Vun Hätze, die för dä Fastelovend schloge
Rösraths höchste Jecken
- Kennen jetzt viele (v.l.): Jungfrau Sarah (Sascha Lammert), Prinz Bryan I. (Bryan Sterzenbach) und Bauer Karsten (Hegener). Foto: Axel König
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Rösrath (kg). Sie sind Prinz, Bauer und Jungfrau im Karneval, leicht zu erkennen am Ornat und an unterschiedlichen Erkennungszeichen, darunter ein Spiegel, eine Pritsche und ein Dreschflegel. Aber wie ist das eigentlich, einer vom Dreigestirn zu sein, welche Bedeutung hat das für die drei?
Bryan Sterzenbach musste nicht lange überlegen, als er gefragt wurde, einmal Prinz im Karneval zu sein. Für Sascha Lammert lag es „vermutlich im Blut“, wie er sagt. Denn der Mann, der in der 5. Jahreszeit eine Frau mimt, wurde an einem Elften im Elften in Köln geboren. Karsten Hegner musste nicht lange überlegen, um vom Blaulicht zu Dreschflegel und Pfauenfedern zu wechseln. „Bauer war die Position, die mir am meisten gefallen hat“, sagt er.
Der Rollenwechsel falle ihm auch leicht: „Im Rettungsdienst ist es wichtig, flexibel in verschiedensten Situationen zu sein“, schildert der 33-jährige DRK-Notfallsanitäter und stellvertretende Einsatzleiter der Hoffnungsthaler Feuerwehr. Hingegen muss Hauptbrandmeister Sascha Lammert gelegentlich Kollegen bitten, einzuspringen, wenn er von der Hildener Feuerwehr zu Auftritten in seiner Heimat anreist. Für Prinz Bryan I., im Berufsleben Industriemechaniker, ist es ungewohnt. Er sagt: „Auf einmal stehe ich im Mittelpunkt und jeder spricht mich an.“ Aber er freut sich über diesen Wandel: „Alle sind supernett und wir freuen auf jeden Auftritt.“
Wie kompliziert sich selbst anzuziehen als Kind sein kann, dürfte bekannt sein. Ähnlich ist es, wenn man sich einmal im Leben in völlig andere Gewänder hüllt und sich dazu noch schminkt. So dauerte beim Prinzen der Wechsel vom zivilen in die hohe Amtstracht der Karnevalisten anfangs 40 Minuten. „Inzwischen sind wir bei der Hälfte der Zeit, treffen uns aber weiterhin eine Stunde vorher, um zum Beispiel die Auftritte vorzubereiten“, erzählt Bryan Sterzenbach, dessen Eltern im Club des Frohsinns (CdF) verwurzelt sind. Der CdF stellt in dieser Session das Dreigestirn. „Beim Ausziehen des Ornats sind wir inzwischen Profis“, berichten Sascha Lammert und Karsten Hegner. „Dazu brauchen wir keine fünf Minuten mehr.“
Als einen persönlichen Höhepunkt, „atemberaubend“ und „vor so vielen beeindruckend“, empfanden die drei höchsten Jecken den Einzug in die Aula und die anschließende Proklamation durch den Ersten Stadtbürger Yannick Steinbach und den Ersten Karnevalsbürger Jörg Schallenberg; letzterer vom Karnevals-Komitee. Für Bauer Karsten bildet dennoch das „gemeinschaftliche Erleben der Züge und die Freude der Menschen“ das Essentielle. Sascha Lammert, der als Jungfrau in Hommage an seine Schwester den Namen „Sarah“ angenommen hat („Sie ist es, die seit langem die Familie zusammenhält und sich um alles kümmert“), bildet speziell der Straßenkarneval die höchste Zeit. Prinz Bryan erwartet, dass er die „schönsten Momente“ erst im Nachhinein bestimmen kann. „Ich freue mich immer besonders auf die gemeinsamen Auftritte mit dem Kinderdreigestirn“, sagt er.
Wie wird man eigentlich „Dreigestirn“? Der Mann, der sich beruflich mehr um Maschinen als um bunte Gewänder kümmert, erzählt, dass es dazu im Club des Frohsinns eine Wahl gab, und er bereits zuvor Sascha gefragt habe und beide dann zum Dritten im Bunde vorstießen. „Bryan und Sascha kenne ich seit vielen Jahren. Als sie mich fragten, fühlte ich mich sehr geehrt“, sagt Karsten Hegner. Zum Club des Frohsinns stieß er vor rund eineinhalb Jahren hinzu. Er erzählt, dass er bereits im Alter von fünf Jahren im Maxi-Cosi an den Karnevalszügen in Rösrath teilnahm und mit 16 Wagenengel war“. Seit etwa fünf Jahren teilt die Jungfrau die Freude im Club. „Dort hatte ich einige Freunde“, sagt Sascha Lammert, der grundsätzlich neben der Feuerwehr auch im Karneval aktiv sein wollte, die gute Stimmung mag und mit daran wirken möchte, Brauchtum zu erhalten. Der Jüngste ist am längsten im Verein: „Als ich zwölf war, trat ich im Club des Frohsinns ein“, erzählt er. Vorbilder waren seine Eltern Roswitha und Manfred. Er durfte stante pede ein Dreigestirn begleiten, was er bis heute nicht vergessen hat. „Dirk Schulte war damals Prinz von Rösrath.“ Für Bryan war dies der Auslöser, das Brauchtum kennen und schätzen lernen zu dürfen. Dirk Schulte, Vizevorsitzender vom Karnevals-Komitee, ist in der Session 2026 der Prinzenführer von Bryan I.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |