Kunst im Schwingeler Hof
Wenn Kunst alle Sinne öffnet
- Zeigen im Schwingeler Hof unterschiedliche künstlerische Blickwinkel auf ähnliche Motive: Torsten Gripp und Roswitha Schumacher-Kuckelkorn laden mit der Ausstellung „Farbe berührt“ dazu ein, Kunst nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören und zu ertasten.
- Foto: Torsten Gripp
Die Ausstellung „Farbe berührt“ verbindet Malerei, Fotografie und Keramik mit Hören, Sehen und Tasten
Wesseling (mm). Eine Blume ist eine Blume. Könnte man meinen. Doch wenn zwei Künstler auf dasselbe Motiv schauen, entstehen manchmal völlig unterschiedliche Welten. Genau diesen spannenden Moment zwischen Wahrnehmung und Interpretation macht die Ausstellung „Farbe berührt“ in der Städtischen Galerie im Schwingeler Hof sichtbar.
Vom 2. bis 25. Oktober präsentieren die Malerin Roswitha Schumacher-Kuckelkorn sowie der Fotograf und Keramiker Torsten Gripp ihre Arbeiten im Dialog. Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Arno-Lutz Henkel. Im Zentrum steht dabei die Frage, was aus einem Motiv wird, wenn unterschiedliche künstlerische Handschriften darauf treffen.
Während Schumacher-Kuckelkorn mit zunehmend freierer, gestischer Malerei arbeitet und Formen förmlich in Farbe, Licht und Bewegung auflöst, geht Gripp einen anderen Weg. Auch in seinen Fotografien verlieren Schärfe und Konturen an Bedeutung. Lichtstimmungen und Farbwelten treten in den Vordergrund. Ergänzt werden die Fotografien durch handgeformte Keramiken.
„Torsten und ich können dieselbe Blume anschauen. Er nimmt etwas anderes mit als ich“, beschreibt Schumacher-Kuckelkorn den künstlerischen Austausch. Beim Malen entferne sie sich zunehmend vom eigentlichen Motiv. Dann gehe es vor allem um Farbe, Licht und Bewegung.
Besonders macht die Ausstellung jedoch nicht nur die Kunst selbst, sondern auch die Art, wie Besucher sie erleben können. Zu zahlreichen Werken gibt es kurze Geschichten und Bildbeschreibungen, die sich über QR-Codes oder NFC-Tags mit dem Smartphone anhören lassen. Entwickelt wurde das Angebot insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen. Gleichzeitig eröffnet es auch sehenden Besuchern einen neuen Zugang zu den Arbeiten. Aus Gehörtem und Gesehenem entsteht so im Kopf ein ganz eigenes Bild.
Auch die Keramiken brechen mit gewohnten Museumsregeln. Sie dürfen berührt werden. Die Gefäße entstehen in der japanischen Kurinuki-Technik aus massiven Tonstücken. Sichtbare Spuren von Händen und Werkzeugen machen die Oberflächen zu einem Erlebnis für die Finger.
So verbindet „Farbe berührt“ Kunst zum Sehen, Hören und Anfassen. Die Ausstellung versteht Inklusion nicht als Zusatzangebot, sondern als Einladung an alle Besucher, ihren ganz persönlichen Zugang zur Kunst zu entdecken.
Die Vernissage findet Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr statt. Geöffnet ist die Ausstellung samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen und Hörbeispiele gibt es unter farbeberuehrt.de.
Redakteur/in:Montserrat Micaela Manke |