Aus für Galeria Kaufhof
Wie soll das Gebäude künftig genutzt werden?

Die Schließung des Kaufhofs war nicht abzuwenden – nun wird an neuen Nutzungslösungen gearbeitet.  | Foto: Foto: Woiciech
  • Die Schließung des Kaufhofs war nicht abzuwenden – nun wird an neuen Nutzungslösungen gearbeitet.
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Siegburg. Ende Januar geht für Siegburg eine Ära zu Ende. Die Galeria Karstadt Kaufhof schließt für immer ihre Türen. Das Warenhaus bildete über Jahrzehnte einen Besuchermagnet und war ebenfalls ein großes Identifikationsmerkmal für die Kreisstadt. Doch kamen die Verantwortlichen von Kaufhof und der Eigentümer-Vertretung Lapithus nicht überein, das Geschäft in irgendeiner Form weiterzuführen. „Die Miete wäre wohl so niedrig gewesen, dass sie die Kosten nicht decken würde, ergo wirtschaftlich offenbar nicht darstellbar“, erläuterte Bürgermeister Stefan Rosemann. Da sich die Schließung also nicht abwenden lässt, gilt es nun nach vorne zu schauen. „Wir sahen uns als Verwaltung immer in einer aktiven Rolle, damit überhaupt Gespräche stattfinden.“ Jetzt geht es darum, mit der Vermarkterfirma RME in Kontakt zu bleiben, und eine gute, nachhaltige Lösung in einer 1-A-Lage zu schaffen. Auch wurden Fördermittel bewilligt, um ein Büro zu beauftragen, welches ein Konzept für die weitere Nutzung entwickelt.

„Hierbei soll es keine Denkverbote geben. Bisher erreichten uns schon verschiedene Ideen, vom Hotel über den sozialen Wohnungsbau bis hin zu Arztpraxen oder einem Fitnessstudio. Sogar eine Rollschuhbahn stand auf der Vorschlagsliste. Doch erst einmal ist es wichtig, das Erdgeschoss zu bespielen. Vielleicht ist es schon zu engstirnig, nur gewerblich zu denken. Wir müssen flexibel bleiben.“

Ein Markthallen-Konzept sieht der Bürgermeister kritisch, da hier Kannibalisierungseffekte entstehen könnten. „Wir verfügen über einen großartigen Frischemarkt, da sollte es keine Konkurrenz geben.“ Darüber hinaus findet die Ansiedlung von Geschäftslokalen kaum Anhänger. „Das wäre so wie eine Shopping-Mall, und man sieht ja an anderen Orten, wie das läuft. Ich bin sehr froh, dass wir damals kein ECE-Center bekommen haben, sonst hätten wir vielleicht noch ein Problem mehr.“ Ferner wandelt sich der Handel derzeit stetig. Durch die Ansiedelung von Warenhäusern und Baumärkten starben in der Vergangenheit die kleinen Geschäfte, heute verschwinden angesichts des Onlinehandels genau diese Einkaufsriesen. Gerade hier besteht für die inhabergeführten Fachgeschäfte aktuell eine riesige Chance, da die Attraktivität von Siegburg ungebrochen ist. Aus diesem Grund streben wir den Erhalt des Parkhauses als wichtigen Baustein an. „Es soll ab 1. Februar hier nahtlos weitergehen“, so Stefan Rosemann. Gespräche der Stadtbetriebe liefen bisher erfolgsversprechend. „Bisher war das Parkhaus nicht ausgelastet. Nun wollen wir dieses in das einheitliche System, mit einem schrankenlosen Parken und der Verlängerung der Öffnungszeiten auf 24 Stunden, integrieren.“ Besagten Schritt begrüßen die Vertreter der politischen Parteien im Stadtrat gleichermaßen. Die Fraktionen von CDU und Grüne machten sogar den Vorschlag, das Parkhaus zu erwerben, was angesichts der Haushaltslage allerdings recht unwahrscheinlich aussieht. Die Ratskooperation wünscht sich vor allem, dass neue Nutzungen sicherstellen sollen, eine weiterhin hohe Fußgängerfrequenz, an diesem bislang am stärksten begangenen Abschnitt der Kaiserstraße, zu gewährleisten.

„Ein Markthallen-Konzept, das bestehenden Einzelhandel aus angestammten Ladenlokalen in Siegburg im früheren Kaufhof-Gebäude konzentrieren will, halten wir nicht für wünschenswert“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Lars Nottelmann. „Es kommt momentan drauf an, mit der absolut notwendigen Diskretion und im ständigen engen Kontakt mit den Eigentümervertretern, Lösungsalternativen zu erarbeiten, die einen längeren Leerstand vermeiden, welcher der Stadt und ihren Geschäften schwer schaden würden. Nach den in jüngerer Vergangenheit bekannt gewordenen Wegzügen oder Schließungen – zum Beispiel Hit-Zentrale und Landgraf – ist die Zukunft Siegburgs als Einkaufsstadt in Gefahr geraten. Verwaltung und Wirtschaftsförderung müssen jetzt entschieden gegen weitere Schließungen großer Einzelhandelsgeschäfte angehen.“ CDU und Grüne erwarten von der Stadtverwaltung, gemeinsam mit dem Eigentümer, zeitnah neue Nutzungsmöglichkeiten auszuloten und auch kurze und schnelle Genehmigungswege anzustreben, die für notwendige Umbauten sorgen.

Daran knüpft ebenfalls die SPD-Fraktion an. „Das Baurecht ist der einzige Hebel, wo die Stadt Einfluss haben kann“, äußerte SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Keller. „Letztendlich spielt der Inhaber jedoch die entscheidende Rolle.“ Auch Michael Keller findet das Markthallen-Konzept aufgrund des attraktiven Wochenmarktes schwierig. Besser wäre ein Mix aus verschiedenen Nutzungen. „Einzelhandel, Fitnessstudio, Gesundheitsdienstleister oder Büros rücken ins Zentrum des Interesses, mittlerweile werden obendrein Co-Working Plätze angefragt. Doch für einen Nachmieter steht im Mittelpunkt, die Umbaukosten so niedrig wie möglich zu halten.“ Da das Gebäude schon arg in die Jahre gekommen ist, hält Michael Keller die Entwicklung eines effizienten Konzeptes für unumgänglich. „Es ist gut hier Fördermittel beantragt zu haben. Jeder hat Ideen, aber wir brauchen Experten, die sich damit auskennen.“

In einem sind sich allerdings alle einig – für das Kaufhof-Gebäude muss eine für die Stadt verträgliche nachhaltige Lösung gefunden werden, die den Einkaufsstandort Siegburg stärkt und nach vorne bringt. Es bleibt spannend, wie sich die Zukunft entwickelt.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Dirk Woiciech aus Siegburg

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