Mit Herz über den Wolken
Stephanie Herlach startet Impfaktion für Mädchen in den Slums von Bengaluru
- Auf dem Schulhof erklärt Stephanie Herlach den Kindern das Zähneputzen.
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Auf einem staubigen Schulhof am Rande eines Slums in Bengaluru beugt sich Stephanie Herlach zu einem Mädchen, hält eine kleine Plastiktüte mit einer Zahnbürste wie ein Versprechen in der Hand. Kinderlachen mischt sich mit dem Fernrauschen eines startenden Flugzeugs - zwei Welten, die für einen Moment aufeinander treffen. Was wie eine Szene aus einem Roman klingt, ist für die Kölnerin bald wieder Realität.
von Serkan Gürlek
Köln. Wenn Flugbegleiterinnen nach einem Langstreckenflug das Hotel verlassen, betreten sie oft auch andere Welten. Für Stephanie Herlach ist der zweitägige Zwischenstopp in Bengaluru mehr als eine Dienstreise. Die gebürtige Kölnerin arbeitet als Flugbegleiterin bei der Lufthansa und war zuvor lange als Notfallsanitäterin sowie Medizinpädagogin tätig. Seit Jahren nutzt sie diese kurzen Aufenthalte, um in Slums niedrigschwellige Gesundheitsprävention anzubieten.
Nun organisiert sie mit einer kompletten Lufthansa-Crew und einem deutschen medizinischen Team eine großangelegte Impfaktion für mehr als 500 Mädchen. Mit dem Vakzin sollen die Mädchen gegen das humane Papillomavirus (HPV)geschützt werden. Einer der Hauptauslöser für Gebärmutterhalskrebs.
„Health is a human right. Regardless of income or status.“ Dieses Credo treibt Herlach an. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet es, dass Gesundheit ein Menschenrecht ist, unabhängig vom Einkommen oder gesellschaftlichen Status. Während ihrer Einsätze in Slums und Kinderheimen weltweit hat sie ein Programm entwickelt. Es setzt genau dort an, wo Aufklärung und einfache Versorgungsmaßnahmen großen Unterschied machen: Mundhygiene, richtige Neugeborenenversorgung, Menstruationshygiene und Erste-Hilfe-Kurse — vielfach an die lokalen Gegebenheiten angepasst.
- Im Gepäck hat die Flugbegleiterin aus Köln auch Hilfe für die Menschen in indischen Slums.
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Aus Begegnungen wird eine Initiative
Mehrfach traf Stephanie Herlach in den Slums von Bengaluru Menschen mit Infektionskrankheiten. Vereinzelt stieß sie sogar noch auf Fälle von Poliomyelitis, der Kinderlähmung. In Deutschland gilt diese Krankheit seit den 1990er-Jahren als „ausgestorben“. Diese Eindrücke veranlassten sie, die Lage vor Ort genauer zu recherchieren und ihr Netzwerk zu erweitern – zuletzt mit direktem Kontakt zum Gesundheitsministerium des Bundesstaates Karnataka. „Die indische Regierung hat in den letzten Jahren Außerordentliches geleistet. Die Herausforderung bleibt aber, Randgruppen zu erreichen“, sagt Herlach.
Anfang November soll nun ein wichtiger Schritt folgen: Am 6. November fliegt eine komplette Lufthansa-Crew gemeinsam mit einem deutschen medizinischen Team nach Bengaluru. Am Folgetag ist eine groß angelegte Impfaktion in staatlichen Schulen geplant, die in der Nähe von Slumgebieten liegen. Ziel: An nur einem Tag den ersten Impfschutz gegen das humane Papillomavirus (HPV) für über 500 Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren zu ermöglichen.
Die Aktion setzt auf mehr als medizinische Leistung – sie baut auf Vertrauen. „Für viele dieser Mädchen wird es der allererste Impfzyklus in ihrem Leben sein“, erklärt Herlach. Die anreisenden Fachkräfte aus Köln, darunter Notfallsanitäter des Rettungsdienstes und eine Gynäkologin, werden die indischen Ärztinnen und Ärzte vor Ort unterstützen – besonders bei der Aufklärung und der Vorbereitung der Erziehungsberechtigten. Als Lufthansa-Crew sind die Reisenden on duty und fungieren zugleich als Gastgeber für das Medical Team auf Hin- und Rückflug.
Begleitet wird das Projekt vom Hilfsverein Somedi e.V.: Vorsitzender Felix Amar Honecker, Beisitzerin Leatitia Zoe Honecker sowie Anita Honecker, Kabinenchefin auf der Langstrecke bei Lufthansa, werden das Team vor Ort unterstützen. Der Verein übernimmt auch die Spendenabwicklung und die Ausstellung von Spendenquittungen.
- Der Andrang bei den Hilfsangeboten ist groß.
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Warum HPV-Impfungen wichtig sind
HPV (Humanes Papillomavirus) ist eine Gruppe von Viren, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Die Übertragung erfolgt überwiegend durch sexuellen Kontakt. Impfungen im Alter von 9 bis 14 Jahren sind besonders wirkungsvoll, weil der Körper in diesem Alter eine bessere Immunantwort entwickelt. Studien zufolge kann eine umfassende Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 Prozent reduzieren – ein Grund, weshalb die Aktion gezielt junge Mädchen anspricht. Die Initiative hat bereits breite Unterstützung erfahren: Bislang konnten 10.000 Euro an Spenden gesammelt werden. Für das Ziel, 500 Mädchen einen ersten HPV-Schutz zu ermöglichen, werden noch 6.000 Euro benötigt. Spenden werden über Somedi e.V. abgewickelt.
Spendenkonto: Somedi Nettetal e.V.
IBAN: DE73 3205 0000 0024 0007 05 | BIC: SPKRDE33
Bei Überweisungen unbedingt die Referenz „Immunity Drive for Bangalore“ angeben sowie Name, Anschrift und gegebenenfalls USt.-ID für eine Spendenquittung.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |