Rückkehr nach Waldbröl
Ein Lied gegen das Vergessen

Anke Schlösser (Zoé) spielt bei der Stupa am Eiab | Foto: Michael Kupper
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  • Anke Schlösser (Zoé) spielt bei der Stupa am Eiab
  • Foto: Michael Kupper

Waldbröl. 38 Jahre nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt ist die Düsseldorfer Liedermacherin Zoé, bürgerlich Anke Schlösser, für einen Musikvideo-Dreh in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Im April 1988 hatte sie als 16-jährige Schülerin ihr Lied „Ich frage mich“ bei einem Konzert- und Tanzabend der Waldbröler Hauptschule in der Aula des Hollenberg-Gymnasiums vorgetragen. Am vergangenen Samstag stand sie an genau diesem Ort erneut mit der Gitarre, diesmal vor laufender Kamera.

Erinnerungen an bewegte Zeiten

Begleitet wurde sie von Bürgermeisterin Larissa Weber und ihrem damaligen Geschichts- und Gitarrenlehrer Bernd Schostak. Der 75-Jährige erinnerte sich an die aufgeheizte Stimmung jener Jahre: „Ende der 80er Jahre ging ein Riss durch Waldbröl.“ Grund war die umstrittene Gründung der Gesamtschule, gegen die sich eine Bürgerinitiative formiert und geklagt hatte. Den geplanten Konzertabend der Hauptschule hielt das jedoch nicht auf. Schostak würdigte zudem den damaligen Musiklehrer Thomas Weiß, der die Zehntklässler bei der Organisation von „Treffpunkt Musik“ tatkräftig unterstützt habe, und bedauerte, dass die Videoaufnahme von damals verschollen sei: „Der tosende Beifall am Schluss war richtig beeindruckend.“

Botschaft mit aktueller Bedeutung

Die Anfrage für den aktuellen Dreh kam von Zoés Schwester Inga Schlösser. Bürgermeisterin Weber sagte, sie sei sofort begeistert gewesen, nachdem ihr die Hintergründe erklärt worden waren. Schließlich hätten die im Song gestellten Fragen zur Bedrohung des Friedens auch knapp 40 Jahre später nichts an Aktualität verloren: „Warum wiederholt sich alles? Warum lernen wir nicht daraus? Wir müssen nicht noch einmal unsere Partner, Kinder und Freunde verlieren.“ Inga Schlösser betonte in einer Gesprächsrunde die Kraft positiven Denkens: „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Schostak wiederum berief sich auf ein Zitat des Philosophen George Santayana: „Wer sich an das Vergangene nicht erinnert, muss es noch einmal erleben.“ Dieses habe ihn tief beeindruckt. Genau dieser Satz, so Zoé, sei der Anlass gewesen, den Song zu schreiben. Weber zeigte sich nach dem Vortrag sichtlich bewegt: „Ich habe eine Gänsehaut. Es macht mir Hoffnung, dass diese Frage laut gestellt wird.“

Drehorte mit historischer Symbolkraft

Anschließend zog die Gruppe, begleitet vom Videoteam „Film und Ton Düsseldorf“ mit Philipp und Pascal, weiter zu markanten Orten der Marktstadt. An der Stupa beim Eiab, errichtet aus Säulen, die einst für die Eingangstreppe des geplanten KdF-Hotels der Nationalsozialisten vorgesehen waren, sowie an der Friedensmauer mit dem 1982 angebrachten Schriftzug „Nie wieder Krieg“ und den dahinterliegenden Ruinen der einstigen NS-Eliteschule entstanden weitere Sequenzen. Das fertige Musikvideo, dessen Kernzeile lautet „Und wenn sich keiner mehr erinnern will, geschieht das Vergangene noch einmal“, soll in Kürze auf Youtube veröffentlicht werden.

Anke Schlösser (Zoé) spielt bei der Stupa am Eiab | Foto: Michael Kupper
Anke Schlösser (Zoé) spielt auf einer Ruinentreppe der geplanten Nazi-Eliteschule | Foto: Michael Kupper
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Michael Kupper aus Reichshof

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