Der Gerissene Faden
Rob Herff zeigt im Bezirksrathaus Fotos von der Naumannsiedlung

Der Fotokünstler Rob Herff (r.) erinnert mit seinen künstlerisch ebenbürtigen Fotografien der Naumannsiedlung an ihren Erbauer, den Architekten Manfred Faber.
  • Der Fotokünstler Rob Herff (r.) erinnert mit seinen künstlerisch ebenbürtigen Fotografien der Naumannsiedlung an ihren Erbauer, den Architekten Manfred Faber.
  • Foto: Schriefer
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Nippes - (rs) Kunst ist wieder zurück im Bezirksrathaus. Nach einer durch die
Corona-Pandemie bedingten langen Pause zeigt der Kölner Fotograf Rob
Herff vom 28. Oktober bis 24. November in der Rotunde des
Bezirksrathauses Nippes (Neusser Straße 450) seine Ausstellung „In
Love With Riehl Light (Aus Liebe zum Riehler Licht)“. Mit seinen
Fotos möchte er nicht nur die nach Aussage des Architekten Paul Böhm
für Europa einmalige Siedlung ins Licht rücken, sondern auch an
Manfred Faber, den Architekten der Naumannsiedlung, erinnern. Der
jüdischstämmige Manfred Faber (1879-1944) habe die Naumannsiedlung
als leitender Architekt im Stil des sogenannten Neuen Bauens
geplant– eine Denkrichtung, in der sich Architektur an den
Bedürfnissen des Menschen orientierte, schreibt Rob Herff in der
Einladung zu seiner Ausstellung. Der in Karlsruhe geborene Architekt
war nach dem Ersten Weltkrieg nach Köln gekommen und hatte in den
1920- und 1930er-Jahren dort einige Wohnhäuser erbaut. Die
Naumannsiedlung mit ihren über 400 Wohnungen war sein größtes
Projekt. Sie wurde 1929 fertig gestellt. Nach 1933 wurden im Dritten
Reich jüdische und andere Mitbürger*innen diskriminiert, verfolgt
und ermordet. Dieses Schicksal traf auch Manfred Faber. Die Nazis
ermordeten ihn am 16. Mai 1944 in den Gaskammern des
Konzentrationslagers Auschwitz.

Rob Herff, Jahrgang 1961, lebt in der unter Denkmalschutz stehenden
Naumannsiedlung der GAG AG. Er habe es unerträglich gefunden, dass
dort nichts an den Architekten der Siedlung erinnern würde. Es sei
schließlich eine architektonische Innovation gewesen, was Manfred
Faber in Riehl geschaffen habe, sagt der Fotograf. So wie viele andere
bedeutende Innovationen, die von jüdischen Mitbürger*innen in der
Weimarer Zeit ausgegangen seien. „Das wurde von den Nazis brutal
unterbunden, sie haben nach 1933 den Faden zerrissen.“ Auch nach dem
Ende des Zweiten Weltkrieges sei der nicht wieder aufgegriffen worden,
bedauert Rob Herff. Erst vor kurzem sei eine Gedenkplakette an Manfred
Faber angebracht worden.

Der Fotograf der Naumannsiedlung hat seine Fotografien zunächst im
August in der Ausstellung „Kunst in der Unterkirche“ in Riehl
gezeigt und präsentiert sie jetzt auch im Nippeser Rathaus.

Manfred Fabers Architektur habe mit dem Licht gearbeitet, sagt Rob
Herff. Sie habe eine geradezu südländische Anmutung. „Die Arbeit
mit Licht ist auch die Verbindung zu meinen Fotografien, denen ich
deshalb den Titel „In Love with Riehl Light“ gegeben habe.“ Was
ihn zu seinen Fotografien inspiriert habe, sei die Wechselwirkung
zwischen Flächen, Details, Ornamenten und dem natürlichen Licht.
„Genau das macht auch den Charme in Manfred Fabers Architektur
aus.“

Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert lobte in ihrer Ansprache zur
Eröffnung der Ausstellung den tiefenscharfen fotografischen Blick des
Künstlers, der das ästhetische Werk des Architekten noch überhöhen
würde. Gleichzeitig versprach sie, dass die Bezirksvertretung Nippes
sich für ein Denkmal des Architekten einsetzen werde.

Redakteur:

RAG - Redaktion

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