Zukunft Wald
Digitalisierung auch im Wald

Landesforstchefin Claudia Bönnighausen und Forstamtsleiter Stephan Schütte erläuterten NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst im Kottenforst die Aktivitäten zum Erhalt und Schutz des Waldes.
  • Landesforstchefin Claudia Bönnighausen und Forstamtsleiter Stephan Schütte erläuterten NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst im Kottenforst die Aktivitäten zum Erhalt und Schutz des Waldes.
  • Foto: AS

Bad Godesberg (as). Ein Pulk von Medienvertreterinnen und Medienvertretern begleitete den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst zu einem Informationsbesuch in den Kottenforst. Unweit vom Johanniter-Waldkrankenhaus ging es mitten zwischen altem Baumbestand und einer von Borkenkäfern und Hitzewellen geschädigten Waldfläche um das Thema „Waldzukunft im Kottenforst“.

Der Klimaschutz gehört zu den größten Herausforderungen der Menschen. Aus dem Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz hieß es, dass Ministerpräsident Hendrik Wüst sich im Beisein von Landesforstchefin Claudia Bönnighausen, Forstamtsleiter Stephan Schütte sowie IT-Experten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, informieren wolle, wie der Weg in die Waldzukunft gelingen kann und welche Unterstützung dabei Drohnen und Digitalisierung leisten können. Vor Ort sagte Wüst: „Unser Wald ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für Pflanze, Tier und Mensch, sondern er ist auch der Klimaschützer Nummer 1. Klimastabile Wälder sind das nachhaltigste Erbe, das wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen können. Für die Zukunft ist es deshalb entscheidend, dass die Bemühungen für den Wald weiter honoriert werden“. Dort, wo Bäume gepflanzt werden und CO2 gespeichert wird, muss das auch finanziell unterstützt werden. Angesprochen wurde, dass eine nach der CO2-Leistung bemessene Baumprämie für Waldbauern gewährt werden solle. Auch in städtischen Räumen müssen in Zukunft mindestens eine Million neue Bäume gepflanzt werden, hieß es weiter. Dafür will sich der NRW-Ministerpräsident weiter einsetzen.

Für die Schadensbewältigung und die Wiederbewaldung der Schadflächen nach Stürmen, Trockenheit und beispielsweise Borkenkäfer-Schädigung bietet das Land breite finanzielle und fachliche Unterstützung. Über 45 Millionen Euro umfassen die forstlichen Förderprogramme für Nordrhein-Westfalen alleine in diesem Jahr. Im Vorjahr waren es 66,6 Millionen Euro. Mit einem vereinfachten und neu zugeschnittenen Förderangebot will das Land die Waldbesitzerinnen bei der zukunftsgerechten, zeitnahen Wiederbewaldung der großen Schadflächen noch gezielter unterstützen.

Hierzu erläutert Claudia Bönnighausen, Forstchefin und zuständige Abteilungsleiterin im Landes-Umweltministerium: „Die neue Förderung sieht flächenbezogene Pauschalbeträge für alle wesentlichen Maßnahmen für zehn Jahre Waldentwicklung vor. Ihre Höhe ist abgeleitet aus den Waldentwicklungstypen des Waldbaukonzepts. Das Land fördert damit Flächenvorbereitung, die Pflanzung und eventuelle Nachpflanzungen selbst sowie auch Pflegemaßnahmen, wie das Befreien von Brombeerranken. Nach der Beantragung und Bewilligung zu Beginn erfolgt der Abruf der Mittel bedarfsgerecht bei Durchführung der jeweiligen Maßnahmen.“

Nach dem Trockenstress der Vorjahre ist der Wald noch in der Revitalisierungsphase und daher sehr anfällig auch gegenüber kürzeren Trockenphasen. Erhebungen von Wald und Holz NRW ergeben zwischenzeitlich eine Schadfläche von 115.000 Hektar und einen Anstieg des Schadholzvolumens seit September 2021 um 1,6 Millionen Kubikmeter auf insgesamt rund 43 Millionen Kubikmeter Schadholz aus Stürmen, Dürre und Käferfraß seit Beginn 2018.

Stephan Schütte, Leiter Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft sagte: „Bei der Wiederbewaldung der Schadflächen ist Vielfalt von zentraler Bedeutung. Vielfalt stärkt unsere Wälder. Verschiedene Baumarten, mehrstufiger Aufbau, mehrere Baumgenerationen auf einer Fläche – das sind die Wälder der Zukunft.“ Wichtig sei daher, die Schadentwicklung genau im Blick zu behalten, um die Borkenkäferausbreitung zu minimieren. Dazu müssen befallene Bäume unverzüglich aus dem Wald entfernt werden.

Welchen Beitrag zur Wiederbewaldung Drohnen und Digitalisierung leisten können, stellte Dr. Alexander Asteroth, Professor für Theoretische Grundlagen der Informatik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg vor. Mit finanzieller Förderung des Umweltministeriums entwickelt er mit seinem Team Methoden zur automatisierten Analyse der Mikro-Standortbedingungen auf den Kahlflächen. Die Daten aus den Flugbildern sollen dabei helfen, die optimalen Stellen für die Saat zu bestimmen. In einem nächsten Schritt soll die Ausbringung von Saatgut mit Drohnen ermöglicht werden. Ziel ist es, mit hochauflösenden Drohnen-Bildern automatisiert optimale Saatstellen zu definieren.

Redakteur:

Alfred Schmelzeisen aus Bad Godesberg

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