Neue Ausstellung des Kunstvereins
Moritz Kral "blue bones" im Schwingeler Hof
- Der Bonner Künstler Moritz Kral bei der Vernissage seiner Ausstellung "blue bones", umrahmt von Kunsthistoriker Dr. Josef Gülpers, der einführende Worte sprach, und Margot Keila, Vorsitzende des Kunstvereins Wesseling e.V.
- Foto: Anita Brandtstäter
- hochgeladen von Anita Brandtstäter
Wesseling. Mit guter Resonanz wurde am Samstag die Einzelausstellung „blue bones“ des jungen Künstlers Moritz Kral in der Scheunengalerie im Schwingeler Hof eröffnet. Der Kunstverein Wesseling hatte eingeladen – und zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten dem Ruf, darunter viele Wegbegleiter und Freunde des Künstlers. Schon beim Betreten des rund 300 Quadratmeter großen Raumes entfaltet sich die besondere Wirkung von Krals Arbeiten. Großformate ziehen den Blick an, fordern heraus und lassen innehalten. „Der wunderschöne Raum bietet mir die Möglichkeit, einige Großformate zeigen zu können“, so Kral. Eines davon, das 27 qm Werk „run away“ an der Stirnseite des Raums, wird während der Ausstellungsdauer vor Ort weiterentwickelt – ein offener Prozess nach dem Motto des Künstlers: „Eskapismus wird ersetzt durch Reflexion.“
Diese Reflexion durchzieht die gesamte Werkreihe „Blue Bones“, die Ende 2023 entstand und sich seither kontinuierlich weiterentwickelt. In vielschichtigen, oft surreal anmutenden Bildwelten setzt sich Kral mit den blinden Flecken unserer Wahrnehmung auseinander. Seine Werke wirken wie ein erweiterter Rorschachtest: Was man sieht, ist nie eindeutig – vielmehr ein Spiegel eigener Gedanken, Ängste und Sehnsüchte. Mythologische Anklänge und archetypische Figuren verbinden sich mit aktuellen Fragestellungen und eröffnen einen Raum zwischen Irritation und Erkenntnis.
„Blue Bones“ – ein Begriff, der umgangssprachlich blaue Flecken durch Atrophie beschreibt – wird bei Kral zur Metapher für psychische Spuren einer überbeschleunigten Gesellschaft. Informationsflut, Leistungsdruck und permanente Erreichbarkeit hinterlassen ihre Abdrücke, oft unsichtbar, aber spürbar. „Wir verlieren dabei häufig den Kontakt zu uns selbst und zur Natur“, beschreibt der Künstler. Seine Arbeiten halten dagegen – nicht mit einfachen Antworten, sondern mit der Einladung, genauer hinzusehen.
Die Eröffnung wurde durch die Vorsitzende des Kunstvereins, Margot Keila, herzlich eingeleitet. In ihren Begrüßungsworten würdigte sie Krals künstlerische Entwicklung und die Relevanz seiner Themen. Der Kunsthistoriker Dr. Josef Gülpers vertiefte in seiner Einführung die kunsthistorischen Bezüge und ordnete Krals Werk in die Tradition des Surrealismus ein, dessen Bildsprache gerade heute eine neue Aktualität erfährt. Für ihre Ablehnung der bürgerlichen Normen fanden nach dem 1. Weltkrieg internationale Künstler wie Salvador Dali, René Magritte oder Max Ernst eine neue Bildsprache. Moritz schuf bereits als Jugendlicher erste Graffiti-Arbeiten und war in der Streetart-Szene aktiv. Seit 2021 arbeitet er als freischaffender Künstler mit Schwerpunkt Malerei. Seit 2022 ist er Meisterschüler von Thomas Baumgärtel.
Auch der Künstler selbst lud zum Dialog ein, nahbar, und offen, und zum gemeinsamen Gin Tonic. Und so bildeten sich immer wieder kleine Gesprächsgruppen vor den Bildern, es wurde intensiv betrachtet, hinterfragt, interpretiert, begleitet von Live-Musik mit Gitarre und Cajón durch Andreas Sliwka und Andreas John sowie einem kleinen Catering. Die Stimmung war gelöst, interessiert, inspiriert.
Begleitend zur Ausstellung wird am 2. Mai ein Workshop zur „Automatischen Malerei“ angeboten – eine Technik, die stark auf Intuition und das Unbewusste setzt und damit eng mit Krals künstlerischem Ansatz verbunden ist. Hier sind die Teilnehmenden eingeladen, Kontrolle loszulassen und sich auf einen freien kreativen Prozess einzulassen.
Die Ausstellung „blue bones“ ist noch bis zum 10. Mai zu sehen. Geöffnet ist jeweils am Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr (mit Ausnahme des 9. Mai). Die Finissage findet im Rahmen des Frühlingsfestes der Freunde und Förderer des Dreifaltigkeits-Krankenhauses statt.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
|
| Webseite von Anita Brandtstäter | |
| Anita Brandtstäter auf Facebook | |
| Anita Brandtstäter auf Instagram | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.