Neuer Wildschadenschätzer
Wildschaden per Drohnenflug erkunden

Spannende Vorführung: Mit einer Drohne eröffnen sich bei der Begutachtung von Wildschäden ganz neue Möglichkeiten. Aus der Luft lassen sich beschädigte Flächen überblicken, genauer eingrenzen und vermessen.  | Foto: Marvin Becker/pp/Agentur ProfiPress
  • Spannende Vorführung: Mit einer Drohne eröffnen sich bei der Begutachtung von Wildschäden ganz neue Möglichkeiten. Aus der Luft lassen sich beschädigte Flächen überblicken, genauer eingrenzen und vermessen.
  • Foto: Marvin Becker/pp/Agentur ProfiPress

Richard Werschmann folgt als Wildschadenschätzer auf Karl-Friedrich Schrader. Bürgermeister Michael Fingel würdigte die langjährige ehrenamtliche Arbeit. Der Drohneneinsatz könnte Schadensaufnahme künftig erleichtern.

Mechernich (red). Wenn Wildschweine ein Maisfeld verwüsten oder anderes Wild Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen verursacht, geht es schnell um zwei Fragen: Wie groß ist der Schaden? Und wie hoch der finanzielle Ausgleich? Hier kommt der Wildschadenschätzer ins Spiel. Er begutachtet die betroffene Fläche, bewertet den entstandenen Schaden und schafft damit eine sachliche Grundlage für die Regulierung zwischen den Beteiligten.

Im Mechernicher Stadtgebiet übernimmt diese Aufgabe künftig Richard Werschmann. Nach 16 Jahren verabschiedete Bürgermeister Michael Fingel im Rathaus den langjährigen ehrenamtlichen Wildschadenschätzer Karl-Friedrich Schrader und berief dessen Nachfolger in das Ehrenamt. Dass Werschmann diese Aufgabe übernimmt, ist keineswegs Zufall: Schrader selbst hatte den 35-Jährigen als seinen Nachfolger vorgeschlagen, unterstützt von der Stadt Mechernich. Die untere Jagdbehörde des Kreises Euskirchen hatte den Vorschlag akzeptiert. „Einen besseren Nachfolger kann man sich nicht wünschen“, war Schrader bei der symbolischen Fernglas-Übergabe sichtlich gerührt.

Richard Werschmann stammt aus dem Münsterland und kennt die unterschiedlichen Interessen rund um Landwirtschaft und Jagd aus eigener Erfahrung. „Ich bin mit der Jagd groß geworden und auf einem Bauernhof aufgewachsen“, verriet er im Rahmen seiner offiziellen Ernennung im Büro des Bürgermeisters. Damit bringt der Landwirtssohn eindeutig beste Voraussetzungen mit, um Schäden fachlich einzuschätzen, zugleich aber auch die Perspektiven aller Beteiligten nachvollziehen zu können.

Sein Vorgänger hinterlässt große Fußstapfen. Karl-Friedrich Schrader habe seine Aufgabe als Wildschadenschätzer über viele Jahre nicht nur mit großer Erfahrung, sondern auch ausgesprochen effizient ausgeübt, betonten sowohl der Bürgermeister, als auch der Erste Beigeordnete der Stadt Mechernich, Thomas Hambach, selbst Jäger. Die für Wildschäden zuständige Mitarbeiterin im städtischen Team für Ordnungswesen Stefanie Vosen war voll des Lobes. „Herr Schrader hat immer unglaublich klug und effektiv gearbeitet. Spätestens nach zwei Treffen war meist eine Einigung über die Schadenssumme erreicht“, wusste sie zu berichten.

Schraders wichtigster Rat an Richard Werschmann fiel dementsprechend deutlich aus: „Erstens, Klarheit, zweitens Konsequenz.“ Für Schrader ist entscheidend, dass der Schätzer seine Rolle eindeutig ausfüllt: „Den Schaden schätzen. Und danach nicht mehr rauf oder runterhandeln. Was im Bescheid steht, sollte auch umgesetzt werden - immer.“

Mehr Fälle durch warme Winter

Ganz ruhig dürfte das neue Ehrenamt für Werschmann allerdings nicht werden. Bislang waren im Mechernicher Stadtgebiet nach Angaben Schraders jährlich etwa zehn bis 15 Schätzfälle üblich. Diese Zahl sei im laufenden Jahr bereits überschritten worden. Als einen Grund sieht Schrader unter anderem die zunehmend warmen Winter, die Auswirkungen auf Wildbestände und Wildaktivität haben können.

Für Werschmann kommt noch eine weitere Besonderheit hinzu: Er besitzt einen Drohnenführerschein. Damit eröffnen sich bei der Begutachtung von Wildschäden ganz neue Möglichkeiten. Aus der Luft lassen sich beschädigte Flächen überblicken, genauer eingrenzen und vermessen. Das könnte die Ermittlung des tatsächlichen Schadens insbesondere bei größeren oder schwer zugänglichen Flächen deutlich erleichtern. „Nebenbei kann mit Hilfe von Luftaufnehmen auch eine wesentlich effizientere Kitzrettung betrieben werden“, erklärte Werschmann.

Wie groß der praktische Nutzen ist und welche Kosten mit einer entsprechenden technischen Ausstattung verbunden wären, ließ sich Bürgermeister Michael Fingel bei dem Termin ausführlich erklären. Gemeinsam mit dem Erstem Beigeordneten Thomas Hambach sowie der persönlichen Referentin des Bürgermeisters Manuela Holtmeier und Stefanie Vosen informierte er sich über die Möglichkeiten, die Drohnenflüge für die Arbeit des Wildschadenschätzers bieten könnten.

Die moderne Technik hat jedenfalls Interesse geweckt. Für Bürgermeister Michael Fingel war das Thema Wildschadenschätzung bislang eher Neuland. Umso beeindruckter zeigte er sich von der Fachkenntnis und dem Engagement des bisherigen und des neuen Amtsinhabers: „Ich sehe, dass wir hier zwei richtig gute Leute haben!“ Richard Werschmann bringt dafür ab sofort seine Kenntnisse aus Landwirtschaft und Jagd ein – und möglicherweise eines Tages auch den Blick aus der Luft.

Die Stadt Mechernich weist darauf hin, dass Wildschäden mit dem offiziellen Wildschadenmeldebogen (zu finden auf der städtischen Internetseite www.mechernich.de ) binnen 14 Tage nach Kenntnis oder Entdecken des Schadens gemeldet werden müssen, damit ein rechtlicher Anspruch besteht. Gleichzeit sind Landwirte sowie Jagdpächter angehalten, die Schäden zu dokumentieren und aktiv an Maßnahmen zur Vermeidung zuarbeiten.

Redakteur/in:

Signe Mai Slomian aus Pulheim

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