Atem, Klang und Virtuosität im Rheinforum
Eichholzer Schlosskonzert „In einem Atem“ beeindruckt mit Klangvielfalt
- Oksana Shnit, Klavier, Mariya Kostina, Flöte, und Günther Wiesemann, Schlaginstrumente, bei der zeitgenössischen Komposition "Hierhin, hier, Ort".
- Foto: Anita Brandtstäter
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Wesseling. Ein spannendes und außergewöhnliches Klassikkonzert erlebte das Publikum am Freitag im großen Saal des Rheinforums: Das Eichholzer Schlosskonzert „In einem Atem“ zeigte eindrucksvoll, wie facettenreich Kammermusik sein kann. Mit dem Trio in un fiato standen drei herausragende Musikerpersönlichkeiten auf der Bühne: die Flötistin Mariya Kostina, die Pianistin Oksana Shnit sowie Günther Wiesemann, der neben Klavier auch Schlaginstrumente einsetzte. Kostina und Shnit sind als eingespieltes Duo auch unter dem Namen Duo Charme bekannt – und diese Vertrautheit war vom ersten Ton an spürbar.
Klassische Meisterwerke mit Leichtigkeit und Ausdruck
Das Programm spannte einen weiten Bogen durch die Musikgeschichte: von Johann Sebastian Bach (1685-1750) über Joseph Haydn (1732-1809) bis Franz Schubert (1797-1828) sowie von Georges Bizet (1838-1875) bis Sergei Rachmaninow (1873-1943). Zum Einstieg erklangen einige Bearbeitungen klassischer Werke für Flöte - Klavier wie der 1. Satz Allegro moderato der "Sonate G-Dur für Flöte und Klavier" nach dem "Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1" von Joseph Haydn, bearbeitet von Gustav Holländer, und die "Vocalise op. 34/14" von Sergei Rachmaninow in der Bearbeitung von Susan Milan. Die Werke erhielten durch die ungewöhnliche Besetzung eine überraschen neue Farbigkeit. Dabei zeigte das Duo schon seine außergewöhnliche Klasse: technisch brillant, klanglich fein austariert und stets mit einem feinen Gespür für musikalische Charaktere.
Im weiteren Verlauf des Konzertes präsentierte das Duo die zwei Originalkompositionen für diese Besetzung: Schuberts „Introduktion und Variationen op. 160 e-Moll“ über das Lied „Trockne Blumen“ bzw. "Ihr Blümlein alle" sowie zwei Sätze aus Bachs "Sonate in E-Dur für Flöte und Klavier BWV 1035": Adagio ma non tanto und Allegro. Auch hier überzeugten die beiden Musikerinnen durch Transparenz und stilistische Sicherheit.
Die effektvolle „Fantasie brillante sur 'Carmen'“ nach Georges Bizet war zum Abschluss dann ein virtuoses und zugleich publikumsnahes Werk. Sie verlangte den Musikerinnen Höchstleistungen ab – die sie mit beeindruckender Souveränität und Spielfreude meisterten.
Zeitgenössische Klangräume: Wiesemanns Handschrift
Einen spannenden Kontrast zu den klassischen Werken bildeten die beiden zeitgenössischen Kompositionen von Günther Wiesemann: „In un fiato IV“ und „Hierhin, hier, Ort“.
Hier wurde der Titel des Konzerts programmatisch: Atem, Klang und Raum verschmolzen zu einem intensiven Hörerlebnis. Mit ruhigem Atem – Ganz atemraubend – in un fiato – Atemzug – Aus tiefem Grunde die Erde atmet waren die Teile von "in un fiato IV" überschrieben. Und bei "Hierhin, hier, Ort" traten Flöte und Klavier in einen Dialog mit den Percussion-Elementen, die weniger als Rhythmusgeber fungierten, sondern vielmehr Klangräume öffneten und erweiterten.
Teilweise meditative Passagen wechselten sich mit expressiven Momenten ab. Wiesemann selbst führte das Publikum mit einigen Erläuterungen in seine Werke ein – ein hilfreicher Zugang zu Musik, die neue Hörgewohnheiten herausfordert. Entsprechend unterschiedlich fielen auch die Reaktionen im Saal aus: von nachdenklicher Stille bis zu gespannter Aufmerksamkeit.
Begeisterter Applaus und Ausblick
Nach der fulminanten Carmen-Fantasie des Duo Charme dankte das Publikum den Künstlerinnen mit langanhaltendem Applaus – und wurde dafür belohnt: Als Zugabe erklang ein weiterer Teil aus der Carmen-Fantasie, ein bekanntes Thema mit Variationen, das erneut für große Begeisterung sorgte.
Zum Abschluss kündigte Ludger Strobel, Vorsitzender des Musikforum Wesseling e.V., noch das nächste Konzert an: Am Donnerstag, 7. Mai, sind die beiden jungen Pianisten Gabriel Husson und Monan Jülch im Rheinforum zu Gast. Unter dem Titel „2 Komponisten – 2 Pianisten“ widmen sie sich Werken von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann – von zwei musikalischen Seelenverwandten, die trotz aller Unterschiede eine tiefe künstlerische Verbindung eint. Ein weiterer vielversprechender Abend, in der Reihe der Eichholzer Schlosskonzerte, die immer wieder hochkarätige und auch überraschende Musikerlebnisse bieten.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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