Linksrheinische Gemeinden
Klimabündnis fordert Hitzeschutz
- hochgeladen von Axel Glasmacher
Die Hitzewelle im Juni hat Deutschland stärker getroffen als lange angenommen. Nach der aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 23. Juli sind in diesem Sommer bereits rund 7.900 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben – und das nach nicht einmal der Hälfte des Sommers. Das ist der vierthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1992 und fast dreimal so viel wie die Zahl der Verkehrstoten des gesamten Jahres 2025 (2.832).
Das Klimabündnis Rhein-Voreifel, ein überparteilicher Zusammenschluss von 13 Bürgerinitiativen aus Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg, hat deshalb auf einer Pressekonferenz konkrete Maßnahmen von den sechs linksrheinischen Kommunen gefordert. „Hitze ist eine Katastrophe ohne Bilder“, sagt Koordinatorin Angela Austermann. „Die Opfer sterben leise – oft allein, in überhitzten Wohnungen. Das dürfen wir nicht hinnehmen.” Die meisten Todesopfer sind älter als 75 Jahre, aber auch Schwangere und Kinder sind betroffen.
Eine Bestandsaufnahme des Bündnisses zeigt: Keine der sechs Gemeinden hat bislang einen Hitzeaktionsplan, und in keiner gibt es einen öffentlichen klimatisierten Raum, in dem Menschen an Hitzetagen Zuflucht finden können. Einzelne Kommunen sind weiter als andere – Bornheim etwa betreibt ein eigenes Hitzeportal im Internet, Meckenheim informiert mit Flyern. Dass Hitzeschutz Leben rettet, zeigt Frankreich: Nach der Hitzekatastrophe von 2003 mit rund 15.000 Toten führte das Land umfassende Maßnahmen wie z.B. Warnsysteme, Kühlräume und Anrufketten für Alleinlebende ein.
Die Forderungen des Bündnisses sind bewusst einfach gehalten: Klimatisierte Räume in Gemeindegebäuden und Kirchen während Hitzewellen öffnen, Trinkbrunnen und kostenlose Wasser-Auffüllstationen bereitstellen, die Karten kühler Orte bekannter machen und die Bevölkerung – vor allem ältere und vorerkrankte Menschen – aktiv warnen und informieren. Mittelfristig soll jede Gemeinde einen verbindlichen Hitzeaktionsplan verabschieden. Der Internist Prof. Axel Glasmacher, Mitglied des Bündnisses, ergänzt: „Hitzeschutz ist Erste Hilfe – Klimaschutz ist die Behandlung. Wer nur kühle Räume öffnet, aber weiter Öl und Gas verbrennt, hilft heute und schadet morgen."
Und was kann jede und jeder Einzelne tun? Viel trinken, die Mittagshitze meiden, kühle Orte aufsuchen – und an die Nachbarn denken: Die meisten Hitzetoten sterben allein. Ein täglicher Anruf oder ein kurzes Klingeln bei der alleinlebenden Nachbarin kann ein Leben retten.
Informationen und Tipps zum Hitzeschutz: www.klima-mensch-gesundheit.de, www.dialog-gesundheit-klima.de/hitzeschutz. Kontakt zum Klimabündnis: https://klimabuendnis-rhein-voreifel.de
LeserReporter/in:Axel Glasmacher aus Alfter |