Nordbrücke
UPDATE 2: Bundesverkehrsminister besucht Rheinbrücke

Die Sperrung für LKW scheint nicht gereicht zu haben. Aufgrund akuter Schäden wird die Nordbrücke nun für den gesamten Verkehr gesperrt.  | Foto: fes
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Update 2:

Minister vor Ort – Lenkungskreis eingerichtet

Am zweiten Tag nach Beginn der Vollsperrung hat sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ein Bild der Lage an der Rheinbrücke Bonn-Nord gemacht. Die Brücke war zuvor nach festgestellten strukturellen Schäden geschlossen worden. Täglich nutzen rund 90.000 Fahrzeuge die wichtige Ost-West-Verbindung der Region.
Beim Vor-Ort-Termin waren neben Schnieder auch Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer, Vertreter der Autobahn GmbH sowie Oberbürgermeister Guido Déus und Landrat Sebastian Schuster anwesend. Das Bundesverkehrsministerium hat einen Lenkungskreis eingerichtet, in dem alle relevanten Akteure zusammenarbeiten sollen.
Schnieder betonte, der Bund werde alles tun, um die Situation vor Ort schnell zu verbessern. Die Autobahn GmbH kündigte an, innerhalb von zwei Wochen eine belastbare Schadens- und Lageeinschätzung vorzulegen.

Forderung nach Taskforce und abgestimmten Sofortmaßnahmen

Parallel dazu wachsen in der Region die Forderungen nach einer engeren Abstimmung aller Beteiligten. Die Bonner Bundestagsabgeordnete Katrin Uhlig fordert die Einrichtung einer Taskforce, in der die aktuelle Verkehrssituation gemeinsam analysiert und Lösungen entwickelt werden.
Neben der Koordination von Umleitungsstrecken gehe es auch darum, laufende und geplante Bauarbeiten in der Region aufeinander abzustimmen. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen im Autobahnnetz, im Bahnverkehr sowie im öffentlichen Nahverkehr. Projekte wie der Schienenersatzverkehr oder Baustellen im Autobahnbereich müssten angepasst werden, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden.

Wirtschaft fordert Tempo – IHK mahnt schnelle Entscheidungen an

Die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg drängt angesichts der Sperrung auf schnelle Entscheidungen beim Neubau der Rheinquerung. Aus Sicht der Wirtschaft steht dabei vor allem das Tempo im Vordergrund.
Die ursprünglich geplante breitere Variante des Neubaus biete zusätzliche Kapazitäten, die in der aktuellen Situation fehlten. Eine Abkehr von dieser Planung könne zu Verzögerungen von mehreren Jahren führen. Vor dem Hintergrund möglicher weiterer Engpässe bei Rheinquerungen werde die Frage zusätzlicher Leistungsreserven als besonders wichtig bewertet.

Sperrungen und Umleitungen im Stadtgebiet

Die Auswirkungen der Sperrung sind im gesamten Bonner Stadtgebiet spürbar. Neben der Brücke selbst wurde auch die Römerstraße gesperrt. Grund sind die Schäden im Bereich der Nordbrücke.
Davon betroffen sind mehrere Buslinien. Die Linien 600, 601 und N1 werden in beiden Fahrtrichtungen umgeleitet und fahren nun über Augustusring, Graurheindorfer Straße und Herseler Straße. Entlang der Strecke werden zusätzliche Haltestellen genutzt, während andere vorübergehend entfallen. Fahrgäste müssen auf Ersatzhaltestellen ausweichen. Die Regelung gilt bis auf Weiteres.

ADFC: Radverkehr soll stärker entlasten

Der ADFC Bonn/Rhein-Sieg sieht im Radverkehr einen wichtigen Teil der Lösung. Der Verband fordert, dass mehr Pendler auf das Fahrrad umsteigen, um die Verkehrssituation zu stabilisieren.
Gleichzeitig spricht sich der ADFC dagegen aus, Bus- und Radspuren zugunsten des Autoverkehrs freizugeben. Dies würde aus Sicht des Verbands den Verkehrsfluss nicht verbessern, sondern zusätzliche Probleme verursachen.
Zudem fordert der ADFC zu prüfen, ob die Nordbrücke zumindest für Fußgänger und Radfahrer wieder freigegeben werden kann. Auch der Ausbau von Park-and-Ride-Angeboten sowie die Sicherstellung freier Bus- und Radwege werden als wichtige Maßnahmen genannt.
Darüber hinaus appelliert der Verband an die Verkehrsteilnehmer, besonders rücksichtsvoll zu fahren. Es sei damit zu rechnen, dass mehr Schülerinnen und Schüler mit dem Fahrrad unterwegs sind als üblich.

Politische Reaktionen: unterschiedliche Ansätze zur Lösung

Auch politisch sorgt die Sperrung für vielfältige Reaktionen. Die BBB-Fraktion etwa fordert kurzfristige Sofortmaßnahmen sowie ein umfassendes Verkehrskonzept für den Fall einer dauerhaften Schließung der Brücke.
Dabei stehen unter anderem die Wiederherstellung wichtiger Verkehrsverbindungen, Anpassungen im öffentlichen Nahverkehr sowie zusätzliche Angebote wie Fährverbindungen im Fokus. Zudem soll geprüft werden, ob die Kennedybrücke vorübergehend stärker genutzt werden kann, um den Verkehr zu entlasten.
Die Linksfraktion fordert hingegen einen schnellen Neubau der Nordbrücke in der bestehenden Breite. Aus ihrer Sicht würden aufwendige Ausbaupläne zu langen Planungs- und Genehmigungsverfahren führen und damit eine schnelle Lösung verzögern.
Gleichzeitig wird betont, dass der Verkehr insgesamt entlastet werden müsse. Dazu seien stärkere Anreize für die Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad erforderlich. Außerdem brauche es ein Konzept, um Verspätungen im öffentlichen Verkehr trotz höherer Belastung zu vermeiden.

Update:

Wie die Autobahn GmbH informiert, muss auch der Rad-/Gehweg entlang der Rheinbrücke Bonn-Nord vorsorglich gesperrt werden. Gleichzeitig kommt aus der Wirtschaft deutliche Kritik an der Sperrung. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Stefan Hagen, bezeichnet die Situation als „Katastrophenmeldung“ für die Region. Die Rheinbrücken seien „die Lebensadern unserer Region“. Sollte sich bestätigen, dass die Brücke dauerhaft nicht befahrbar ist, müssten Bund und Autobahn GmbH nach seinen Worten „alle Hebel in Bewegung setzen“, um eine neue Rheinquerung so schnell wie möglich zu bauen. Eine Fertigstellung erst in den 2030er Jahren sei angesichts der Auswirkungen unzureichend.

Auch aus dem Handwerk kommt scharfe Kritik an der Vollsperrung. Thomas Radermacher, Präsident der Handwerkskammer zu Köln, bezeichnet die Situation als „Hiobsbotschaft für das Handwerk“. Die Nachricht bestätige „unsere schlimmsten Befürchtungen“. "Die Rheinbrücken bildeten „das Rückgrat unserer Region – ohne sie steht der Verkehr still und der wirtschaftliche Schaden wird immens sein“.

Ursprüngliche Nachricht

Bonn (red). Die Rheinbrücke Bonn-Nord (Friedrich-Ebert-Brücke) ist ab Mittwoch, 3. Juni, 15 Uhr, vorsorglich vollständig für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Betroffen ist nicht nur das Bauwerk selbst, sondern auch mehrere Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost.

In Fahrtrichtung Koblenz sind demnach zwischen dem Dreieck Bonn-Nordost und dem Kreuz Bonn-Nord keine Überfahrten mehr auf die A565 möglich. Dies betrifft insbesondere Verbindungen von der A59 aus Richtung Köln und Königswinter. Auch die Anschlussstellen Bonn-Beuel und Bonn-Auerberg sind gesperrt.
In der entgegengesetzten Fahrtrichtung Siegburg ist der Abschnitt zwischen dem Kreuz Bonn-Nord und der Anschlussstelle Bonn-Beuel gesperrt. Im Kreuz Bonn-Nord sind sämtliche Verbindungen auf die A565 in Richtung Siegburg unterbrochen. Die Anschlussstelle Bonn-Auerberg ist ebenfalls betroffen. An der Anschlussstelle Bonn-Beuel bleiben Auffahrten auf die A565 in Richtung Siegburg hingegen möglich.
Grund für die Sperrung sind Ergebnisse aktueller Brückenprüfungen. Dabei wurden strukturelle Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke festgestellt, die eine unverzügliche Sicherung erfordern. Zuvor bereits umgesetzte Maßnahmen, darunter ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen sowie technische Kontrollen, konnten weitere Schäden nicht verhindern.

„Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar. Wir handeln auf der Basis unserer aktuellen gutachterlichen Prüfergebnisse“, sagt Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH. Zugleich sei sich das Unternehmen der Auswirkungen auf den Verkehr in der Region bewusst. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden seien Ausweichrouten vorbereitet worden.

Weitere Detailuntersuchungen sollen nun klären, mit welchen technischen Maßnahmen die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Eine abschließende Bewertung liegt erst nach Abschluss dieser Untersuchungen vor. Bis dahin bleibt die Rheinbrücke Bonn-Nord gesperrt.

Rhein-Sieg-Kreis über die Sperrung nicht informiert

„Für den Rhein-Sieg-Kreis kommt diese Information völlig überraschend“, so Landrat Sebastian Schuster zur Vollsperrung der Bonner Nordbrücke ab 15.00 Uhr am heutigen Tage. „Wir haben keinerlei Vorwarnungen seitens der Autobahn GmbH bekommen und es kann keine Rede davon sein, dass Ausweichrouten in enger Abstimmung mit uns vorbereitet wären.“
Betroffen von der kurzfristigen Sperrung ist nicht nur der Individualverkehr; besonders hart trifft sie auch den Dienstleistungssektor, Gewerbetreibende und das Handwerk. Für den Schulbusverkehr wird gerade gemeinsam mit der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) an einer kurzfristigen Lösung gearbeitet.
„Die Sicherheit der Menschen steht selbstverständlich an oberster Stelle“, bekräftigt der Landrat.

Redakteur/in:

Michael Thelen aus Rhein-Sieg

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