Empfang der Städtepartnerschaft
Partner und Freunde
- Walter Erlenbach (rechts) und sein Stellvertreter Winfried Kern (2. von rechts) freutem sich aus Steinschönau Bürgermeister Martin Bártl (2. von links) und dessen Stellvertreter Tomáš Tschakert (rechts) begrüßen zu dürfen.
- Foto: fes
Rheinbach (fes). Die Einladung ist bereits ausgesprochen: „Wir würden uns freuen, Sie im kommenden Jahr zu einer großen Feier zu unserem traditionellen Lusterfest begrüßen zu dürfen“, erklärte Martin Bártl, Bürgermeister der tschechischen Stadt Kamenický Šenov (Steinschönau) im Ratssaal im Glasmuseum im Himmeroder Wall
Denn 2027 gibt es einen besonderen Grund zur Freude: Die Städtepartnerschaft zwischen Rheinbach und Steinschönau wird 25 Jahre alt. Ein Höhepunkt dieser Verbindung sind die Bürgerfahrten. Jährlich im Wechsel reisen Rheinbacher nach Steinschönau, in diesem Jahr konnte Rheinbachs stellvertretender Bürgermeister Markus Pütz gemeinsam mit der städtischen Ersten Beigeordneten Daniela Hoffmann und dem Vorsitzen des Partnerschaftsvereins, Walter Erlenbach, knapp 40 Gäste in der Glasstadt begrüßen, darunter auch Bártls Stellvertreter Tomáš Tschakert oder den Direktor der Glasfachschule in Steinschönau, Jakub Jelinek.
Eine Städtepartnerschaft sei mehr als Unterschriften unter einem Vertrag, betonte Markus Pütz in seinem Grußwort beim offiziellen Empfang im Glasmuseum an die Besucher aus Tschechien und lobte das Engagement der Vorsitzenden der Partnerschaftsvereine, Walter Erlenbach für Rheinbach, und Zdenek Skok für Steinschönau: „Wir erfahren gerade, dass ein friedliches Zusammenleben in Europa keine Selbstverständlichkeit ist. Durch Ihre Partnerschaft lebt dieses Europa seit 25 Jahren. Sie sind nicht nur unsere Gäste, sondern auch unsere Freunde.“ Den Vertretern der beiden Partnerschaftsvereine sei die Gratwanderung gelungen, Tradition und Moderne als wichtige Säule der Völkerverständigung in Einklang zu bringen.
Die langjährige Partnerschaft bedeute ein Vierteljahrhundert gemeinsames Engagement und Begegnungen aus denen viele Freundschaften entstanden sind. Die Stadt Kamenický Šenov (Steinschönau) mit ihren rund 4.000 Einwohnern liegt umgeben von Bergen und Erhebungen an der Grenze zwischen dem Lausitzer Gebirge und dem Böhmischen Mittelgebirge. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen eine Barockkirche mit einem prachtvollen Glaslüster sowie das Glasmuseum, das frühere Lobmeyr- oder Vogel-Haus.
Was beide Städte verbindet, sind das Glashandwerk und die Glaskunst. Aus dieser Historie entwickelte sich auch die Städtepartnerschaft.
Nach der Vertreibung deutscher Glasbearbeiter und Glasveredler sowie deutscher Glasfachlehrer am Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem damaligen Steinschönau fanden viele der Vertriebenen in Rheinbach eine neue Heimat und waren 1948 an der Gründung der staatlich anerkannten Glasfachschule Rheinbach beteiligt.
Dieser geschichtliche Hintergrund sowie das unermüdliche Bemühen Helfried Glössners, Sohn eines aus Steinschönau vertriebenen Glasfachschullehrers, die Beziehungen zur alten Heimat wiederherzustellen, führten 1996 zur Partnerschaft zwischen den Glasfachschulen beider Städte. Intensiviert wurde diese Verbindung schließlich am 26. Juni 2002. Während der 650-Jahr-Feier der Stadt Kamenický Šenov wurde die Städtepartnerschaft besiegelt.
Das Glas sei laut Vize-Bürgermeister Pütz bis heute eine „glänzende und funkelnde Gemeinsamkeit“. Studierende der Partnerschule aus Steinschönau nehmen beispielsweise an dem alle zwei Jahre von der Stadt Rheinbach ausgelobten internationalen Glaskunstpreis teil. In diesem Jahr wird er zum 13. Mal ausgelobt. Es finden internationale Glassymposien, verschiedene Ausstellungen und die genannten Bürgerfahrten statt. Gäste aus Tschechien besuchen auch den Rheinbacher Karneval und bei vielen Bürgern aus Rheinbach ist das Lusterfest in Steinschönau fest im jährlichen Terminkalender verankert. Während des Lusterfestes im Sommer öffnen die dortige Glasfachschule und Glashütten ihre Türen, zahlreiche Workshops werden angeboten. In diese Jahr fand das zweitägige Open-Air-Festival für Glas und Licht im Juni statt. Gleichzeitig wurde das 170-jährige Bestehen der Glasfachschule gefeiert.
2024 hatten sich Mitglieder des Rheinbacher Partnerschaftsvereins an den Renovierungsarbeiten auf dem historischen Alten Friedhof in Steinschönau beteiligt. Dort sind Grabsteine zu finden, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen sowie Skulpturen Prager Bildhauer, die kunsthistorisch besonders bedeutend sind. Für dieses Engagement gab es auch einen Preis.
Beide Städte unterhalten jeweils ein Glasmuseum. Erlenbach zeigte sich erfreut, dass die Restaurierungsarbeiten am Museum in Kamenický Šenov voranschreiten. Sein besonderer Dank gilt der Restauratorin Eva Micková und Radim Vácha für den Bürgerverein Sonov. Beide waren ebenfalls nach Rheinbach gekommen.
Für den viertägigen Aufenthalt der Abordnung aus Steinschönau hatten sich Erlenbach und sein Team ein abwechslungsreiches Programm ausgedacht. Es ging zunächst nach Königswinter zur Galerie von Stanisław Borowski. Werke des Künstlers sind noch bis zum 27. September im Glasmuseum Rheinbach zu sehen. Es folgten unter anderem ein Picknick im Park des Wintermühlenhofes, eine Tour zum Drachenfels und zur Drachenburg, zum Haus der Geschichte nach Bonn inklusive einer Führung durch das ehemalige Regierungsviertel.
Redakteur/in:Frank Engel-Strebel aus Bornheim |