Gedenken an Hermann Keller und Wilhelm Demgenski
Stolpersteine wider das Vergessen
- Bei der Stolpersteinverlegung gedachten Landtagsabgeordnete Romina Plonsker, die stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Hülsewig und Ortsbürgermeisterin Anne Keller an den Glessener Bürger Hermann Keller.
- Foto: Andrea Floß
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In Bergheim sind am Donnerstag, den 11. Juni 2026, zum siebten Mal Stolpersteine verlegt worden. Mit dem Projekt erinnert der Künstler Gunter Demnig an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln vor den ehemaligen Wohnhäusern halten die Erinnerung an die Opfer wach und geben ihnen ihren Namen und ihre Geschichte zurück. Stellvertretend für Gunter Demnig war Frank-Matthias Mann zur Verlegung gekommen.
"Diese Stolpersteine machen deutlich, dass hinter jedem Schicksal ein einzelner Mensch stand – mit einer eigenen Geschichte, einer eigenen Familie und einem eigenen Leben", hob die stellvertretende Bürgermeisterin Elisabeth Hülsewig bei ihrem Rückblick hervor. Unter großer Beteiligung wurde dem Glessener Bürger Hermann Keller in einer Schweigeminute gedacht. Geboren wurde er am 23. März 1903. Im seinem Haus Nr. 71 in der Hohe Straße in Glessen ist heute eine Fahrschule. Am 18. Januar 1941 wurde der Landarbeiter als Grenadier in die Wehrmacht eingezogen. Im August 1943 wurde bei ihm erstmals Epilepsie dokumentiert. "Was für uns heute eine medizinische Diagnose ist, bedeutete in der Zeit des Nationalsozialismus weit mehr als eine Erkrankung", so Hülsewig. Menschen mit Epilepsie galten nach der menschenverachtenden Rassenideologie der Nationalsozialisten als „lebensunwert“ und wurden ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. So waren sie z.B. von Zwangssterilisationen bedroht und liefen Gefahr, als Opfer der sogenannten „Euthanasie“ ermordet zu werden.
Nach einem Aufenthalt im Lazarett in Marburg wurde Hermann Keller im September 1943 aus dem Heeresdienst entlassen. Kurz darauf wurde für ihn der Metzgermeister Johann Matzerath, bei dem er wiederangemeldet wurde, als Vormund bestellt. Auch dies war Teil eines Systems der Entrechtung: Menschen mit bestimmten Diagnosen oder Behinderungen verloren häufig das Recht, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Entscheidungen wurden ihnen entzogen, ihre Selbstständigkeit eingeschränkt und ihre Stimme zum Schweigen gebracht. Am 17. November 1943 wurde Hermann Keller in die damalige Arbeitsanstalt Brauweiler eingewiesen. Einzelne Gebäude auf dem Gelände dienten in dieser Zeit als "Schutzhaftlager" und Gestapo-Gefängnis. Zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Gegner des Regimes waren hier inhaftiert. Für viele Menschen bedeutete eine solche Einweisung den Beginn eines Leidenswegs, manche überlebten ihn nicht.
Wie Hermann Keller, hat auch sein Leidensgenosse Wilhelm Demgenski die Zeit des Nationalsozialismus überlebt. Geboren 1898 war der Oberaußemer ab 1935 in verschiedenen „Heil- und Pflegeanstalten“ und ab 1938 in der Arbeitsanstalt Brauweiler. 1941 wurde er nach Andernach überführt. An sein Schicksal erinnert jetzt der Stolperstein vor dem Haus in der Richartzstraße 8. Die Verlegung des Stolpersteins für Hermann Keller wurde vom Förderverein Schöneres Glessen e.V. durch eine Spende finanziert.
LeserReporter/in:Andrea Floß aus Bergheim |
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