Kanadagans-Population stabil, aber:
Jedes Jahr zum Frühling: Gänse-Kot-Alarm in Köln
- Kanadagänse im Kölner Rheinpark.
- Foto: Michael Bause
- hochgeladen von EXPRESS - Die Woche - Redaktion
Es ist Frühling in Köln, man will kurz am Wasser entspannen – und landet unweigerlich mitten im Gänse-Ärger. Acht Hotspots zählt die Stadt, wo Mensch und invasive Gänse-Arten jedes Jahr aufeinandertreffen. Die Stadt setzt auf Gelegemanagement. Bei der Kanadagans klappt das Stabilisieren, bei der Nilgans fliegt Köln das Problem buchstäblich über den Kopf: Sie brütet hoch in den Bäumen.
von Holger Bienert
von Holger Bienert
Wer im Mediapark, am Aachener Weiher oder im Volksgarten unterwegs ist, kennt das: Die Wiesen am Wasser sind beliebt – bei Menschen genauso wie bei Nil- und Kanadagänsen. Und wo beide dieselben Plätze lieben, wird’s eng. Die Stadt Köln zählt die Tiere deshalb in regelmäßigen Abständen, aber eben nicht flächendeckend im gesamten Stadtgebiet, sondern nur dort, wo die Brutdichte besonders hoch ist und wo auch das Gelegemanagement läuft. Diese Hotspots sind der Mediapark, Ebertplatz/Theodor-Heuss-Park, Clarenbach- und Rautenstrauchkanal, der Stadtwaldweiher, die Gewässer an der Universitäts- und Stadtbibliothek, der Aachener Weiher, der Kalscheurer Weiher und der Volksgartenweiher. In der Brutzeit und während des Gelegemanagements – also von Februar bis Mai – wird dort wöchentlich gezählt, von Juni bis Januar dann monatlich. Die Zahlen sind nicht repräsentativ für ganz Köln, sagt die Stadt, aber sie reichen aus, um zu sehen, ob die Population steigt, sinkt oder stagniert.
Und genau da wird’s spannend. Bei den Kanadagänsen zeigen die Durchschnittswerte der letzten drei Jahre an den Hotspots eine stabile Lage: 2023 wurden im Schnitt 129 gezählt, 2024 waren es 114, 2025 dann 125. Stabil heißt hier nicht „von selbst ruhig geworden“, sondern: Das Grünflächenamt entnimmt an den Hotspots jedes Jahr rund 300 Eier – so bleibt die Zahl zumindest dort im Griff. Ganz anders die Nilgans. Ihre Durchschnittswerte steigen deutlich: 2023 lag der Schnitt an den Hotspots bei 33, 2024 bei 77 und 2025 schon bei 115. Der Grund ist fast schon banal und für Köln gleichzeitig bitter: Bei Nilgänsen werden kaum Eier entnommen, weil sie hoch in den Bäumen brüten und eben keine Bodenbrüter sind. Das Gelegemanagement geht an ihnen weitgehend vorbei, die Stadt sucht hier noch nach Lösungen.
Die Gänse sitzen aber nicht nur an den Hotspots. Bevorzugt sind, wo gemähte Wiesen auf Gewässer treffen oder landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Nähe sind. Genannt werden auch der Decksteiner Weiher, der Fühlinger See, Tierparks – besonders der Lindenthaler Tierpark – sowie der Rheinpark. Das Problem: Gerade jetzt, wo es wieder wärmer wird und Köln Richtung Sommer denkt, begegnen sich Mensch und Tier am ehesten in den Parkanlagen. Denn die Gänse lieben genau die Flächen, auf denen auch Kölner liegen, spielen oder picknicken wollen. Viele Bürger beklagen laut Stadt die massive Verkotung der Wiesenflächen – und bei der Nilgans kommt während der Brutzeit noch ein Punkt dazu: ihr teils aggressives Verhalten.
Greift Köln jetzt härter durch? Eher nicht. Sonderbejagungen im innerstädtischen Bereich sind nicht geplant. Und selbst wenn weniger Nachwuchs schlüpft: Den Zuzug weiterer Gänse oder ihre Niederlassung kann Köln nicht stoppen – dafür gibt es laut Stadt keine Pläne. Auch die Idee, mit Falknern, Greifvögeln oder Hunden die Vögel zu vergrämen, klingt zunächst nach schneller Lösung, ist aber praktisch hoch umstritten. Für den Rheinpark wurde eine Vergrämung durch Falkner intensiv diskutiert. Eine nachhaltige Wirkung entstehe nur, wenn einzelne Tiere durch die Greifvögel auch angegriffen würden. Das wäre bei den großen Gänsen nicht waidgerecht, sagt die Stadt. Allein die Überlegung habe massiven Widerstand ausgelöst, unter anderem von Tierschutzvereinen, der Tierschutzpartei, aber auch von vielen Bürgern.
Bliebe also das, was in der Verwaltung gern „gärtnerische Veränderung der Habitate“ heißt: Die Parks so verändern, dass die Gänse sich nicht mehr wohlfühlen. Ein Ansatz wäre, das Gras auf Kniehöhe wachsen zu lassen, denn dann meiden die Tiere die Flächen. Der Haken ist klar: Das wären dann auch für die Menschen keine Erholungsflächen mehr – und außerdem fressen die Gänse die Wiesen ohnehin „runter“. Eine andere Idee wären Hecken an den Uferseiten, die den Zugang zum Wasser erschweren. Aber auch das hat Nebenwirkungen: Solche Maßnahmen wirken sich auf alle Wasservögel aus und würden vor allem die deutlich weniger intelligenten Schwäne tangieren. Dazu kommen denkmalschutzrechtliche Erwägungen, die in Köln schnell zur harten Grenze werden können.
Und dann ist da noch das Thema, über das jeder redet, aber keiner gern schreibt: der Kot. Die Stadt sagt klar: Weil die Tiere alle fünf Minuten koten, ist ein Sauberhalten beinahe unmöglich. Umso wichtiger sei deshalb etwas, das jeder selbst in der Hand hat: nicht füttern. Denn wenn die Tiere gefüttert werden, verändert sich der Kot, und der Nährstoffgehalt der Gewässer steigt. Übersetzt: Wer füttert, macht’s am Ende für alle schlimmer – auf der Wiese und im Wasser.
Eine Patentlösung gibt es nicht. Das zeigen die gleichen Debatten in anderen Kommunen. Man wird sich wohl einfach an die Anwesenheit der Tiere gewöhnen müssen.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |