Jahreshauptversammlung
Den Staffelstab weiterreichen

Schulterschluss mit dem alten und neuen LSV-Vorstand (von links): Norbert Brauner, Martin Koch, Michael Pacyna und Dirk Lindemann. | Foto: fes
  • Schulterschluss mit dem alten und neuen LSV-Vorstand (von links): Norbert Brauner, Martin Koch, Michael Pacyna und Dirk Lindemann.
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Bornheim (fes). „Die doppelten Lottchen des LSV verabschieden sich heute, sie haben dem Verein über viele Jahre eine Gewicht und eine Stimme gegeben“, meinte Bornheims erste stellvertretende Bürgermeisterin Gabriele Kretschmer mit einem Augenzwinkern auf der Mitgliederversammlung des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV) in der Aula der Heinrich-Böll-Gesamtschule am Montagabend in Merten. Jahrzehntelang prägten Dr. Michael Pacyna als Vorsitzender und Norbert Brauner als dessen Stellvertreter die Geschicke des Vereins. Beide freuten sich, den Staffelstab nun an ihre einstimmig gewählten Nachfolger weiterzugeben. Neuer Vorsitzender ist Martin Koch, zum Vize-Vorsitzenden wurde Dirk Lindemann bestimmt.

„Wir können beruhigt zurücktreten, weil wir die Sicherheit haben, dass mit unseren Nachfolgern die Zukunft des LSV gesichert ist“, betonte Pacyna, der die Sitzung bis zur Wahl Kochs geleitet hatte. Das Tandem Pacyna-Brauner kämpfte mit Leidenschaft und Herzblut für die Vorgebirgslandschaft sowie für den Natur- und Umweltschutz. Sie prägten das Gesicht des Vereins - streitbar, aber stets sachlich und mit großer Expertise: „Wir wurden von unseren Mitgliedern gebeten weiterzumachen, doch wir finden, dass es an der Zeit ist, dass nun Jüngere übernehmen“, so Pacyna.

Der Geograf und Biologe Pacyna trat dem LSV 1985 unmittelbar nach dessen Gründung bei und war seitdem als Pressesprecher des Vereins tätig. 2014 übernahm er den Vorsitz als Nachfolger des mittlerweile 90 Jahre alten Klaus Fietzek, der heute Ehrenvorsitzender des LSV ist und auf der Mitgliederversammlung eine Laudatio auf die scheidende Vorstandsspitze hielt.Pacynas Engagement galt über mehr als vier Jahrzehnte der Bewahrung der Bornheimer Landschaft vor Müllkippen, Bergbau und Windrädern an ungeeigneten Standorten sowie der Förderung des Artenschutzes. Nach einem langjährigen, unermüdlichen Kampf gelang es dem heute 75-Jährigen 1997 schließlich, dass das Oberverwaltungsgericht Münster die Abfuhr von Quarzsanden aus der Breniger Grube stoppte und der Bergbau zwischen Brenig und Roisdorf endgültig stillgelegt wurde. Dabei griff das Gericht etliche Argumente aus Pacynas Doktorarbeit aus dem Jahr 1995 zu diesem Thema auf. In den vergangenen Jahren galt Pacynas Augenmerk den Windenergieplanungen der Stadt Bornheim und der Bezirksregierung Köln. Unzählige Stellungnahmen gab er zwischen 2021 und 2025 ab. Während Pacyna und der LSV die Konzentrationszone von Windrädern im Sinne der Energiewende in der Rheinebene bei Sechtem befürwortete, lehnte er diese auf dem Villerücken ab. Aus Pacynas Sicht ist dieser Standort ungeeignet, unter anderem weil dort Rotmilane brüten. Es kam zu einem Teilerfolg: Der Planungsbereich wurde reduziert, aber trotz Bauverzichts bereits genehmigter Anlagen wegen Undwirtschaftlichkeit nicht ganz gestrichen. 2010 erhielt Pacyna das Bundesverdienstkreuz, 2024 die Ehrenamtsmedaille der Stadt Bornheim.

Positioniert hat sich Pacyna auch stets gegen die „Rheinspange“ und die damit verbunden Auswirkungen das Bornheimer Stadtgebiet. Das machte er auch noch einmal auf der Mitgliederversammlung deutlich im Hinblick auf die Nordbrücke unter anderem gerichtet an den Bonner Oberbürgermeister Guido Déus, der die Planungen forcieren möchte: „Wir lehnen diese weiterhin ab. Die Rheinspange käme viel zu spät. Wenn der Neubau der Nordbrücke steht, dann befindet sich die Rheinspange erst in der Planungsphase.“

Der Jurist Norbert Brauner trat dem LSV 1994 bei und beriet den Verein kompetent bei allen rechtlichen Fragestellungen und trug entscheidend zu Stellungnahmen - unter anderem zur Windenergie und zum Regionalplan Köln - bei. Vor zwölf Jahren wurde der heute 76-Jährige zum stellvertretenden LSV-Vorsitzenden gewählt. Beide ergänzten sich durch ihre Kompetenzen im Sinne des Landschaftsschutzes im Vorgebirge.

Beide dankten auch ihren Ehefrauen, die sie bei ihrer Arbeit jahrzehntelang unterstützt haben.

Die Fußstapfen, in die das neue Vorstandsduo tritt, seien groß, meinte Martin Koch, der einst über die Windenergieplanung in den LSV fand. Koch, Jahrgang 1978, gehört dem LSV seit 2024 an, lebt mit seiner Familie in Brenig und hat in Süddeutschland und Schweden Forstwirtschaft studiert. Sein Interesse galt immer der Wildbiologie sowie der Fledermaus- und Vogelkunde und dem Artenschutz. Er arbeitet heute beim Bundesamt für Naturschutz in Bonn. „Ich schätze den LSV für sein sachliches und unaufgeregtes Engagement, das sich gerne weiterführen werde“, sagte Koch.Sein Stellvertreter Dirk Lindemann, seit 2022 LSV-Mitglied, war bereits zuvor im Vorstand aktiv und widmete sich gemeinsam mit Brauner vor allem naturschutz- und planungsrechtlichen Fragestellungen zu den Themen Rheinspange und Windenergie. Der 66-jährige Jurist lebt mit seiner Frau in Brenig. Er arbeitete zunächst in der Rechtsabteilung eines großen Versicherungskonzerns in Köln und später für drei internationale Personalberatungen. Mittlerweile ist er im Ruhestand und widmet sich seitdem aktiv dem Natur- und Landschaftsschutz.

Gabriele Kretschmer wünschte dem neuen Duo sowie Pacyna und Brauner für die Zukunft alles Gute. Sie hoffe, dass sich auch die Nachfolger mit Haltung und Beharrlichkeit für die Belange des Landschaftsschutzes im Vorgebirge einsetzen werden. Die scheidenden Vorsitzenden sicherten zu, dass sie dem neuen Vorstand auch künftig mit Rat und Tat zur Seite stehen werden, falls dies erwünscht sei.

Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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