"Solidarität mit den Menschen im Iran"
Starkes Interesse am Auftritt von Eskandar Abadi
- hochgeladen von Susanne Bourier
"Der Mann spricht mit dem Herzen," sagte eine sichtlich berührte Frau über einen besonderen Gast in Brühl. Gemeint war der iranische Journalist, Autor und Künstler Eskandar Abadi. Sein Auftritt war inhaltlicher und künstlerischer Mittelpunkt einer Kundgebung am 17. Januar auf dem Rathausvorplatz in Brühl. Unter dem Motto „Solidarität mit den Menschen im Iran – für einen demokratischen Wandel“ hatte die parteiübergreifende Initiative "Gemeinsam für Brühl" Abadi eingeladen. Rund 150 Brühler und Brühlerinnen waren gekommen. Sie zeigten sich beeindruckt von der inhaltlichen und emtionalen Kraft des Künstlers. Neben seiner Rede präsentierte der Künstler auch Lieder.
In seiner berührenden Rede zeichnete Eskandar Abadi ein eindringliches Bild der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Iran seit der Machtübernahme der Mullahs im Jahr 1979. Er erinnerte daran, dass Iran historisch ein reiches Land gewesen sei – reich an natürlichen Ressourcen, kultureller Vielfalt und gesellschaftlichem Potenzial. All dies sei jedoch durch jahrzehntelange Misswirtschaft, ideologische Verengung und autoritäre Herrschaft systematisch zerstört worden.
Auch persönliche Erfahrungen flossen in die Rede ein. Als 18-Jähriger habe er selbst an der Revolution teilgenommen. Nach dem Sturz des Schahs hoffte er auf Freiheit und politische Mitbestimmung. Stattdessen sei sehr schnell eine Autokratie entstanden, die sich zu einer nahezu totalen Herrschaft entwickelt habe. Liberale, demokratische und freiheitliche Kräfte seien früh ausgeschaltet worden. Bis heute präge massive Repression das Land, mit tausenden Hinrichtungen, systematischer Einschüchterung und der vollständigen Unterdrückung politischer Opposition.
Neben der inneren Situation kritisierte Abadi scharf die Außenpolitik des Regimes. Der iranische Fundamentalismus beschränke sich nicht auf das eigene Land, sondern wirke aktiv in anderen Regionen, etwa in Syrien, im Jemen oder im Libanon. Diese Politik werde international häufig aus wirtschaftlichen Interessen geduldet. Handelsbeziehungen und geopolitische Vorteile stünden dabei oft über Menschenrechten und demokratischen Werten.
Daraus leitete Abadi klare Forderungen ab. Wer einen demokratischen Wandel im Iran ernsthaft unterstützen wolle, müsse Konsequenzen ziehen. Dazu gehöre insbesondere, wirtschaftliche und politische Beziehungen zum Regime zu beenden und alle Initiativen zu stärken, die dessen Macht politisch, wirtschaftlich und technisch schwächen. Ein zentraler Punkt sei dabei der Zugang zu Information und Kommunikation. Der Iran sei eine digital affine Gesellschaft, doch Internetabschaltungen und Überwachung seien gezielte Mittel der Unterdrückung. Jede Unterstützung für freien Informationszugang sei daher ein konkreter Beitrag zum Widerstand.
Zum Abschluss seiner Rede warnte Abadi vor unrealistischen Erwartungen. Angesichts eines riesigen Repressionsapparates könne ein Regimesturz nicht durch spontane Proteste erreicht werden. Stattdessen plädierte er für einen langfristigen, schrittweisen Widerstand mit klaren Forderungen und internationaler Unterstützung. Als stärkstes Symbol dieses Widerstands nannte er immer wieder die Parole „Frau – Leben – Freiheit“, die für ihn das Beste sei, was die iranische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht habe.
Seiner Rede ließ Abadi mehrere Lieder folgen. Er begleitete sie selbst auf seiner Geige. Die Besucher und Besucherinnen ließen sich gerne mitreißen.
LeserReporter/in:Susanne Bourier aus Brühl |