Kölsch stirbt nicht aus
Der 21. Februar ist der internationale Tag der Muttersprache

Alice Herrwegen (v.l.) und Dr. Christa Bhatt von der „Akademie för uns kölsche Sproch“ haben den Ist-Zustand der kölschen Sprache untersucht.
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  • Alice Herrwegen (v.l.) und Dr. Christa Bhatt von der „Akademie för uns kölsche Sproch“ haben den Ist-Zustand der kölschen Sprache untersucht.
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Köln - Am 21. Februar ist der internationale Tag der Muttersprache. Das
Kölsche hat Willi Ostermann in seinem Klassiker „Heimweh nach
Köln“ als seine „Muttersproch“ besungen. Das Festkomitee
Kölner Karneval hat für die Session 2019 das Motto „Uns Sproch es
Heimat“ gewählt. Laut UNESCO ist das Kölsch jedoch gefährdet.
„Kölsch ist in“ sind sich aber Dr. Christa Bhatt und Alice
Herrwegen von der „Akademie för uns kölsche Sproch“ einig.

Beide haben an dem sprachwissenschaftlichen Projekt „Op Kölsch
gesaht“ gearbeitet und da den Ist-Zustand des Kölschen mit 255
befragten Personen untersucht. Herauskam, dass 64 Prozent der
Befragten ihre kölschen Sprachkenntnisse aus kölschen Liedern
bezogen.
Kölsch ist ein Dialekt des Deutschen und keine eigene Sprache, weil
es viele Merkmale einer eigenständigen Sprache nicht aufweisen kann.
Dazu gehöre auch eine einheitliche Rechtschreibung. 255 Menschen
zwischen 22 und 92 Jahren hat die Akademie getestet. 188
Projektteilnehmer haben 344 Anekdoten frei erzählt. Es habe sich
gezeigt, dass bei den älteren Sprechern die meisten – wenn auch
nicht alle – Dialektmerkmale stabil sind, bei den jüngeren
Sprechern hingegen der äußere Einfluss, der in erster Linie durch
den Sprachkontakt zum Hochdeutschen entsteht, deutlich erkennbar ist.
Dr. Christa Bhatt erklärt: „Die Gefährdung des Kölschen ist nach
wie vor da. Aber es wird viel gemacht – in der Werbung, in der
Musik. Sogar Schulen bieten Kölsch-AGs an.“
Allerdings werde auch viel unkorrektes Kölsch geredet und gesungen.
Sogar die Bläck Fööss, die für die beiden
Akademie-Mitarbeiterinnen ein gutes Kölsch sprechen, wären mit ihrem
Titel „Mir klääve am Lääve“ statt „Levve“ nicht frei von
Fehlern. Sicher seien dagegen die älteren Kölschsprecher in der
Stadt und auch im Umland. Alice Herrwegen sagt: „Es wäre wichtig,
wenn die Eltern und Großeltern, die damit aufgewachsen sind, es
weitergeben.“
Bhatt ergänzt: „Kölsch wird weiterexistieren. Die Frage ist, in
welcher Qualität.“ Die Kölsch-Musiker seien in einer großen
Verantwortung für die kölsche Sprache. Die Akademie bietet ihnen an,
die Texte vor Veröffentlichung auf korrekte Grammatik und Wortschatz
zu überprüfen.
Im Dezember 2017 ist im dabbelju Verlag eine Box „Op Kölsch gesaht.
161 Anekdötcher en kölscher Sproch“ erschienen. Käufer der CDs
können die Untersuchungsergebnisse des Projekts als PDF-Datei
herunterladen.
Dr. Christa Bhatt bereitet eine kürzere Print-Version des Buches für
dieses Frühjahr vor. Wenn sie bald in den Ruhestand geht, wird die
sprachwissenschaftliche Abteilung an der „Akademie för uns kölsche
Sproch“ nicht mehr besetzt.

 

Christoph Kuckelkorn:

„Sprache ist die Basis für das Miteinander in jeder Gesellschaft.
Sie stiftet Identität und Gemeinschaftsgefühl. Gerade die kölsche
Sprache lässt Sprecher und Zuhörer enger zusammenrücken”, so
Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval.
„Gleichzeitig ist das Sessionsmotto eine Einladung an all jene, die
kein Kölsch sprechen, unsere Sprache und damit unsere Lebensart
besser kennen zu lernen. Wer sich ein bisschen auf die kölsche
Sprache einlässt, spürt, warum sie für die Menschen in Köln ein so
wichtiges Stück Heimat bedeutet.”

 

Katharina Petzoldt:

"Vielen wird das neue Karnevalsmotto aus der Seele gesprochen haben.
Vor allen Dingen Kölnern, die ihre Sprache lieben, pflegen und
sprechen. Wer kann heute noch ein unverfälschtes Kölsch sprechen?
Vielleicht die Älteren, die es in der Nachkriegszeit auf der Straße
gelernt haben. Oder Nachkommen aus alten kölner Familien, wo noch
Kölsch gesprochen wurde. Die Kölner sollten stolz auf ihre Sprache
sein. Welche Stadt kann sich rühmen, eine eigene Sprache zu haben?
Sie ist ehrlich, Labsal für Geist und Seele und Heimat. Hier sind wir
zu Hause."

Redakteur:

Michael Offizier aus Köln

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