Rosenmontagszug in Morsbach
Größter Zug seit 10 Jahren: Mueschbech feiert mit Qualm, Konfetti und Lovemobil

Die „Dullys“ griffen augenzwinkernd den Prinzen-Notstand auf und machten aus ihrem Wagen eine wackelnde „Prinzen-Manufaktur – Do et für Mueschbech“. Unter dem Motto „Aktiv gegen den Prinzen-Notstand - Rattern bis der Arzt kommt“ zogen sie als schillernde Bordsteinschwalben durch die Straßen und versuchten, männliche Jecken charmant in ihr mobiles „Produktionsstudio“ zu lotsen. Das Publikum dankte es ihnen mit lautem Gelächter und viel Applaus | Foto: Karin Rechenberger
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  • Die „Dullys“ griffen augenzwinkernd den Prinzen-Notstand auf und machten aus ihrem Wagen eine wackelnde „Prinzen-Manufaktur – Do et für Mueschbech“. Unter dem Motto „Aktiv gegen den Prinzen-Notstand - Rattern bis der Arzt kommt“ zogen sie als schillernde Bordsteinschwalben durch die Straßen und versuchten, männliche Jecken charmant in ihr mobiles „Produktionsstudio“ zu lotsen. Das Publikum dankte es ihnen mit lautem Gelächter und viel Applaus
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Morsbach. Schnee in der Nacht, Sonne zum Start, Regen zur Halbzeit, der Rosenmontagszug in Morsbach bot wettertechnisch alles, was das närrische Herz nicht braucht. Und trotzdem, oder gerade deshalb, wurde es der größte Zug seit über zehn Jahren. 40 Gruppen und Vereine, rund 1.600 Teilnehmende, 31 Mottowagen, 55 Fußgruppen und drei Musikvereine verwandelten die Republik in eine rollende Bühne.
Als sich der „Zoch“ um 13.11 Uhr in Bewegung setzte, schien der Wunsch von Prinzessin Liya I. aus dem Hause Bukowski nach trockenem Wetter zunächst in Erfüllung zu gehen. Doch zur Zugmitte öffnete Petrus die Schleusen. Regencapes wurden zur Standardausstattung, die Besucherzahlen blieben hinter den Hoffnungen von Zugleiter Peter Becker zurück, geschätzt säumten weniger als die erhofften 8.000 bis 10.000 Menschen die Straßen. Die Stimmung aber blieb standhaft.
Gleich zu Beginn setzte der Wohnverbund St. Gertrud mit seinem Raumschiff „Inklusio“ ein starkes Zeichen. Dichter Qualm quoll aus den Raketendüsen, Seifenblasen schwebten durch die kalte Luft, und mit ihnen eine klare Botschaft: Menschlichkeit kennt keine Barrieren. Es war einer dieser Momente, in denen Karneval mehr ist als Kamelle und Konfetti.
Überhaupt präsentierten sich die Wagenbauer in Bestform. Die „Highspeed-Krawallas“ verlegten Glasfaser im Eiltempo, wenn auch augenzwinkernd mit dem Hinweis, dass noch nicht jedes Haus angeschlossen sei. Die Leonardo-da-Vinci-Sekundarschule griff die lange Schwimmbad-Pause auf: „Fünf Jahre Trockenschwimmen, jetzt Pool-Position.“ Und in Lichtenberg rollten Einkaufswagen über die Straße, in der Hoffnung auf den „Tante Enso“-Markt.
Politisch, ein bisschen frivol und mit einer ordentlichen Portion Lokalstolz präsentierte sich der Zug einmal mehr farbenfroh und treffsicher. Die „Dullys“ griffen augenzwinkernd den Prinzen-Notstand auf und machten aus ihrem Wagen eine wackelnde „Prinzen-Manufaktur – Do et für Mueschbech“. Unter dem Motto „Aktiv gegen den Prinzen-Notstand - Rattern bis der Arzt kommt“ zogen sie als schillernde Bordsteinschwalben durch die Straßen und versuchten, männliche Jecken charmant in ihr mobiles „Produktionsstudio“ zu lotsen. Das Publikum dankte es ihnen mit lautem Gelächter und viel Applaus.
Die Alte Funkengarde schwebte als Fallschirmjäger über den Asphalt und versprach, „durch die Wölkchen“ so manches „Fisternöllchen“ zu erspähen. Die Hueschosser Jongen Partei zog als „Geile Gockel“ durchs Dorf, mit klarer Botschaft in Sachen Beziehungspolitik. Und die Mariachi-Band „2Los Knalldropos“ vom Kegelclub „Knall Drop“ brachte mexikanisches Temperament in die oberbergische Kälte.
Seit 24 Jahren dabei ist die Gruppe „Querbeet“. In schwarzen Outfits mit Spiegelapplikationen hielten sie der Welt buchstäblich den Spiegel vor. „Jeder kann auch mal vor der eigenen Tür kehren“, lautete ihr Motto.
Den krönenden Abschluss bildete Prinzessin Liya I., mit 13 Jahren die jüngste Tollität in der mehr als 50-jährigen Geschichte der KG Morsbach. Rund 75 Auftritte hat sie in dieser Session absolviert, begleitet von ihren Adjutantinnen Maira Hombach und Victoria Bolte sowie ihrem Vater, Ex-Bürgermeister Jörg Bukowski.
Auf ihrem liebevoll gestalteten Wagen, entworfen von ihrer Mutter Jasmin Bukowski, warf sie trotz Regens strahlend Kamelle ins närrische Volk.
Am Kreisel vor dem Rathaus kommentierten Präsident Dominik Mauelshagen und Ex-Prinz Stefan Hähner das närrische Spektakel. Musikalisch begleitet von den Vereinen aus Holpe, Morsbach und Lichtenberg zog der längste Morsbacher Zug seit einem Jahrzehnt durch die Straßen. Schnee, Regen, Wind, am Ende blieb vor allem eins: das Gefühl, dass dieser Rosenmontag mehr war als nur ein Umzug. Er war ein Bekenntnis zu Gemeinschaft, Kreativität und einer ordentlichen Portion Selbstironie. Oder wie man in Mueschbech wohl sagen würde: Et hätt noch immer joot jejange, selbst mit nassen Füßen.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Karin Rechenberger aus Morsbach

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