Film über Gedenkstättenfahrt
Historie live vor Ort erlebt
- Megafon-Pädagogin Giovanna Lombardo (l. unten) hatte, unter anderem mit Stella, Dani, Sarah (oben v.l.) sowie mit Gabriele und Mohammad (unten v.l.), eindrucksvolle Erlebnisse. Foto: Hoeck
- hochgeladen von Angelika Koenig
Burscheid (hh). Alle paar Jahre unternehmen Mitarbeiter des Kinder- und Jugendzentrums „Megafon“ mit einigen Stammbesuchern eine Gedenkstättenfahrt zur Erinnerung an die Geschichte. In diesem Jahr führte die Tour elf politisch interessierte Mädchen und sechs Jungen aus unterschiedlichen Nationen zwischen elf und 24 Jahren unter der pädagogischen Leitung von Mitarbeiterin Giovanna Lombardo nach Norditalien, um dort die historische Dimension nationalsozialistischer Gewalt in Italien nachzuerleben und begreifbar zu machen. Nachdem eine Förderung durch den Landschaftsverband Rheinland bewilligt war, konnte die Planung beginnen und eine Route ausgearbeitet werden.
„Der Nationalsozialismus hat ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien existiert. Daher waren wir am Gardasee, insbesondere in Salò, der Hochburg des Faschismus und Regierungssitz von Mussolinis faschistischer Sozialrepublik. Wir waren aber auch in Brescia, Verona, Sirmione und Garda. An verschiedenen Stationen haben wir dann Filmsequenzen gedreht, die wir anschließend zu einem 30-minütigen Beitrag zusammengeschnitten haben“, erläutert Lombardo. Dieser Film mit dem Titel „Schritte, um nicht zu vergessen – die Geschichte des Faschismus“ wurde vor kurzem einem interessierten Publikum in der Jugendeinrichtung präsentiert, woran sich eine lebhafte Diskussion anschloss.
Für Teilnehmerin Sarah war es spannend, die Historie der damaligen Zeit live vor Ort erlebt zu haben. „Ich bin sowieso an Geschichte interessiert und es war klasse, nicht nur etwas in einem Buch nachzulesen, sondern direkt spüren zu können.“ Denkmäler, Statuen oder Mussolinis Briefe zeugen bis heute von der besonderen Historie des Ortes Salò. „Man konnte richtig nachempfinden, warum die Menschen ihm damals gefolgt sind. Die Bewohner stehen aber zu ihrer Geschichte und sind stolz drauf, ebenso auf ihr Land. Sie schämen sich nicht und fühlen sich auch nicht schuldig. Das ist schon ein großer Unterschied im Gegensatz zu Deutschland“, ergänzt Gabriele.
Für den Film haben die Mitwirkenden Texte entwickelt und jeweils vor Ort eingesprochen. „Manchmal musste mehrmals aufgenommen werden, wenn es irgendwo haperte. Aber es hat Spaß gemacht“, blickt Stella zurück, die ebenso wie andere über ihre Erlebnisse im Freundeskreis und in der Familie berichtet hat. „Das war auch ein Ziel unseres Projekts. Es sollte zur Stärkung der Zivilcourage und der nachhaltigen Auseinandersetzung im persönlichen Umfeld durch eine strukturierte Nachbereitung beitragen. Ohnehin diskutieren wir hier in der Einrichtung häufig über Politik“, betont Giovanna Lombardo.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |
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