Tuchfabrik Müller
200 Jahre Wolle: Textil- und Technikgeschichte

Flammhemmende Hotpants: Werbung für das Wollsiegel, 1970er Jahre.  | Foto: LVR-Industriemuseum
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  • Flammhemmende Hotpants: Werbung für das Wollsiegel, 1970er Jahre.
  • Foto: LVR-Industriemuseum

Die neue Sonderausstellung „Von der Wolle – eine Geschichte von Tieren, Maschinen und Menschen von 1800 bis heute“ zeigt ab Sonntag, 10. Mai in der Tuchfabrik Müller des LVR-Industriemuseums, Carl-Koenen-Straße 25b, die wechselvolle Geschichte des Rohstoffs Wolle.

Euskirchen (lk). Die Ausstellung lädt auf rund 550 Quadratmetern zu einer Entdeckungsreise durch die überraschende Vielfalt der Wollnutzung ein. Die 200 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus der museumseigenen Sammlung. Restauratorinnen des LVR-Industriemuseums und Studierende der TH Köln haben sie untersucht – mit teils unerwarteten Ergebnissen.

Die Objekte geben Einblicke in die unterschiedlichen Facetten der Wolle: Ein Vorspinnkrempel eines Aachener Tuchfabrikanten aus dem Jahr 1860 steht für die komplexen Verarbeitungsschritte des Rohstoffes.

Ein Reisekleid von 1880 bestach durch besten Wetterschutz – und zeigt, dass Wolle durch die richtige Bearbeitung funktionale Eigenschaften erhält. Das spiegelt sich auch bei technischen Anwendungen wie Tennisbällen oder Klaviertasten wider. Schafmodelle zeigen die Vielfalt von zum Teil ausgestorbenen Schafrassen. Historische Abbildungen und Medienstationen ergänzen die Präsentation.

Wer selbst genauer hinschauen möchte, kann an einem Mikroskop die eigene Kleidung ganz wortwörtlich unter die Lupe nehmen.

Bereits um das Jahr 1800 stieg europaweit die Nachfrage nach besonders feiner Wolle. In der Folge wurden Schafrassen gezielt gezüchtet, um den industriellen Bedürfnissen zu entsprechen. Doch im 20. Jahrhundert geriet Wolle durch Ersatzstoffe wie Kunst- oder Reißwolle zunehmend unter Druck. Diesen Trend verstärkten ab 1933 Rohstoffknappheit und die nationalsozialistischen Autarkiepläne. Schlechte Trageeigenschaften führten bei den Konsumenten zu einem Vertrauensverlust, während vermeintlich pflegeleichte synthetische Fasern den Markt eroberten. Erst mit der Umweltbewegung der 1970er Jahre begann sich das Image von Wolle wieder zu verbessern.

Heute wird das Naturmaterial Wolle wieder neu entdeckt. Unternehmen und Initiativen erforschen vielfältige Einsatzmöglichkeiten, auch jenseits von Mode und Bekleidung. Aspekte wie Tragekomfort, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit stehen Erfahrungen von kratziger Kleidung, Verfilzung und Mottenbefall gegenüber. Auch Fragen nach Tierwohl und CO₂-Bilanz werden lauter.

Während der globale Wollmarkt von großen Produzenten mit riesigen homogenen Herden und zum Teil umstrittenen Haltungsmethoden in Australien und Neuseeland geprägt ist, setzen regionale Initiativen verstärkt auf nachhaltige Schafhaltung und neue Nutzungskonzepte.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der das Verhältnis von Tierzucht, Technikgeschichte und Mode aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Weitere Informationen sowie das gesamte Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie auf der Website des LVR-Industriemuseums:lvr.de/tuchfabrik-mueller

Flammhemmende Hotpants: Werbung für das Wollsiegel, 1970er Jahre.  | Foto: LVR-Industriemuseum
Flammhemmende Hotpants: Werbung für das Wollsiegel, 1970er Jahre.  | Foto: LVR-Industriemuseum
Redakteur/in:

Lars Kindermann aus Rhein-Erft

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