75 Jahre Museum Morsbroich
Ein Jubiläum mit Strahlkraft

Das Museum im Schloss Morsbroich will ein Ort bleiben, der Tradition und Experiment, Geschichte und Gegenwart selbstbewusst miteinander verbindet. Foto: Gabi Knops-Feiler
  • Das Museum im Schloss Morsbroich will ein Ort bleiben, der Tradition und Experiment, Geschichte und Gegenwart selbstbewusst miteinander verbindet. Foto: Gabi Knops-Feiler
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Leverkusen (gkf). Mit einem Festjahr voller Ausstellungen und Veranstaltungen begeht das Museum Morsbroich seinen 75. Geburtstag. Den Auftakt bildet bis 7. Juni die Ausstellung „Chained to the Rhythm - Von Mensch und Natur“. Dann öffnet sich das Museum in einem experimentellen Ansatz äußeren Einflüssen wie Sonne, Wind und Natur und stellt das Verhältnis von Kultur und Natur zur Diskussion – unter aktiver Beteiligung des Publikums. Vom 8. bis 10. Mai folgen die Morsbroicher Kunsttage als gemeinsames Festwochenende mit Bürgern und Freunden sowie Förderern des Hauses. Ab 12. Juni präsentiert sich der erstmals ausgelobte Morsbroich Young Art Award in den Ausstellungsräumen; die Preisverleihung ist für 21. Juni geplant.
Im Sommer stehen zwei weitere große Einzelausstellungen im Mittelpunkt: „Cihan Çakmak. like a warrior“ (12. Juli bis 8. November) und „Renate Behla. Die Ergänzerin“ (20. September 2026 bis 14. Februar 2027). Im Spätjahr schließlich beziehen neun Gäste die neun Zimmer der Beletage des Schlosses – darunter auch das ehemalige Schlafzimmer der Baroness – und verwandeln die historischen Räume vom 29. November bis 4. April 2027 in individuelle Kunstorte.
Rückblick
Seit seiner Eröffnung am 27. Januar 1951 steht das Haus für eine klare, damals visionäre Haltung: Es sollte „Ausstellungen lebender Künstler“ zeigen, allen Kunstrichtungen Raum geben und Impulse in die Gesellschaft senden. Als erste Neugründung eines Museums für Gegenwartskunst in der jungen Bundesrepublik setzte Morsbroich damit früh ein kulturpolitisches Zeichen. In den Nachkriegsjahrzehnten entwickelte sich das Schloss zu einem der wichtigsten Orte für zeitgenössische Kunst im Rheinland. Bis 1986 widmeten sich in Nordrhein-Westfalen nur zwei Museen konsequent der Gegenwartskunst – die Kunstmuseen Krefeld und das Museum Morsbroich. Von Leverkusen aus gingen entscheidende Impulse weit über die Landesgrenzen hinaus.
Legendär sind die frühen Ausstellungen wie „Monochrome Malerei“ (1960), „Räume und Environments“ (1969) oder die weltweit erste museale Überblicksausstellung zur Konzeptkunst „Konzeption – Conception“ (1969). Internationale Künstlerinnen und Künstler wie Yayoi Kusama wurden hier erstmals in Deutschland gezeigt, andere – etwa Lucio Fontana – mit großen Retrospektiven gewürdigt. Auch deutsche Größen wie Gerhard Richter und Georg Baselitz sind dem Haus seit den 1970er Jahren eng verbunden. Dank der vorausschauenden Sammlungspolitik der Direktoren Udo Kultermann (1959–1964) und Rolf Wedewer (1965–1995) wuchs eine bedeutende Sammlung heran, die den Rang des Museums bis heute unterstreicht.
Spätere Akzente setzte Direktor Markus Heinzelmann (2006–2018) mit der Eröffnung der Dachetage (Grafiketage), der Erweiterung des Skulpturenparks und strukturellen Neuerungen im Ensemble. Seit 2021 arbeitet Direktor Jörg van den Berg gemeinsam mit Fritz Emslander, Thekla Zell und Lucia Riemenschnitter sowie den Künstlern der Werkstatt Morsbroich (2022–2026) an einer umfassenden Neukonzeption. Mit dem Ziel, das Schloss als lebendigen Ort des Dialogs zwischen Geschichte und Gegenwart weiterzuentwickeln.

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