mit mir den Leuchtturm 'rauf. Wir können die Welt von oben sehen." Das Lied "König von Deutschland" von Rio Reiser von 1986 ist eine satirische Reflexion der bundesdeutschen Politik und Popularkultur der 1980er Jahre. Und die Gäste konnten sich erinnern an Helmut Kohl, Ronald Reagan, Robert Lembke, Sissi, Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß, Reinhard Mey, Paola und Kurt Felix...

Die 1990er Jahre wurden mit dem Titelsong "My Heart Will Go On" von James Horner aus dem Katastrophenfilm "Titanic" von 1997 repräsentiert. Es war für die kanadische Pop-Sängerin Celine Dion ihr größter Single-Erfolg, obwohl sie das Lied erst gar nicht singen wollte. Und auch dieser englische Titel kam beim Publikum bestens an. Das Chorlied "Männer mag man eben" von Hans Unterweger von 2011 ist eigentlich kein Schlager, aber ein hitverdächtiger neuer Popsong mit Charme und musikalischem Drive. Guido Wilhelmy meinte in seiner Anmoderation, es hat sich "etwas dazwischen gemogelt." Darüber freute sich aber besonders Peter Josef Derichsweiler in seinen Dankesworten zum Konzertende.

Aber vorher brachte der MGV noch zwei eingängige Schlager aus den 2000er Jahren, die besonders gefielen und den Sängern auch sichtlich Spaß machten. "Und wenn das Schicksal es will, dann wird ein Wunder gescheh'n, denn diese Welt ist so schön," der erfolgreichste Song von DJ Ötzi von 2014, der auf der Melodie von Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll basiert, schwungvoll und peppig dargebracht; und "Warum hast du nicht nein gesagt": Den Schlager, den Maite Kelly 2014 für Roland Kayser geschrieben hat, kennt wohl jeder, auf YouTube hat er 174 Millionen Aufrufe, vom Chor wurde er mit Leidenschaft und Überzeugung umgesetzt. Cantamus brachte noch die Ode an die große Freundschaft in rauen Zeiten von Udo Lindenberg von 2016: "Durch die schweren Zeiten". Guido Wilhelmy erinnerte in diesem Zusammenhang an die Corona-Pandemie, die sowohl das gemeinsame Singen als auch das Vereinsleben abrupt stoppte: "Es geht nicht immer geradeaus, manchmal geht es auch nach unten. Es ist nie zu spät, um nochmal durchzustarten" 

Zum Abschluss formierten beide Chöre sich gemeinsam zu "Der größte Chor der Welt", ein Schlager von 2018  der internationalen Schlagerband Klubbb3 mit Florian Silbereisen aus Deutschland, Jan Smit aus den Niederlanden und Christoff de Bolle aus Belgien. Zunächst fängt einer zu singen an, bis nachher Millionen Stimmen und Millionen Herzen zum größten Chor der Welt werden. Wer noch mitmachen will: die Zuhörer finden auf der letzten Seite des Konzertprogramms ist einen Mitgliedsantrag. Die Leser können auch einfach über die Website Kontakt aufnehmen: https://www.mgv-wesseling.de/kontakt.

Standing Ovations, als Peter Josef Derichsweiler der Pianistin und dem Chorleiter mit Blumen dankte. Auf zwei Zugaben hatte man sich eingerichtet. Cantamus sang "Musik nur, wenn sie laut ist": Herbert Grönemeyer beschreibt in seinem Lied von 1983 eine Frau, die taub ist, sie kann laute Musik nur fühlen, durch den lauten Bass kann sie aber zur Musik tanzen, und dann fühlt sie sich gut; und der Männerchor "Ein schöner Traum ist die Musik", 2003 veröffentlicht als "We Have a Dream", das mit Platin ausgezeichnete Lied der zehn Finalisten aus der ersten Talentshow "Deutschland sucht den Superstar" von Dieter Bohlen. Nach gut zwei Stunden schöner Chormusik in einer abwechslungsreichen Zusammenstellung konnten die Gäste zum gemütlichen Teil bei Kölsch und Wein und mit kleinen Speisen bei angenehmen Wetter im Innenhof übergehen.

LeserReporter/in:

Anita Brandtstäter aus Köln

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