84. RheinKlang 669 Wohnzimmerkonzert
Viel Nähe und musikalische Qualität mit dem Hürther Duo Alisha & J.Low
- Alisha & J. Low beim 84. RheinKlang 669 Wohnzimmerkonzert in Mines Spatzentreff.
- Foto: Anita Brandtstäter
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Wesseling. Mit dem 84. Wohnzimmerkonzert hat der Wesselinger Kulturverein RheinKlang 669 einmal mehr gezeigt, wie viel Atmosphäre, Nähe und musikalische Qualität in einem vermeintlich kleinen Format stecken kann. In Mines Spatzentreff in Wesseling wurde der Freitagabend zu einer ebenso kurzweiligen wie mitreißenden Reise insbesonders durch die 1990-er Jahre der Pop- und Rockgeschichte – das Konzert hätte durchaus noch ein paar zusätzliche Zuhörer verdient gehabt.
Das Hürther Duo Alisha & J.Low überzeugte von Beginn an mit einem äußerst stimmigen Zusammenspiel. Sängerin Marlene Zilias – alias Alisha – präsentierte sich absolut professionell, mit großer Bühnenpräsenz und spürbarer Erfahrung aus dem Musiktheater. An ihrer Seite sorgte Jakob Arich als J.Low mit seiner akustischen Gitarre für eine Begleitung, die stets nah am Original blieb und gleichzeitig genügend Raum für eigene Nuancen ließ. Besonders reizvoll: die abwechslungsreichen Arrangements, die durch den gezielten Einsatz der Geige in Intros und Intermezzi immer wieder neue Klangfarben eröffneten.
Schon der Einstieg mit „I’ll Be There for You“ von der US-Band The Rembrandts – bekannt als Titelsong der Kultserie "Friends" – setzte den Ton: vertraut, eingängig und sofort nah am Publikum. Mit „Lemon Tree“ der deutschen Band Fools Garden und „Alles nur geklaut“ von Die Prinzen folgten zwei weitere Klassiker der 90er, die den generationenübergreifenden Charakter des Abends unterstrichen.
Besonders gelungen waren die Medleys, in denen stilistische Brüche bewusst gesucht und elegant verbunden wurden. So traf Tracy Chapmans soulfulle Songwriter-Kunst in „Give Me One Reason“ auf den prägenden Grunge-Sound von Nirvana – vertreten durch „Come As You Are“ und „Lithium“. Mit „Smells Like Teen Spirit“ wurde der Einfluss Kurt Cobains und seiner Band auf eine ganze Generation noch einmal eindrucksvoll in Erinnerung gerufen.
Auch Ausflüge in andere Klangwelten gelangen mühelos: Lenny Kravitz’ funkig-rockiges „Are You Gonna Go My Way?“ stand neben „Der Graf“ von Bela B., während Tal Bachmans „She’s So High“ und Radioheads melancholisches „Creep“ für ruhigere, nachdenklichere Momente sorgten. Mit Alanis Morissettes „Ironic“, „Hurra“ von Die Ärzte und „Zombie“ der Cranberries spannte das Duo den Bogen weiter durch die musikalische Vielfalt der 90er Jahre – von Alternative Rock bis zu politisch aufgeladenem Indie.
Ein besonderes Highlight waren weiter die Boyband- und Pop-Medleys: NSYNC („Tearin’ Up My Heart“), Backstreet Boys („Quit Playing Games (With My Heart)“) und Take That („Back for Good“) trafen auf die großen Pop-Ikonen der Zeit. Mit Robbie Williams’ „Let Me Entertain You“ und Chers „Believe“ wurde das Publikum endgültig zum Mitwippen, Mitsingen und sogar zum Mittanzen animiert.
Im finalen Medley mit Destiny’s Child („Say My Name“), Britney Spears („…Baby One More Time“) und den Spice Girls („Wannabe“) erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt – und bescherte zugleich eine der charmantesten Szenen des Abends: Durch die geöffnete Tür drang die Musik auf die Straße, wo eine Passantin spontan stehen blieb, hereinkam und kurzerhand mitsang. Alisha reagierte sofort, reichte ihr das Mikrofon und machte sie für einige Minuten zum Teil des Konzerts. Ihr Begleiter filmte die Szene, kam später noch einmal herein und bedankte sich ausdrücklich – auch im Namen seiner Freundin – für dieses besondere Erlebnis.
Dass Musik generationenübergreifend wirkt, zeigte sich auch am Ende des Abends: Eine über 90-jährige Besucherin war bis zum Schluss geblieben und bedankte sich herzlich bei der Sängerin – insbesondere für die Zugabe „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros aus dem Jahr 1975, die dem Konzert einen etwas nostalgischen Ausklang verlieh.
So blieb ein rundum vergnüglicher Abend, der nicht nur durch musikalische Qualität überzeugte, sondern vor allem durch Nähe, Spontaneität und tolle Begegnungen. Anita Brandtstäter vom RheinKlang 669 Team begrüßte zu Anfang, dankte ganz herzlich zum Schluss dem Duo und Gastgeberin Mine Murzoglu. Anschließend gab sie noch einen Ausblick auf die weiteren Veranstaltungen in Mines Spatzentreff:
- Carmen Rebecca Engels liest aus "Das Amulett der Welten - Winternacht" am 8. Mai,
- Andrea Thoma stellt neue Aquarelle unter dem Motto "Städte, Meer und bunter Wald" aus - Vernissage am 9. Mai,
- die Liedermacherei Heimpel kommt am 29. Mai wieder zu einem Wohnzimmerkonzert.
Außerdem stellte sie den Kulturverein vor und gab einen Ausblick auf das 14. Wesselinger Musikfestival RheinKlang 669, das dieses Jahr am 19./20. Juni mit insgesamt 22 Konzerten stattfindet.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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