Autofreie Kitschburger Straße
„Wenn nicht hier, wo dann?“

Mehr als 100 Unterschriften konnte die „Initiative Autofreie Kitschburger Straße“ an diesem Tag einsammeln. Diskutiert wurde aber auch.
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Lindenthal - Am Eingang zum Tierpark informierte die „Initiative Autofreie
Kitschburger Straße“ über ihr Anliegen – bislang mehr als 2000
Unterschriften.

Anfang des Jahres erst war Ute Hellen ins Wohnquartier an der
Friedrich-Schmidt-Straße gezogen und hatte sich an den idyllischen
Verhältnissen auf der Kitschburger Straße erfreut. Fußball
spielende Kinder, Skater, Spaziergängerinnen und Radfahrer ergingen
sich auf dem Asphaltstreifen, der die beiden Teile des Stadtwalds
durchschneidet, ohne dass sie dabei von motorisiertem Verkehr gestört
wurden. Doch Anfang Juni der Schock: Die Kitschburger war über Nacht
zu einer ganz normalen Straße mit Lärm und Gestank geworden: „Ich
habe gleich bei der Stadt angerufen, um zu fragen, was man dagegen tun
könnte“, berichtet Hellen. „Dort teilt man mir mit, dass es
bereits eine Initiative gibt.“

„Autofreie Kitschburger Straße“ heißt sie, und natürlich war
Ute Hellen dabei, als sie kürzlich am Eingang zum Tierpark mit einem
Infostand, an dem auch Unterschriftenlisten auslagen, über ihr
Anliegen informierte. Während des Lockdowns war die gut einen
Kilometer lange Verbindung zwischen Aachener Straße und Dürener
Straße monatelang für den motorisierten Verkehr gesperrt – als
zusätzlicher Freiraum an der frischen Luft, in dem das Abstandhalten
keine Probleme verursacht. Die Mitglieder der Initiative sind der
Meinung, der autofreie Zustand habe fast ausschließlich Vorteile,
deshalb er solle auf dauerhaft gestellt werden.

Schließlich sei die Kitschburger Straße schon seit Jahrzehnten
freitags ab 18 Uhr bis sonntags um 22 Uhr eine autofreie Zone. „Das
macht auch überhaupt keinen Sinn, den Stadtwald in zwei Teile zu
zerschneiden, es verwirrt auch die Besucher. Vor allem die Kinder,
wenn sie an einigen hier spielen können, an anderen nicht“, meinte
Johanne Riepl, der sich selbstverständlich umgehend auf der Liste
eintrug. Dieter Overath, Chef des Vereins Fairtrade Deutschland, der
am Maarweg ansässig ist, versprach: „Von unserer Belegschaft kommen
noch einmal 60 Unterschriften. Es ist doch traurig, wenn man von der
Verkehrswende redet, aber das nicht einmal an so einer Straße
schafft, die sich wie keine andere in Köln für die Schließung
anbietet: Wenn nicht hier, wo dann?“ Eberhard Flosdorff war sogar
eigens aus dem Seniorenheim gekommen: „Die Politiker sollen nicht
immer nur über 1,5 Prozent-Marken reden, sondern endlich mal was
tun.“

Das muss man Lara Schneider, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der
Lindenthaler Bezirksvertretung, nicht zweimal sagen: „Uns fehlt noch
eine Stimme zu einer Mehrheit für die dauerhafte Schließung. Noch
sind SPD, CDU und FDP dagegen, aber hier und da wackelt es schon.“

Vereinzelt sprachen sich Passanten auch für die Offenhaltung der
Kitschburger Straße aus – vor allem jene, die sie täglich auf dem
Weg zur Arbeit nutzen. „Das sind Einzelfälle, die wiegen den
Vorteil für die Allgemeinheit nicht auf“, gab Peter Tonke von der
Initiative zu bedenken. „Während der Sperrung ist der Verkehr auf
den umliegenden Straßen ja nicht zusammengebrochen.“ Stolz
vermeldete er, man habe bislang „mehr als 2000 Unterschriften
gesammelt“. Die sollen am 13. September der Bezirksbürgermeisterin
vorgelegt werden.

- Hans-Willi Hermans

Redakteur:

RAG - Redaktion

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