100 Meter Sicherheitszone eingerichtet
Die Katastrophe von Blessem

Blick auf die Abruchkante der abgesackten Kiesgrube. Abwasserrohre liegen frei, wurden einfach weggespült, die Straße ist abgesackt, rechts im Bild sieht man einen Teil der zerstörten Unterstände der historischen Burg. Was man auf dem Foto nicht sehen kann, weil es nur zu hören war: Zahlreiche Alarmanlagen aus Autos piepten die ganze Zeit.
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  • Blick auf die Abruchkante der abgesackten Kiesgrube. Abwasserrohre liegen frei, wurden einfach weggespült, die Straße ist abgesackt, rechts im Bild sieht man einen Teil der zerstörten Unterstände der historischen Burg. Was man auf dem Foto nicht sehen kann, weil es nur zu hören war: Zahlreiche Alarmanlagen aus Autos piepten die ganze Zeit.
  • Foto: Montserrat Manke
  • hochgeladen von Montserrat Micaela Manke

Erftstadt-Blessem - Es sind Bilder, die sich in das Gedächtnis der Region einbrennen
werden: Durch die Flutkatastrophe wurde der Stadtteil schwerst
getroffen, mehrere Häuser und ein Teil der historischen Burg in
unmittelbarer Nähe der eingebrochenen Kiesgrube sind eingestürzt.
Die Wassermassen rauschten letzte Woche mit bis zu einer Höhe von
1,60 Metern durch den Ort.

Der Ortskern von Blessem sieht verheerend aus, und die Menschen
versuchen am Donnerstag nach der Katastrophe zu retten, was noch zu
retten ist. Mit und ohne Gummistiefel – teilweise barfuß – waten
sie durch das Wasser, welches immer noch gut zehn Zentimeter hoch in
einer Mulde gleich an der Kreuzung zu den zerstörten Häusern steht.

Fernseheteams haben dort ihre Kameras aufgebaut, Journalisten stehen
mit ihren Mikros davor und erstatten dem Rest der Welt Bericht aus dem
Katastrophengebiet.

„Was ich in 40 Jahren aufgebaut habe – es ist dahin“, ruft mir
ein älterer Mann aus seiner Einfahrt zu. Er versucht mit einem
Wasserschieber das Wasser aus dem Hof zu kehren. Ein zweiter kommt
hinzu, reinigt ganz pragmatisch eine Flasche Kölsch in dem Wasser –
er wird sie gleich aufmachen und erst mal einen Schluck trinken.

Um die Ecke zeigt mir ein Mann sein Haus, ich darf auch filmen, es
macht ihm nichts aus. Es ist dunkel im Inneren, der Strom ist
ausgefallen, und der Blick zur Treppe in den Keller offenbart, hier
steht das Wasser bis kurz vors Erdgeschoss. Der Hausbesitzer bleibt
gelassen, er hat eine Versicherung gegen solche Unglücksfälle
abgeschlossen. Viele haben das nicht …

Und auch zwei Tage nach der Katastrophe kommt Blessem nicht zur Ruhe,
Freitagnachmittag gibt die Bezirksregierung Köln eine Eilmeldung
raus, dass es in dem Stadtteil massive und schnell fortschreitende
Unterspülungen von Häusern und Bauwerken mit Teil- oder
Totaleinstürzen gebe. Aus den Häusern erfolgen immer wieder Notrufe,
da Personen trotz Warnung zurück ins hoch gefährliche Schadensgebiet
gekehrt sind oder es nicht verlassen haben. Man könne nur teilweise
Personen mit Booten oder Strömungsrettern retten. Zahlreiche Menschen
befanden sich da noch in ihren Häusern, eine Rettung war vielfach
nicht möglich. Dazu wurde ein nicht abstellbarer Gasaustritt
festgestellt, der weitere Einsatzmaßnahme stark gefährdete.

Montagabend dann gab es eine erste Einschätzung des
Rhein-Erft-Kreises zur Lage in Blessem: Es gibt eine Sicherheitszone
von 100 Metern, die wegen akuter Lebensgefahr nicht betreten werden
darf.

Für Straßenzüge außerhalb dieses Radius soll ermöglicht werden,
zeitweise und begleitet in die Häuser und Wohnungen zurückzukehren,
um ihr Hab und Gut zu sichern. Inwieweit das geschehen ist, stand bei
Redaktionsschluss nicht fest.

Parallel dazu werden von Experten weitere technische Möglichkeiten
zur Stabilisierung der Kiesgrube und der entsprechenden Abbruchkante
erarbeitet.

Blick auf die Abruchkante der abgesackten Kiesgrube. Abwasserrohre liegen frei, wurden einfach weggespült, die Straße ist abgesackt, rechts im Bild sieht man einen Teil der zerstörten Unterstände der historischen Burg. Was man auf dem Foto nicht sehen kann, weil es nur zu hören war: Zahlreiche Alarmanlagen aus Autos piepten die ganze Zeit.
Der Ortskern von Blessem: Auch hier wurde alles geflutet, rauschte das Wasser bis zu 1,60 Meter durch das Dorf.
Redakteur:

Montserrat Micaela Manke

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