Ein Stück vom Dom
Diesen Stein muss man verdienen

Heinz-Otto Schmitz-Pranghe, Stefan Freitag und Klaudia Nebelin (von links) enthüllen den Domstein. | Foto: fes
  • Heinz-Otto Schmitz-Pranghe, Stefan Freitag und Klaudia Nebelin (von links) enthüllen den Domstein.
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Bornheim (fes). Die Verbindung zur nahen Bundesstadt zeigt sich nicht nur im Namen des Bornheimer Seniorenwohnstifts, verteilt über das Gelände sind auch die bekannten Beethoven-Skulpturen von Ottmar Hörl zu sehen, die der Künstler anlässlich des Beethoven-Jahres 2020 angefertigt hatte. Seit kurzem schlägt das Wohnstift Beethoven nun zusätzlich eine Brücke nach Köln. Ein Stück Sandstein, knapp 400 Kilogramm schwer, hat seinen Platz im Park der Einrichtung gefunden. Das Besondere: Dabei handelt es um einen Originalteil vom Kölner Dom.

Ursprünglich sorgte dieses Relikt in einem der Strebebögen der Kathedrale für die Statik. Dass das Teil nun im Park des Seniorenheims steht, haben die Bewohner ihrem Mitbewohner Heinz-Otto Schmitz-Pranghe zu verdanken. Der 88-Jährige lebt seit 2019 mit seiner Lebenspartnerin Ilse Prass in Bornheim, ist aber Kölner Urgestein, wo er 1937 im Severinsklösterchen zur Welt kam. Den Kontakt zu seiner Heimatstadt hat er nie einschlafen lassen. Ganz im Gegenteil: Er organisiert regelmäßig eine große Karnevalsfeier in der Seniorenresidenz, Höhepunkt ist stets der Besuch des amtierenden Kölner Dreigestirns.

Feierlich enthüllt wurde das Objekt nicht nur von Einrichtungsleiter Stefan Freitag Kulturreferentin Klaudia Nebelin und Schmitz-Pranghe selbst, sondern auch von Uwe Schäfer, dem Hüttenmeister und Vertreter der Dombauhütte zu Köln, sowie Bornheims Bürgermeister Christian Mandt.

Bevor es zu dem besonderen Moment kam, wurde die Spannung hochgehalten. Die Bewohner der Seniorenresidenz waren zu einer würdigen Feierstunde eingeladen, musikalisch begleitet durch den Chor „Schmölzche“, der Kölsche Klassiker unter anderem von Ludwig Sebus sang. Das Ensemble ist eine Gruppe der „Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch“. Über den Anlass des Festaktes wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Die Bewohner sollten überrascht werden, schilderte Nebelin, vor allem eine Bewohnerin: Schmitz-Pranghes Lebensgefährtin Ilse Prass, die von den heimlichen Vorbereitungen ihres Partners in den Wochen vorher nichts mitbekommen hatte, wie sie sichtlich gerührt versicherte. Denn dieser Domstein wurde auch ihr zu Ehren im Park aufgestellt, wie Schmitz-Pranghe betonte.

Wer nun mit dem Gedanken spielt, auch jemandem ein Stück Kölner Dom zu schenken oder damit seinen Garten zu zieren, dem sei gesagt: „Diese Steine kann man nicht kaufen, man muss sie sich verdienen, sie werden einem geschenkt oder gestiftet“, erläuterte Schmitz-Pranghe. Dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, liegt daran, weil regelmäßig Steine der Kathedrale ersetzt und erneuert werden müssen. Die ausgemusterten Bauteile werden in der Dombauhütte aufbewahrt.

Dass es Schmitz-Pranghe gelang, einen Teil des Doms nach Bornheim zu bringen, liegt vor allem an seinen außerordentlichen Verdiensten für die ihm auch das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Der gelernte Bankkaufmann und spätere Bankdirektor führte 21 Jahre lang die Bürgergesellschaft Köln. Als Sitzungspräsident leitete er auch die Karnevalssitzungen der Gesellschaft. Heute ist er deren Ehrenvorsitzender.

Klaudia Nebelin bezeichnete ihn ihrer Laudatio als „ehrenamtlichen Chef-Inspirator für gutes Tun in Köln.“ Die Liste seiner Verdienste ist lang: Für die Bürgergesellschaft gelang es ihm mehrfach, sechsstellige Summen zu organisieren, um beispielsweise die Josephsglocke am Dom (die Friedensglocke) zum Klingen zu bringen. Er brachte auf dem Laurenzplatz das Denkmal für Kardinal Frings auf den Weg und nicht zu vergessen den berühmten Petrusbrunnen, der seit 2010 an seinem neuen Standort auf der Papstterrasse an der Südseite des Doms sprudelt.

Unter seiner Regie entstanden auch Kleiderspendenaktionen für Bedürftige oder Kochkurse für Straßenkinder. Nebelin verriet, dass sie diese Aktion gemeinsam mit Schmitz-Pranghe seit Monaten geplant hatte. Heimlich fuhren sie zur Dombauhütte und suchten mit Uwe Schäfer den passenden Stein aus, der von Steinmetz Markus Thielen transportiert und im Park aufgestellt wurde.

Bürgermeister Christian Mandt zeigte sich „total begeistert“ über den Domstein und darüber, dass es damit nun eine direkte Verbindung von Bornheim nach Köln gibt.

Wer sich den Domsteins ansehen möchte, kann dies täglich zwischen 9 und 18 Uhr im Park des Wohnstifts Beethoven, Siefenfeldchen 39, Bornheim-Roisdorf, tun.

Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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