Von Historie über Tradition bis in die Moderne
Kirmes: Ein kulturelles Erbe
- In Science-Fiction-Filmen heißt es: „Kommandant auf die Brücke“. Beim Familienunternehmen Langhoff steuert Chefin Nadine Langhoff den Steamer. „Die Scheibe, auf der die zwölf Gondeln platziert sind, kann bis zu 60 Grad angewinkelt werden und die offenen Fahrinseln erreichen bis zu 17 Umdrehungen in der Minute“, sagt sie. Foto: Axel König
- hochgeladen von Angelika Koenig
Bergisch Gladbach (kg). Kirmessen gibt es seit dem Mittelalter. Damals feierten die Menschen ein großes Fest, wenn eine Kirche fertiggestellt und eingeweiht war. Jedes Jahr am selben Tag wurde dieses Fest dann erneut gefeiert. Dazu gesellten sich Händler und Schausteller. Daraus entwickelte sich das uns heute bekannte Angebot aus Ständen mit Süßwaren, Getränken und Imbissen sowie zahlreichen Attraktionen. Dazu gehören Schießbuden, Geschicklichkeitsspiele, Karussells, Riesenräder, Autoscooter und weitere Fahrgeschäfte, die für Nervenkitzel und Spannung sorgen.
Während frühere Fahrgeschäfte noch mit Muskelkraft oder von Tieren angetrieben wurden, übernahmen ab den 1860er-Jahren nach und nach Dampfmaschinen diese Arbeit. Mit der Moderne kamen Verbrennungsmotoren hinzu, später Elektromotoren. Sie liefern bis heute die Kraft für Gondeln, Kugeln oder Scheiben, die sich teilweise mit hohen Geschwindigkeiten oder in starken Neigungswinkeln bewegen und damit für den Nervenkitzel sorgen, der Menschen auf den Rummel lockt.
In Bergisch Gladbach ist die Kirmes – wie anderswo auch – zugleich ein großer Treffpunkt zum Sehen und Gesehenwerden. Freundinnen und Freunde treffen sich und manch ein erster Funke zwischen zwei Herzen sprang auf der Pfingst- oder Laurentiuskirmes über und bescherte der Stadt neben Traditionsereignissen wie Karneval oder Schützenfesten später Nachwuchs.
Kirmessen und Volksfeste ziehen sich wie ein roter Faden durch die Kultur im deutschsprachigen Raum. Inzwischen gehören sie zum immateriellen Kulturerbe. Auch die beiden Bergisch Gladbacher Kirmessen reihen sich dort ein. „Seit 184 Jahren gibt es die Laurentiuskirmes“, sagt Burkhard Unrau, der sich in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich für den Erhalt und die Weiterentwicklung dieses kulturellen Erbes eingesetzt hat.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |