Drohen Umsatzeinbußen nach Neuausrichtung?
Schlechter GAG! Kölner Handwerker bangen um Existenz
- Zahlreiche Kölner Handwerkder sind aufgrund der Neuausrichtung der GAG nicht besonders erfreut.
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Das ist ein schlechter GAG! Zumindest dachten das viele kleine und mittelständische Unternehmer, als sie vor einigen Wochen ein Schreiben von Kölns größtem Wohnungsunternehmen bekamen. Doch die GAG meint es ernst: Instandhaltungsaufträge von bis zu 1500 Euro brutto wird sie ab September ausschließlich an die beiden Großfirmen B&O und Apleona vergeben, um sich wirtschaftlich und organisatorisch zukunftsfähig aufzustellen und die Servicequalität für Mieter zu steigern, wie es heißt. Reparaturen für Mieter sollen dadurch zudem schneller und besser bearbeitet werden. Doch viele Kölner Firmen fürchten wegen dieser Neuausrichtung der GAG jetzt um ihre Existenz.
von EDW-Redaktion
Für zahlreiche kleine und mittelständische Handwerksbetriebe in Köln ist die GAG der mit Abstand wichtigste Auftraggeber. Tatsächlich machen sogar gerade diese kleinen Aufträge von weniger als 1500 Euro brutto zusammengerechnet den Großteil ihres monatlichen Umsatzes aus.
Entsprechend besorgt blicken viele Kölner Handwerker in die Zukunft. Immerhin: Die GAG will vermitteln. So heißt es in dem Schreiben an die Betriebe (liegt EXPRESS - Die Woche vor): „Wenn Sie Interesse daran haben, auch im Kleinreparatursegment weiterhin in den Beständen der GAG tätig zu sein, können wir Ihnen aber auch empfehlen, direkt auf B&O und Apleona zuzugehen und sich dort als Partner ins Gespräch zu bringen. Gern unterstützen wir Sie bei Bedarf mit den entsprechenden Kontaktinformationen.“
Eine Garantie ist das für die Kölner Betriebe allerdings nicht. Im Zweifelsfall fällt ein Großteil ihrer Existenzgrundlage also weg, zumindest vorerst. „Uns ist bewusst, dass Veränderungen in der Vergabestruktur bei langjährigen Partnerunternehmen Fragen auslösen. Die GAG schätzt die Zusammenarbeit mit vielen Kölner Handwerksbetrieben sehr, weshalb wir diese auch künftig direkt beauftragen werden“, heißt es vonseiten der GAG auf Nachfrage von EXPRESS - Die Woche. Allerdings gilt Letzteres wohl nur für Aufträge, die einen Wert von mehr als 1500 Euro brutto haben. „Zudem bauen die künftig eingebundenen Dienstleister ihre Partnernetzwerke lokal aus, um nach einer Anlaufphase ausschließlich mit Kölner Handwerkern zusammenzuarbeiten. Das Auftragsvolumen insgesamt bleibt gleich, der Auftraggeber ändert sich. So besteht für qualifizierte Unternehmen grundsätzlich auch künftig Möglichkeit zur Zusammenarbeit.“
Gleichzeitig scheint es unwahrscheinlich, dass die Kölner Handwerksbetriebe durch die Neuausrichtung der GAG künftig genauso viel Umsatz erwirtschaften, selbst wenn die Auftragslage im Bereich der Instandhaltung gleich bleiben sollte. Denn auch die beiden künftig zwischengeschalteten Großfirmen B&O und Apleona werden durch den Deal mit der GAG Gewinn einfahren wollen, sodass diesbezüglich in Zukunft wohl nur zwei Szenarien in Frage kommen: Entweder die GAG wird teurer oder es bleibt eben für die Kölner Handwerker weniger übrig.
Letzteres will die Kreishandwerkerschaft Köln so gut es geht vermeiden. „Für uns ist maßgeblich, dass das Kölner Handwerk auch künftig verlässlich und in angemessenem Umfang beteiligt bleibt“, sagt Roberto Lepore, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Köln „Die Umsetzung werden wir konstruktiv und aufmerksam begleiten.“
Anders als einige Kölner Handwerksbetriebe sieht Lepore keine generelle Gefahr für die Unternehmen. „Eine allgemeine wirtschaftliche Gefährdung lässt sich nach dem derzeitigen Sachstand nicht feststellen. Die GAG hat erklärt, dass das Auftragsvolumen insgesamt erhalten bleibt und weiterhin Kölner Handwerksbetriebe zum Einsatz kommen sollen“, sagt Lepore. „Für einzelne langjährige Partner kann die veränderte Auftragsstruktur dennoch spürbare Auswirkungen haben. Deshalb sind Planungssicherheit und ein geordneter Übergang wichtig.“
Um dies zu gewährleisten, will die Kreishandwerkerschaft sich weiter mit dem Vorstand der GAG austauschen, weitere Gespräche seien bereits vorgesehen. „Dabei geht es insbesondere um die künftige Einbindung der Betriebe, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und eine verlässliche Gestaltung des Übergangs“, sagt Lepore. „Unser Ziel ist eine tragfähige Perspektive für die betroffenen Kölner Handwerksunternehmen.“
Die Neuausrichtung der GAG müsse drei Ziele miteinander verbinden: einen verlässlichen Service für Mieter, effiziente Prozesse für die GAG und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für die ausführenden Betriebe. „Dafür braucht es transparente Zugangswege, auskömmliche Vergütungen, klare Qualitätsstandards und eine dauerhaft starke Beteiligung des Kölner Handwerks“, fordert Lepore. „Der Erfolg des neuen Modells wird sich daran zeigen, ob diese Ziele in der praktischen Umsetzung erreicht werden.“
Sollte dies der Fall sein, könnte aus dem zunächst als schlechter GAG verstandenen Schreiben zumindest noch eine akzeptable Situation werden. Doch bis dahin bleibt zumindest für einige Kölner Unternehmer ein ungutes Gefühl.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |