Außergewöhnlicher Besuch
Ein badisches Floß legte am Altstadtufer an

Das Floß aus Baden legte am Königswinterer Rhein-ufer an.
  • Das Floß aus Baden legte am Königswinterer Rhein-ufer an.
  • Foto: Zumbusch

Königswinter. Das waren noch Zeiten, als riesige Flöße stromabwärts den Rhein befuhren und das zu einem Zweck: Dem Transport von gewaltigen Mengen an Holz. War bis zum 17. Jahrhundert hauptsächliches schwaches Brennholz und Schnittholz zu Flößen zusammengebunden auf dem Rhein transportiert worden, kam plötzlich Schwung in den aufblühenden Holzhandel Hollands. Die Städte vergrößerten sich dort rasch und das holzarme Holland war auf die Einfuhren von Holz angewiesen. Und da kamen sie, die gigantischen Holländer-Flöße mit ihrer hölzernen Fracht, meist aus den Wäldern des Schwarzwaldes. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts waren Flöße auf dem Rhein unterwegs, wenngleich diese an Größe nicht mehr zu vergleichen waren mit denen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auf über 300 Meter Länge und mehr als 30 Meter Breite konnten die Flöße seinerzeit anwachsen und auf dem schwimmenden Holzkörper hatte fast ein ganzes kleines Dorf Platz. Hütten standen darauf, die dem alltäglichen Leben der Arbeiter dienten. Bis zu 500 Ruderknechte lebten und arbeiteten dort mit der übrigen Mannschaft, die für die Versorgung zuständig war. Die Mengen an Lebensmitteln, die mitgeführt wurden, waren entsprechend: Für eine Strecke etwa von Andernach nach Dordrecht wurden 1.500 Pfund Butter, 40.000 Pfund Brot und gut 95.000 Liter Bier an Proviant mitgeführt. Sogar ein Schlachthaus war an Bord, in dem jeden Tag einer von zahlreichen mitgeführten Ochsen sein Leben lassen musste.

Kürzlich trauten Spaziergänger an der Rheinpromenade in Königswinter ihren Augen nicht, denn ein kleines Floß tauchte aus Richtung Bad Honnef kommend am Horizont auf, darauf fest stehend eine kleine Mannschaft schwarz gekleideter Flößer. Natürlich war der Besuch des Floßes angekündigt und eine entsprechende Abordnung von städtischen Vertretern war gekommen, um die Belegschaft des imposanten Gefährts zu begrüßen. Aus dem badischen Steinmauern waren die Flößer in Etappen angereist und auf der 360 Kilometer langen Route bis zum Endhafen in Leverkusen-Hiltorf unterwegs. Der Zwischenstopp in Königswinter war beabsichtigt, denn das Siebengebirgsmuseum birgt einen Schatz, den die Flößer unbedingt sehen wollten: Ein maßstabsgetreues Modell eines Holländer-Floßes.

Bei der Ankunft des rund 15 Meter langen Floßes war eigens zur Begrüßung die Flößerglocke in Königswinter geläutet worden. 30 Jahre war sie nicht mehr erklungen. Die Flößer waren in wichtiger Mission unterwegs: „Wir wollen mit der Reise dazu beitragen, dass die Flößerei als Weltkulturerbe anerkannt wird“, würdigte Hartmut Brückner vom Schiltacher Flößerverein das alte Handwerk, das so viele Jahrhunderte den Menschen dienlich gewesen war. Beim Besuch im Siebengebirgsmuseum zeigten sich die Flößer dann über das dort ausgestellte Modell begeistert. „Da stimmt ja wirklich jedes Detail“.

Die Flößerei soll bei der Unesco-Nominierung als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt werden. Ende 2022 soll der zuständige Ausschuss der internationalen Organisation darüber entscheiden. Bleibt zu wünschen: „Gamber uff“. Das ist der alte Flößergruß aus dem Schwarzwald und bedeutet „Öffnet die Stauwerke“.

Redakteur:

Iris Zumbusch-Czepuck aus Königswinter

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