Bauarbeiten gehen voran
Schicht für Schicht
- Neben dem Fußballfeld und dem Dorfgemeinschaftshaus in Glehn entsteht gerade der Mini-Kunstrasenplatz, der dank wasserdurchlässigem Bodenbelag und Flutlichtanlage ganzjährig bespielbar sein soll.
- Foto: SG Rotbachtal e.V./pp/Agentur ProfiPress
Der Wind weht einen Geruch nach Autoreifen über den künftigen Sportplatz in Glehn. Gerade wird die elastische Tragfläche – eine Masse aus geschreddertem Gummi, Kies und Kleber – auf das Fußballfeld aufgetragen, die den Untergrund für den Kunstrasen bilden soll. Markus Beul, Geschäftsführer der Spielgemeinschaft Rotbachtal, und Christof Marx, Ingenieur im Team „Straßen und öffentliche Grünflächen“ der Stadt Mechernich, begleiten die Bauarbeiten mit einiger Vorfreude: Ende September sollen die ersten Bälle über den Mini-Kunstrasenplatz gekickt werden.
Mechernich-Glehn (red). Ganz so „mini“ ist der aber eigentlich gar nicht: Der neue Sportplatz ist mit etwa 40 mal 60 Metern fast so groß wie ein halbes Fußballfeld. Der Bau ist ein Vereinsprojekt auf dem Grundstück der Stadt Mechernich und deshalb künftig sowohl für die Spieler der Spielgemeinschaft (SG) Rotbachtal-Strempt als auch für die Kinder und Jugendlichen der umliegenden Dörfer zugänglich, also öffentlich nutzbar. Das entspricht auch dem Motto der Spielgemeinschaft: „Zwei Vereine. Viele Dörfer. Ein Team.“ Tatsächlich kommen dort Spieler aus mehreren Dörfern von Voißel bis Eicks und Strempt zusammen und bilden insgesamt acht Mannschaften, von den Bambinis bis zu den Senioren.
Einstimmig
Auf knapp 350.000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten für die Anlage, inklusive Umzäunung, Flutlichter und Pflasterarbeiten. Ein Großprojekt, das einstimmig von der Mitgliederversammlung getragen wird. „Es ist toll, dass dieses große Projekt auf soviel Rückhalt bei unseren Mitgliedern zählen kann“, betont Markus Beul. Der Bau des Mini-Kunstrasenplatzes trägt den Titel: „Fußball braucht Platz. Zukunft braucht Möglichkeiten.“
Die Bezirksregierung Köln fördert das Projekt mit einem Anteil von 70 Prozent, also rund 240.000 Euro – eine der größten Fördersummen im Kreis Euskirchen. Die restliche Investitionssumme muss der Verein selbst aufbringen, aus angesparten Rücklagen und aus einer kreativen Spendenidee: Auf der Homepage der SG Rotbachtal (https://sg-rotbachtal.projekt-kunstrasen.de) ist der Platz in verschiedene Parzellen aufgeteilt. Per Spende können die Parzellen ab 25 Euro „gekauft“ werden, um den Bau zu finanzieren. Bisher sind so schon mehr als 20.000 Euro zusammengekommen. „Wir hoffen allerdings noch auf weitere 10.000 bis 15.000 Euro für unsere Finanzierung“, gesteht Markus Beul.
Lava, Gummi, Kunstrasen
Seit der Förderzusage im vergangenen September ist viel passiert auf dem Areal zwischen dem großen Fußballplatz (genannt „Waldrand-Arena“) und dem Dorfgemeinschaftshaus in Glehn. Es musste einiges an Erdarbeiten geleistet werden, bevor der neue Platz eingefasst, die Drainage zur Wasserableitung verlegt und die Fläche mit einer Lavaschicht gefüllt werden konnte. Auf diese Lavaschicht wird nun die elastische Tragschicht aus Gummigranulat, Kies und Kleber aufgetragen. Mitarbeiter der Firma Cordel-Bau, einer Fachfirma für Sportplatzbau aus Wallenborn im Landkreis Vulkaneifel, tragen die Schicht Bahn für Bahn mit speziellen Geräten auf.
Die Elastikschicht sorgt nicht nur für einen ebenen Boden, sie ist auch wasserdurchlässig und schont durch ihre Elastizität Muskeln und Gelenke der Spieler. Auf der fertigen Fläche könne schließlich der Kunstrasen „schwimmend“ verlegt werden, erklärt Christof Marx. Durch den darauf verteilten Sand wird der Kunstrasen an Ort und Stelle gehalten. Etwa alle zwei Wochen soll der Platz künftig mit speziellen Maschinen abgezogen und die Rasenhalme wieder aufgebürstet werden. Auch diese Geräte müssen noch vom Verein angeschafft werden.
Eigeninitiative
Mit dem Mini-Kunstrasenplatz entsteht nach dem Fußballplatz am Mechernicher Schulzentrum der zweite Platz, der dank wasserdurchlässigem Bodenbelag und Flutlichtanlage ganzjährig bespielt werden kann. Zwar ist er nicht so groß, wie der daneben liegende Rasenplatz, doch gerade jetzt im Sommer zeigt sich auf den ersten Blick, wie schwierig es ist, solche Plätze in Schuss zu halten. „Unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen, in denen wir es immer häufiger mit langen Trockenperioden zu tun haben, leiden die Rasenplätze“, weiß Christof Marx.
Markus Beul ist froh, in dieser Hinsicht auf einen engagierten Nachbarn zählen zu können, der regelmäßig den Rasensprenger umstellt, um den Platz so gut wie möglich zu bewässern. Trotz aller Bemühungen sind vertrocknete Stellen auf dem großen Platz kaum zu vermeiden. So bildet der Kunstrasenplatz auch in dieser Hinsicht eine gute Alternative zum Trainieren.
All das wäre allerdings nicht möglich ohne die beachtenswerte Eigeninitiative der Spielgemeinschaft. „Als Stadt sind wir froh, wenn Vereine die Initiative ergreifen und uns aus der Ortslage heraus unterstützen“, betont Christof Marx und lobt die beeindruckende Eigenleistung der Vereinsmitglieder. Mehr als ein halbes Dutzend Wochenenden habe man bereits mit bis zu 20 Freiwilligen am neuen Sportplatz gearbeitet, berichtet Markus Beul. Wichtig sei aber auch immer wieder die Unterstützung der Stadt Mechernich, sowohl beratend als auch mit Gerät und Material gewesen.
„Die Stadt hat uns die ganze Zeit im Hintergrund unterstützend begleitet. Christof Marx war für unsere Fragen ständig ansprechbar und häufig vor Ort – und auch mit Arbeitsgerät und Material wurden wir hier unterstützt“, bedankt sich Markus Beul. „Die Zusammenarbeit kann gerne so weitergehen, denn bis zum Anpfiff ist noch einiges zu tun. Neben der Verlegung des Kunstrasens und der Sandschicht müssen noch einige Pflasterarbeiten durchgeführt werden und auch die LED-Flutlichter müssen noch installiert werden. Und wir brauchen noch Tore“, fügt Markus Beul hinzu. Am Ende muss schließlich das Runde in das Eckige.
Redakteur/in:Signe Mai Slomian aus Pulheim |