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J.K. Roggenbach in Mines Spatzentreff
Ein Abend voller leiser Intensität, nachdenklicher Tiefe und überraschend heiterer Momente

J.K. Roggenbach las aus seinem neuen Roman "Der Regen" in Mines Spatzentreff.  | Foto: Anita Brandtstäter
  • J.K. Roggenbach las aus seinem neuen Roman "Der Regen" in Mines Spatzentreff.
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Wesseling. In Mines Spatzentreff las J.K. Roggenbach aus seinem neuen Roman „Der Regen“ – und nahm sein Publikum mit auf eine ebenso melancholische wie hoffnungsvolle Reise durch die Innenwelt einer Frau im Dazwischen des Lebens.

Der 1975 in Bonn geborene und in Köln aufgewachsene Autor ist kein Unbekannter in der literarischen Szene. Nach Jahren als Lokaljournalist widmet er sich heute ganz dem Schreiben – poetischen Texten, literarischen Reflexionen, Geschichten über Trauer, Einsamkeit, Sinnsuche und Hoffnung. Seine Werke wie „Schattenblicke“, der Roman „Der Pianist“ oder „Espresso und ein Leben“ zeugen von einer Sprache, die klar und einfühlsam ist, voller Zwischentöne und niemals oberflächlich. 

Eine Frau im Regen – und auf der Suche nach sich selbst

Der Roman erzählt von einer fünfunddreißigjährigen Frau, die an einem regnerischen Tag durch die Stadt geht – nicht, um irgendwo anzukommen, sondern um sich selbst nicht zu verlieren. Schon im ersten Kapitel wird der Regen als zentrales Symbol eingeführt: Er spiegelt ihre Seele, ihre Trauer, ihre Nachdenklichkeit. Die Stadt erscheint grau und still, während in ihr ein intensiver innerer Monolog einsetzt.

Gleich zu Beginn wird der Tod des Vaters thematisiert – ein Verlust mit 16, der wie ein dunkler Grundton unter der gesamten Erzählung liegt. Die Gedanken sind zunächst eher düster, kreisen um Abschiede, um kleine und große Verletzungen, um die Unsichtbarkeit seelischer Lasten. Immer wieder tauchen Dämonen auf – nicht schreiend, sondern flüsternd. Die Sinnfrage steht im Raum: Was bleibt vom Menschen, wenn vieles verloren geht?

Roggenbach schreibt in knappen, konzentrierten Sätzen. Keine belanglosen Zwischengedanken, kein sprachlicher Ballast. „Man muss sich daran gewöhnen“, bemerkte er augenzwinkernd während der Lesung. „Oft liest man eine Seite und denkt sich, das könnte man auch in einem Satz sagen.“ Doch in seiner lebhaften, nuancierten Vorlesetechnik wirken die Sätze klar, eindringlich, atmosphärisch dicht.

Einsamkeit, die schützt – und eine Begegnung im Regen

Mit fortschreitender Handlung wird der Ton heller. Ein zentraler Gedanke lautet: „Einsamkeit kann schützen.“ Es ist eine Einsamkeit, die nicht nur schmerzt, sondern auch Raum schafft – für Reflexion, für Abgrenzung, für Neubeginn.

Und dann geschieht sie: die Begegnung mit Paul. Im Regen treffen sich zwei Menschen, die sofort spüren, dass sie ähnlich ticken. Keine Versprechungen, keine pathetischen Liebesschwüre – sondern ein leises, glaubwürdiges Sich-Verstehen. Nach gut hundert Seiten mündet der Roman in ein Happy End, das folgerichtig wirkt: „Sie war angekommen in ihrem Herzen.“ Vielleicht ist Ankommen nicht das große Ziel, heißt es im Klappentext. Vielleicht ist es nur der Moment, in dem man aufhört, innerlich wegzulaufen.

Authentisch, autobiografisch, anrührend

Im anschließenden Gespräch entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den aufmerksamen Zuhörenden. Viele konnten sich in die Frau mittleren Alters hineinversetzen. Roggenbach erzählte, dass er sich bewusst in Frau hinein denken wollte. Das Alter 35 sei ein „Dazwischen“ – nicht mehr jung, aber auch nicht alt. Ein Lebensabschnitt, in dem Bilanz und Aufbruch eng beieinanderliegen. 

Autobiografische Züge sind unverkennbar: Auch er selbst musste früh den Verlust seiner Eltern verarbeiten. „Erinnerungen müssen verblassen, für etwas Neues“, sagte er. Der Roman ist ein totaler Kontrast zu Social Media, zu oberflächlichen Eindrücken, zu digitaler Ablenkung. Er lebt von leisen Zwischentönen. Poetisch-melancholisch, ehrlich und tief menschlich entfaltet sich eine Geschichte über Trauer und Sehnsucht, über Dämonen und kleine Lichter. 

Interessant war auch die Atmosphäre danach. Es wurde viel gelacht in Mines Spatzentreff. Gedanken wurden geteilt, Fragen gestellt, persönliche Bezüge hergestellt. Roggenbach zeigte sich dankbar: „Rückmeldungen aus dem Publikum sind absolut nicht selbstverständlich.“ Insgesamt war es eine schöne Begegnung - zwischen Autor und Publikum, zwischen Fiktion und Leben.

LeserReporter/in:

Anita Brandtstäter aus Köln

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