Helferfest
Fest erinnert an Solidarität
- Frische Blasmusik bekannter Songs brachte „BraZZanova“ mit.
- Foto: Mager/Stadt Bad Münstereifel
„Nach der ersten Flutwelle, die so viel Tod, Leid und Zerstörung gebracht hat, haben wir damals eine zweite Welle erlebt. Das war die Welle der Helferinnen und Helfer: echte, gelebte Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und Solidarität.“ So fasste Bürgermeister Sebastian Glatzel die Tage nach dem 14. und 15. Juli 2021 im Gespräch mit Moderatorin Manuela Klein zusammen.
Bad Münstereifel (red). Um allen, die damals anpackten, noch einmal „Danke“ zu sagen, hatte die Stadt Bad Münstereifel fünf Jahre nach der Flut zum „Helferfest“ auf dem Klosterplatz eingeladen. Geboten wurden Speis und Trank sowie viel Kölsche Musik auf der Bühne. Auf dem Platz präsentierten sich auch das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundeswehr aus Mechernich, die nach der Flut an vielen Stellen im Dauereinsatz waren, sowie die Bürgerstiftung Bad Münstereifel und das Netzwerk „Psychosoziale Hilfe Bad Münstereifel“, das sich nach der Flut gegründet hatte.
„Die erste Hilfe kam aus den Ortsteilen, die damals nicht betroffen waren“, erinnerte sich Glatzel. 2021 war er zwar noch kein Bürgermeister, aber in Iversheim von der Flut selbst betroffen: „Ich habe meinen ersten Kaffee damals von Bürgerinnen aus Eschweiler bekommen. Das war der erste Hoffnungsschimmer. Die Hilfe riss danach nicht ab.“ Feuerwehren aus ganz Nordrhein-Westfalen, Vereine, die Bundeswehr, Hilfsorganisationen wie THW, Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter, außerdem viele Landwirte und private Helfer seien gekommen.
Europaweite Hilfe
Der Landtagsabgeordnete Klaus Voussem sagte, die Hilfsbereitschaft sei ein „wahnsinnig starkes Signal und wahnsinnig starkes Erlebnis“ gewesen. „Das ist etwas, das wir auch in der heutigen Zeit verdammt gut gebrauchen könnten. Unsere Gesellschaft braucht solche Erlebnisse von Zusammenhalt“, resümierte er. Der Bundestagsabgeordnete Detlef Seif betonte in seiner Ansprache die internationale Hilfe, die ihn beeindruckt habe: „Der britische Botschafter rief mich an und sagte: ‚Wenn schweres Gerät gebraucht wird, kriegen wir das hin.‘ Polen hat Hunderte Aggregate zur Verfügung gestellt.“ Landrat Markus Ramers, ehemals Lehrer am St.-Michael-Gymnasium, brach eine Lanze für die Jugend: „Ich habe sehr viele Jugendliche gesehen und werde nie vergessen, dass gerade auch sie gesagt haben: Wir wollen Bad Münstereifel, unsere Heimat, wieder aufbauen.“
Der Einladung nach Bad Münstereifel war auch NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach gefolgt. Sie hat nach der Flut einen engen Kontakt in die Stadt gepflegt und Bad Münstereifel mehrfach besucht. Beim Helferfest kündigte sie an, dass das Land im Haushalt 2027 einen Betrag von 15 Millionen Euro vorsehe, um flutbetroffene Kommunen bei der Finanzierung von zusätzlichem Personal für den Wiederaufbau zu unterstützen. Für zusätzliches Personal wird bislang grundsätzlich kein Geld aus Wiederaufbaumitteln zur Verfügung gestellt, sondern es muss aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden. Das kann durch die Kommunen – vor allem, wenn sie sich wie Bad Münstereifel in der Haushaltssicherung befinden – kaum finanziert werden.
Gesprächsrunde zum Hochwasserschutz
In einer Gesprächsrunde auf der Bühne stellte Bürgermeister Sebastian Glatzel das kürzlich beschlossene Hochwasserschutzkonzept der Stadt vor. Buchhändler Josef Mütter, selbst massiv von der Flut betroffen, schilderte die Hilfsbereitschaft, die er erlebte, und betonte, dass jeder Einzelne selbst Vorsorge treffen müsse. Die Politik müsse den Rahmen vorgeben, dies dauere aber zu lange.
Auf die Frage von Moderatorin Manuela Klein nach den Möglichkeiten des Eigenschutzes erklärte „Hochwasserpapst“ Reinhard „Riku“ Vogt, dass fest installierter Hochwasserschutz wichtig sei. Mobiler Schutz sei wirkungslos, wenn man im Hochwasserfall nicht zu Hause sei. Vogt hat das Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln maßgeblich mitentwickelt.
Künstler aus Bad Münstereifel und Köln
Im Mittelpunkt des Helferfestes standen aber nicht die Wortbeiträge, sondern die Musik. Auf der Bühne sorgte eine gelungene Mischung aus Bad Münstereifeler Beiträgen und kölschen Gästen für Stimmung. Stimmgewaltig boten der Chor „Allegro Vivace“ und der „Mutscheider Gesangverein Eifelklang“ bekannte Songs in mehrstimmigen Arrangements. Nicht weniger Stimmen – allerdings mit Blasinstrumenten anstatt Gesang – schallten beim Auftritt des Ensembles „BraZZanova“ über den Klosterplatz.
Mit Unterstützung der Agentur Artists&Events4u konnte die Stadt Bad Münstereifel Sänger Torben Klein sowie die Bands „Bel Air“, „Fiasko“ und die „Domstürmer“ für das Helferfest gewinnen. Alle Künstler traten ohne Gage auf. Einige berichteten auf der Bühne davon, selbst vom Wasser betroffen gewesen zu sein oder Betroffene zu kennen. Vor allem „Fiasko“, deren Wurzeln im Ahrtal liegen, erlebten die Betroffenheit im Juli 2021 sehr nah. Den emotionalen Abschluss des Abends erlebten die Menschen auf dem Klosterplatz mit dem „Bläck Fööss“-Hit „In unserem Veedel“, gesungen von Torben Klein.
Redakteur/in:Signe Mai Slomian aus Pulheim |