Internationaler Tag des Wassers
Hangmoore unter Druck

An kritischen Bereichen konnte Expertin Urla Ewender mithilfe eines Nivelliergeräts Geländeunterschiede und damit mögliche Wasserabflüsse sichtbar machen. | Foto: Biostation Oberberg
  • An kritischen Bereichen konnte Expertin Urla Ewender mithilfe eines Nivelliergeräts Geländeunterschiede und damit mögliche Wasserabflüsse sichtbar machen.
  • Foto: Biostation Oberberg

Oberberg (red). Hangmoore spielen eine wichtige Rolle im natürlichen Wasserhaushalt und stehen damit in engem Zusammenhang mit dem Internationalen Tag des Wassers am 22. März. Durch ihre torfreichen Böden können sie große Mengen Wasser aufnehmen und wie ein natürlicher Schwamm speichern. Niederschläge werden dadurch zurückgehalten und nur langsam wieder an Bäche und Quellen abgegeben. Gerade an Hanglagen hilft diese Funktion, den schnellen Abfluss von Regenwasser zu bremsen, den Wasserhaushalt der Landschaft zu stabilisieren und Trockenphasen besser auszugleichen. Der Schutz und die Renaturierung von Hangmooren tragen daher nicht nur zum Erhalt seltener Lebensräume bei, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser.

Der Schutz der Hangmoore im Oberbergischen Kreis erfordert zunehmend spezialisierte Fachkenntnisse. Umso wertvoller war die externe Beratung der Biologischen Station Oberberg durch erfahrene Fachkräfte des Bergwaldprojekts, die am 25. Februar bei einer gemeinsamen Begehung der Moorflächen in Neuenhähnen (Waldbröl) und am Immerkopf (Wiehl) stattfand. Auch Mitarbeitende des Umweltamtes des Oberbergischen Kreises nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch über Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten in der Betreuung der Schutzgebiete.

Hintergrund der Beratung sind klimatische Veränderungen, die auch im Oberbergischen Kreis bereits deutlich spürbar sind. Längere Trockenphasen setzen den empfindlichen Moorstandorten zu, während Starkregenereignisse das Wasser häufig ungenutzt abfließen lassen. Ziel der Beratung war es daher, die etablierten Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte an die neuen Herausforderungen anzupassen und weiterzuentwickeln.

Gerade bei Feuchtgebieten an Hanglagen ist Fachwissen aus anderen Regionen von großer Bedeutung. „Man kann das Wasser hier nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen“, erklärte Moor-Experte Lutz Rohland vom Bergwaldprojekt in Neuenhähnen. Durch eine gezielte Modellierung der Geländeformen und den Einsatz natürlicher Barrieren wie Baumstämmen lasse sich jedoch ein sogenanntes Überrieselungsregime schaffen, das Wasser länger auf der Fläche hält und so das Moor stärkt.

Die Mitarbeitenden des Bergwaldprojekts wissen, wovon sie sprechen: Der gemeinnützige Verein setzt sich seit über 35 Jahren bundesweit an rund 90 Projektstandorten mit jährlich etwa 5.000 Freiwilligen für den Schutz, die Erhaltung und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme ein. Unter anderem wurden Mittelgebirgshangmoore im Hunsrück und in der Eifel wiedervernässt. Dieser Erfahrungsschatz half dabei, die vorhandenen Strukturen in den oberbergischen Hangmooren mit einem frischen Blick zu bewerten. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage boten zudem ideale Bedingungen, um oberflächliche Abflusswege sichtbar zu machen und mögliche Maßnahmen anschaulich zu diskutieren. So konnte gemeinsam festgelegt werden, an welchen Stellen Eingriffe sinnvoll sind und wo natürliche Prozesse gezielt unterstützt werden sollten

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen nun direkt in die tägliche Naturschutzarbeit der Biologischen Station ein. Sie sollen nicht nur Grundlage für zukünftige Maßnahmen sein, sondern auch bei regelmäßigen Pflegearbeiten wie dem Abplaggen – der Entfernung des nährstoffreichen Oberbodens – berücksichtigt werden. Die enge Zusammenarbeit von regionaler Fachpraxis und externer Expertise leistet damit einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt der Hangmoore und der Biodiversität im Oberbergischen Kreis. Der Geschäftsführer der Biologischen Station, Matthias Wirtz-Amling, zieht ein positives Fazit: „Das Bergwaldprojekt hat uns neue Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, um unsere Moore langfristig zu erhalten. Vieles von diesem Wissen lässt sich auch auf andere Hangflächen übertragen und kann so die Klimaresilienz der oberbergischen Landschaft stärken.“

Mehr Infos zum Bergwaldprojekt e.V. gibt es auf der offiziellen Webseite unter www.bergwaldprojekt.de.

Redakteur/in:

Kristina Franke aus Sankt Augustin

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