Schüler machen mobil
„Schulneubau jetzt!“

„Mehr Raum“, „eine Bibliothek“ und „saubere Toiletten“: Auf Transparenten formulierten die Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen an Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einem Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule.  | Foto: fes
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  • „Mehr Raum“, „eine Bibliothek“ und „saubere Toiletten“: Auf Transparenten formulierten die Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen an Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einem Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule.
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Bornheim (fes). Die Nachricht traf die Schüler, Eltern und Lehrer am Schulstandort Merten völlig unerwartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Bornheims Bürgermeister Christian Mandt (CDU) kündigte zunächst in einem Pressegespräch und später im Stadtrat bei der Einbringung des Doppelhaushaltes 2027/2028 an, dass die Verwaltung der Politik vorschlagen wird, auf einen Schulneubau zu verzichten. Vereinfacht ausgedrückt: Aufgrund der klammen Kassen kann sich die Stadt weder einen Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBG) noch alternativ einen Neubau der Martinus-Grundschule leisten. Für die kommende Schulausschusssitzung, in der über den Schulstandort nach acht Jahren Diskussion endlich eine finale Entscheidung fallen soll, schlägt die Verwaltung stattdessen vor, beide Schulen im Mertener Ortskern zu belassen und stattdessen die bestehenden Gebäude zu sanieren.

Erwartungsgemäß ließ der Protest nicht lange auf sich warten. In der ersten Pause am Montagmorgen verschafften sich die Jugendlichen mit einem Flashmob auf dem unteren Schulhof Gehör. Die Forderungen auf den Transparenten waren unmissverständlich: Mehr Räume, mehr Ruheorte, eine neue Raumausstattung, Hitzeschutz und saubere Toiletten. Vor allem aber: „Schulneubau jetzt“. Die Appelle der rund 700 Schüler unterstützten auch die Schülersprecher für die QI, Semhi Baruncuk und Hannah Hobbs. Unterricht in Containeranlagen gehöre mittlerweile wie selbstverständlich zum Schulalltag, das dürfe nicht sein, kritisierte Baruncuk. Die rund 100 Schüler der Oberstufe hätten kaum Möglichkeiten sich zurückzuziehen, erklärte Hobbs.

Im Namen der Elternschaft der HBG macht auch die Schulpflegschaftsvorsitzende Zeina Abou Sleiman Druck. In einem Schreiben an Bürgermeister Mandt, die Vertreter der Verwaltung und der Fraktionen, das dem Schaufenster vorliegt, heißt es, dass nach Jahren des Wartens, Planens und immer neuer Wendungen inzwischen nicht nur große Enttäuschung, sondern auch erhebliche Empörung herrsche: „Der Neubau der HBG ist nicht einfach eine Forderung, die Eltern irgendwann an die Politik gestellt haben. Die Perspektive eines Neubaus wurde vor Jahren politisch beschlossen und über Jahre verfolgt.“

Verärgert zeigt sich Sleiman auch darüber, dass sie erst aus der Presse erfuhr, dass nun keine der beiden zuletzt untersuchten Varianten umgesetzt werden soll. Sleiman forderte „konkrete und verbindliche Perspektiven“ für die Böll-Schule. Eine jahrelange Sanierung im laufenden Betrieb, wie sie die Verwaltung vorschlägt, sei keine verantwortbare Lösung.

„Genug geplant, geprüft und verschoben: Wir fordern keine Luxusschule, sondern einen angemessenen, funktionalen und zukunftsfähigen Neubau der HBG“, fordert die Schulpflegschaftsvorsitzende.

In der Verwaltungsvorlage zur Ausschusssitzung heißt es, dass der bisherige Beschluss zum Neubau der HBG „ruhend gestellt“ werde. Der gemeinsame Schulstandort soll zunächst beibehalten und die Situation vor Ort „bedarfsgerecht im Bestand“ weiterentwickelt werden. Dafür sollen etwa Fachräume „zeitgemäß ertüchtigt“, Wärmeschutzmaßnahmen eingebaut werden und die Turnhalle der Martinus-Schule saniert werden. Die Zügigkeit der Grundschule gelte es auf zwei Züge zu begrenzen. An beiden Schulen sollen künftig keine Mehrklassen mehr beantragt werden. Die kurzfristigen Sanierungskosten beziffert die Verwaltung mit rund 4,5 Millionen Euro. Die Maßnahmen sollen teilweise bis 2028 umgesetzt sein.

Zum Hintergrund: Ursprünglich beschloss die Politik den Neubau der Gesamtschule im Neubaugebiet Me 18. Dann wurde 2025 die Entscheidung wegen der ausufernden Kosten gestoppt. Zwei Varianten standen daraufhin zuletzt im Raum. Der Neubau der Gesamtschule für rund 90 Millionen Euro in Me 18 an der Händelstraße, die Grundschule bleibt am Standort und kann Teile der freiwerdenden Gesamtschule nutzen. Alternativ könnte stattdessen die Grundschule in Me 18 neu gebaut werden, die HBG bleibt im Ortskern. Diese Möglichkeit dürfte Gutachtern zufolge etwa 70 Millionen Euro kosten.

Laut Bürgermeister Mandt und Kämmerer Ralf Cugaly sei angesichts der prekären Haushaltslage jedoch nun gar kein Schulneubau mehr darstellbar. Die Stadt möchte ein genehmigungsfähiges Haushaltssicherheitskonzept erreichen um nicht in den Nothaushalt zu rutschen. Unabhängig von einem Schulneubau soll die Grundsteuer B zum 1. Januar dennoch von 725 auf 950 Punkte angehoben werden.

Schüler und Eltern wollen weiter protestieren. Vor der Sitzung des Schulausschusses, am Dienstag, 29. September, 18 Uhr, ist vor dem Rathaus eine „Schulranzen-Aktion“ geplant. Daran sollen sich vor allem die fünften und sechsten Klassen beteiligen. Benötigt werden dafür mindesten 100 leere Tornister, beschriftet mit dem Namen und der Klasse der Kinder. Diese Ranzen werden dann vor dem Rathaus als Zeichen aufgestellt. Die Aktion steht unter dem Motto: „Hinter jeder Zahl steckt ein Kind. Hinter jedem Schulranzen eine Zukunft. Unsere Ranzen sind hier. Wo ist unsere Schule?“

„Mehr Raum“, „eine Bibliothek“ und „saubere Toiletten“: Auf Transparenten formulierten die Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen an Politik und Verwaltung. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einem Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule.  | Foto: fes
Mit einem Flashmob auf dem Schulhof machten mehrere hundert Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll-Gesamtschule ihrem Unmut Luft. Nach den Plänen der Stadt soll auf einen Schulneubau verzichtet und stattdessen der bestehende Standort saniert werden.  | Foto: fes
Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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