Bis zum 19. April, 16 Uhr, haben wir die Wahl
Olympi-Ja oder -nein?
- Auf den Poller Wiesen könnten etwa die Bogenschieß-Wettbewerbe stattfinden. In dieser Fotomontage haben wir uns vorgestellt, wie so etwas aussehen könnte.
- Foto: mit KI-Hilfe erstellt
- hochgeladen von EXPRESS - Die Woche - Redaktion
Von Alexander Büge
Ganz Köln stimmt ab! Insgesamt 814.000 Personen können bis zum 19. April um 16 Uhr wählen, ob in der Domstadt die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 ausgetragen werden sollen. Wer sich noch beteiligten möchte, dem bleibt nicht mehr viel Zeit. Denn: Die Stadt Köln rät, den Abstimmungsbrief spätestens vier Tage vor Wahlende zu versenden. Doch wie könnten Olympische Spiele in Köln aussehen? Was sollen sie kosten? Und wie realistisch ist es überhaupt, dass das größte Sportereignis der Welt eines Tages tatsächlich in der Region stattfindet? Express – Die Woche beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Kölner Olympia-Bewerbung:
Worüber wird abgestimmt?
Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Köln an der gemeinsamen Bewerbung der Region Rhein/Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt? So lautet die Frage auf dem Stimmzettel des Ratsbürgerentscheids, den inzwischen 814.000 Personen erhalten haben. Angekreuzt werden können die Antwortmöglichkeiten Ja oder Nein. Das Ergebnis wird unmittelbar nach Abschluss der Auszählung bekanntgegeben. Sollte sich die Mehrheit dafür entscheiden, wird die Stadt Köln die Bewerbung weiterverfolgen.
Warum wird abgestimmt?
Das Land NRW will verhindern, dass die Öffentlichkeit bei der Entscheidung übergangen wird. Vielmehr setzt man auf Gesprächsformate, Informationsveranstaltungen und Ratsbürgerentscheide, um die Menschen der Region einzubeziehen. Denn moderne und nachhaltige Spiele können es nur mit dem Willen der Bürger im Land geben.
Wo genau sollen die Spiele stattfinden?
Die Region Rhein/Ruhr will sich mit 17 Städten für die Spiele bewerben, wobei Köln als sogenannte Leading City besonders im Fokus stehen soll. Denn hier soll das Olympische Dorf und ein temporäres Leichtathletik-Stadion für 50.000 Zuschauer entstehen. Zudem sollen die Lanxess Arena (Turnen, Sportgymnastik, Trampolin), das RheinEnergieStadion (Fußball, Rugby), die Jahnwiesen und die Poller Wiesen (Bogenschießen), der Sportpark Müngersdorf (Temporäres Tennisstadion mit 12.000 Plätzen), das neue Radstadion (Bahnradsport), der Fühlinger See (Marathonschwimmen) sowie die Kölner Straßen (Straßenradrennen) für verschiedene Wettbewerbe genutzt werden. Neben Köln würden auch in Aachen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Krefeld, Leverkusen, Mönchengladbach, Monheim, Oberhausen, Pulheim, Recklinghausen, Herten, Wuppertal, Kiel und Markkleeberg Wettkämpfe stattfinden. Auch dort kommt es zu Bürgerentscheiden.
Müssen neue Sportstätten gebaut werden?
Das Konzept sieht vor, dass alle Wettkämpfe in bereits bestehenden oder temporären Sportstätten ausgetragen werden sollen. Lediglich das temporäre Leichtathletik-Stadion sowie das Olympische Dorf sollen im neuen Kölner Stadtteil Kreuzfeld entstehen, nach den Spielen aber anderweitig weitergenutzt werden. Das Ziel dabei: Beide Infrastrukturprojekte sollen Kreuzfeld als Wohnquartier einen dauerhaften Mehrwert bieten. Der neue Stadtteil könne dadurch als vielseitiger Sport-, Spiel-, Erholungs-, Bildungs- und Wohnraum weiterentwickelt werden.
Was würden die Spiele kosten?
Da die Spiele in der Region KölnRheinRuhr auf bereits bestehende und temporäre Sportstätten setzen, werden die Ausgaben enorm minimiert. Dennoch rechnet man derzeit mit Durchführungskosten von 4,9 Milliarden Euro. Aber: Demgegenüber sollen Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro stehen, insbesondere durch Sponsoring, Vermarktungsrechte und Beiträge des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Dazu kommen Erlöse aus bis zu 14 Millionen Tickets für verschiedenste Wettbewerbe. Die Olympischen Spiele in der Region könnten also womöglich sogar mit einem finanziellen Überschuss abgeschossen werden, sofern es bei den aktuell kalkulierten Berechnungen bleibt.
Wie positionieren sich die Parteien?
Die Fraktionen von CDU, SPD, FDP/Kölner Stadtgesellschaft und Volt raten den Bürgern mit einem Ja zu votieren. Linke, AfD und BSW sind wiederum gegen Olympische Spiele in Köln. Die Grünen hingegen bitten darum, „die Chancen und Risiken einer Olympiabewerbung sorgfältig abzuwägen“. Eine klare Empfehlung sprechen sie also nicht aus. Anders OB Thorsten Burmester (SPD), der Olympia als einmalige Chance für Köln sieht.
Welche Mitbewerber gibt es in Deutschland?
Neben der Region KölnRheinRuhr bewerben sich mit Berlin, Hamburg und München drei weitere deutsche Städte.
Wie wahrscheinlich ist ein Kölner Zuschlag?
Am 26. September entscheidet eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) darüber, welcher deutsche Bewerber in den internationalen Wettbewerb beim IOC um die Ausrichtung der Spiele geht. Zuvor werden die eingereichten Konzepte anhand festgelegter Kriterien von einer Evaluierungskommission bewertet, sofern die Bürgerentscheide positiv ausfallen. Denn neben den Städten in der Rhein-Ruhr-Region findet auch in Hamburg eine Abstimmung statt (31. Mai). Die Münchener Bürger haben sich hingegen schon mit 66,4 Prozent aller Stimmen für eine Olympiabewerbung ausgesprochen, während in Berlin keine Volksbefragung stattfinden wird. Die Region RheinRuhr mit Köln als Leading City müsste sich also mindestens gegen zwei weitere deutsche Großstädte durchsetzen. Welcher Bewerber am Ende auserwählt wird, ist derzeit kaum absehbar. Denn auch die anderen deutschen Millionenstädte liefern ein schlüssiges Konzept für die Durchführung der Olympischen Spiele. So werden letztlich die Experten die Qual der Wahl haben, welcher deutsche Bewerber am Ende nominiert wird.
Gegen wen müsste sich Köln international durchsetzen?
Sollte Köln vom IOC als deutscher Bewerber ausgewählt werden, wäre die internationale Konkurrenz für die Spiele 2036 riesig. So stehen Bewerbungen aus Katar (Doha), Indien (Ahmedabad), der Türkei (Istanbul), Ägypten (neue Hauptstadt) und Chile (Santiago de Chile) bereits jetzt offiziell fest. Dazu kommen mögliche Bewerbungen aus Ungarn (Budapest), Italien (Florenz-Bologna oder Turin), Dänemark (Kopenhagen), China (Chengdu-Chongqing), Südkorea (Jeollabuk-do) und Kanada (Montreal und Toronto).
Wie realistisch sind Olympische Spiele in Köln überhaupt?
Aktuell sehr unrealistisch. Aber: Sollte zunächst der Bürgerentscheid positiv ausfallen und der nationale Entscheid gewonnen werden, würden die Chancen auf Olympische Spiele in Köln direkt sprunghaft ansteigen. Der Grund: Selbst wenn sich Köln im Jahr 2036 nicht gegen die internationale Konkurrenz durchsetzen würde, stünden für 2040 und 2044 noch zwei weitere Versuche an. Das Köln insgesamt dreimal leer ausgeht, scheint nur schwer vorstellbar, da das bestehende Konzept nach einer Nichtberücksichtigung wohl stetig verfeinert werden dürfte. Doch nun muss zunächst der Ratsbürgerentscheid durchgeführt werden. Die erste Hürde zu Olympischen Spielen in Köln könnte dabei genommen werden – oder eben nicht.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |