Verbraucherzentrale
Vermeindliche Schnäppchen könnten nun teuer werden
- Was wie ein günstiges Online-Schnäppchen aussieht, kann durch neue Zoll- und Servicegebühren deutlich teurer werden. Die Verbraucherzentrale rät, Herkunft und Gesamtkosten vor der Bestellung genau zu prüfen.
- Foto: VZ NRW/adpic
Region (mm). Die Handyhülle kostet nur wenige Euro, das T-Shirt scheint ein echtes Schnäppchen und die Bestellung ist mit wenigen Klicks erledigt. Doch wer ab Juli bei Online-Plattformen außerhalb der Europäischen Union einkauft, könnte an der Kasse eine unangenehme Überraschung erleben: Neue Zollregelungen können vermeintlich günstige Angebote deutlich verteuern.
Darauf macht die Verbraucherzentrale NRW aufmerksam. Betroffen sind vor allem Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern, etwa von Plattformen wie Temu oder Shein. Ab dem 1. Juli fallen für Pakete mit niedrigem Warenwert zusätzliche Abgaben an. Neben einer pauschalen Zollgebühr von drei Euro je Kleinsendung können je nach Produkt weitere Einfuhr- oder Verbrauchssteuern hinzukommen. Außerdem berechnen Paketdienste bei steuerpflichtigen Sendungen häufig zusätzliche Service- oder Auslagenpauschalen. Bei der Deutschen Post liegen diese beispielsweise bei 7,50 Euro.
„Dadurch können hohe Kosten entstehen, die man im ersten Moment übersieht“, erklären Andrea Schwahn, Leiterin der Beratungsstelle Bergheim, und Vanessa Spitzer, Leiterin der Beratungsstelle Brühl. Eine eigentlich günstige Handyhülle könne mit den zusätzlichen Abgaben schnell mehr als das Doppelte kosten.
Die Verbraucherzentrale rät deshalb, vor einer Bestellung genau hinzuschauen. Viele Plattformen wirkten auf den ersten Blick wie europäische Online-Shops, tatsächlich werde die Ware aber häufig aus Drittstaaten wie China verschickt. Hinweise darauf können lange Lieferzeiten, fehlende Anbieterangaben oder besonders niedrige Preise sein. Auch ein deutschsprachiger Internetauftritt sei kein sicherer Hinweis auf einen Versand innerhalb der EU. Ein Blick ins Impressum, in die Versandinformationen oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen könne helfen, den tatsächlichen Sitz des Händlers zu erkennen.
Verbraucher sollten außerdem sparsam mit persönlichen Daten umgehen und möglichst sichere Zahlungsmethoden nutzen. Bei Bestellungen außerhalb der EU gelten häufig andere Regeln für Rückgabe und Gewährleistung. Rücksendungen können aufwendig und teuer werden, insbesondere wenn die Ware ins Ausland zurückgeschickt werden muss. Das gesetzliche Widerrufsrecht innerhalb der EU greift dort nicht immer.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher, vor dem Kauf nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch mögliche Zusatzkosten und Rückgabebedingungen zu prüfen. Manchmal könne ein auf den ersten Blick teureres Angebot aus einem EU-Shop am Ende die günstigere Wahl sein. Weitere Infos:www.verbraucherzentrale.nrw
Redakteur/in:Montserrat Micaela Manke |