Ringschule: Es stinkt zum Himmel
Eltern organisieren die Klo-Patrol
- Sind maßgeblich daran beteiligt, dass die Kinder der Ringschule ihre Toiletten wieder benutzen können (von links): Gerd Meyer, Hausmeister der Ringschule, Enes Fahri Urhan (pädagogische Toilettenbegleitung), Julia Stausberg-Umuerri und Heinirich Fries von der Elterninitiative "KloPatrol".
- Foto: Fries
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Frechen (red). Als die Fenster des Klassenraums mitten im Winter geöffnet wurden, wehte zwar kalte, aber immerhin frische Luft in den Klassenraum. Der beißende Uringeruch wurde so wenigstens etwas erträglicher. Denn regelmäßig zog dieser aus den Toiletten über die Flure bis in die Klassenräume der zweitgrößten Grundschule Frechens, der Ringschule. Die Belastung für Schüler, Lehrer und OGS Kräfte war teilweise erheblich. Das Kinder ihren Toilettengang aus Ekel über die hygienischen Bedingungen stundenlang zurückhielten, teilweise einen kompletten Schultag lang, war an der Tagesordnung. Manche schafften es nach Schulschluss bis auf die rettende heimische Toilette, andere Kinder erlebten einen beschämenden Kontrollverlust.
„Das ist so eklig“
Was nach einer völlig überzeichneten Schilderung klingt, war über lange Zeit Alltag an der Ringschule in Frechen. Eltern, Lehrer und Schüler berichten von stark verschmutzten Toiletten, mit Kot beschmierten Türen, überquellenden Mülleimern und kaum gereinigten Sanitäranlagen.
„Das ist so eklig, da gehe ich nicht drauf“, erinnert sich eine Schülerin an ihre damalige Haltung. Eine Lehrkraft, die anonym bleiben möchte, beschreibt die Situation so: „Wir haben zeitweise darüber gesprochen, Unterricht zu verlegen oder abzubrechen. Der Geruch war unerträglich. Die Reinigungsleistung der beauftragten Firma kann man nur als unzureichend bezeichnen.“
Auch Mitarbeitende der Offenen Ganztagsschule schildern unhaltbare Zustände. „Wenn ich die Jungentoilette nachmittags kontrolliert habe, habe ich fast immer die Luft angehalten“, berichtet eine Betreuerin.
Probleme lange bekannt
Dabei waren die Probleme seit Jahren bekannt. Brandbriefe, Elternbeschwerden und runde Tische mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Schulleitungen beschäftigten sich mit dem Thema. Wirksame Lösungen von Seiten der Stadt entstanden allerdings nicht.
Der Wendepunkt kam erst, als Eltern beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Unter dem Namen „Klo Patrol“ - angelehnt an die ähnlich klingende und bei Kindern beliebte Fernsehserie “Paw Patrol” - entwickelte eine Elterninitiative gemeinsam mit dem Förderverein der Ringschule ein Konzept, das heute so bemerkenswert wie einfach erscheint: Statt weiter über Zustände zu schimpfen, rückte man die Verantwortung der Kinder für ihre gemeinsam genutzten Räume in den Mittelpunkt.
Finanziert durch den Förderverein wurden pädagogische Toilettenbegleitungen eingerichtet. Diese unterstützen Kinder dabei, Regeln für einen respektvollen und angemessenen Umgang mit den Sanitäranlagen einzuüben, dauerhaft zu etablieren und ein Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber den Mitschülern zu schaffen.
Drei Monate später berichten Kinder aller Klassenstufen im Schülerparlament von deutlich verbesserten Zuständen. Eltern sprechen von einer spürbaren Entlastung. Lehrkräfte und Direktion berichten von einem ruhigeren Schulalltag und “viel mehr Zeit sich auf die Kerntätigkeiten zu konzentrieren”
Vor allem aber wurde damit etwas selbstverständlich, was eigentlich nie zur Debatte stehen dürfte: Kinder gehen dann auf die Toilette, wenn sie müssen.
Neue Probleme in den Ferien
Damit hätte die Geschichte ein gutes Ende finden können, wenn nicht vor wenigen Tagen die Ferienfreizeit des Kinderschutzbundes begonnen hätte: Die Toiletten sind verschmutzt, ein Klodeckel war abgerissen. Heinrich Fries, dessen beide Kinder die Ringschule besuchen und der selbst die Elterninitiative mit initiiert hatte: „Aktuell liegt es vor allem daran, dass die mit der Reinigung beauftragte Firma die Arbeit an der Ringschule quasi eingestellt hat. So jedenfalls die übereinstimmenden Aussagen unterschiedlicher Mitarbeiter aus dem Unfeld der Schule. Die machen absolut garnichts mehr. Ich war selbst da, es sieht unmöglich aus. Aktuell veranstaltet der Kinderschutzbund eine Ferienfreizeit in der Ringschule und hat die unhaltbaren Zustände ebenfalls an die Stadt eskaliert. Es wird wohl sogar überlegt das Gesundheitsamt einzuschalten.“ Hinzu kommt, dass die über den Förderverein organisierte Toilettenbegleitung während der Ferien nicht in der Schule ist.
In der Zwischenzeit konnten übrigens durch eine Sachspende aus der Elterninitiative defekte oder fehlende Klodeckel ersetzt werden.
Redakteur/in:Ulf-Stefan Dahmen |